Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Blutrache für den Bruder: Lebenslang für Schüsse am Gericht

20.11.2025 - 21:38:42

2024 wurde der Bruder eines 41-Jährigen erschossen - weil er eine lebenslange Strafe für den Schützen für unzureichend hielt, nahm er das Recht selbst in die Hand. Dafür wurde er nun verurteilt.

  • Für einen versuchten Rachemord ist ein 41-Jähriger zu lebenslanger Haft verurteilt worden.  - Foto: Friso Gentsch/dpa

    Friso Gentsch/dpa

  • Bei den Schüssen vor dem Landgericht waren vier Menschen verletzt worden, teilweise schwer. (Archivbild) - Foto: Friso Gentsch/dpa

    Friso Gentsch/dpa

Für einen versuchten Rachemord ist ein 41-Jähriger zu lebenslanger Haft verurteilt worden.  - Foto: Friso Gentsch/dpaBei den Schüssen vor dem Landgericht waren vier Menschen verletzt worden, teilweise schwer. (Archivbild) - Foto: Friso Gentsch/dpa

Anfang des Jahres noch saß ein 41-jähriger Mann als Nebenkläger im Prozess um den aufsehenerregenden Mord an seinem Bruder, dem ehemaligen Profiboxer Besar Nimani. Im selben Gerichtssaal vor dem Landgericht Bielefeld ist er nun zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden, weil er für den Tod des Bruders Vergeltung üben wollte. 

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 41-Jährige im Februar vor dem Landgericht auf mehrere Menschen schoss - als «Akt der Selbstjustiz», wie der Richter es bezeichnete, und um die Macht seiner Familie zu demonstrieren. Vier Menschen wurden damals insgesamt verletzt, darunter auch der Vater und der Bruder des Mannes, der später vom Gericht wegen Mordes am Ex-Boxer Nimani für schuldig befunden wurde.

Freiheitsstrafe auch für Schwester

Seine mitangeklagte 31 Jahre alte Schwester wurde ebenfalls wegen versuchten Mordes verurteilt. Gegen sie verhängte das Gericht eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren. Sie hatte aus einem fahrenden Auto Schüsse auf eines der Opfer angegeben. Die beiden deutschen Angeklagten stammen aus dem Kosovo. 

Wo die Geschichte eigentlich ihren Anfang nimmt, konnten weder die polizeilichen Ermittlungen noch die gerichtliche Aufarbeitung erhellen. Mit dem brutalen Mord an dem Ex-Boxer Besar Nimani auf offener Straße in Bielefeld im März 2024 jedenfalls erschütterte ein Verbrechen die Stadt, für das ein Motiv nie ermittelt werden konnte. 

Brutaler Mord auf offener Straße

Der damals 38-jährige frühere Mittelgewichtsprofi hatte gerade einen Freund aus einem Friseursalon abholen wollen, als zwei Männer das Feuer auf ihn eröffneten. Insgesamt fielen 16 Schüsse, Nimani verblutete noch am Tatort. Einer der beiden Schützen war im April zu lebenslanger Haft verurteilt worden, die Revision in dem Verfahren läuft noch. Nach einem zweiten Tatverdächtigen wird bis heute gefahndet. 

Doch noch bevor das Gericht im Verfahren um Nimanis Tod ein Urteil sprechen konnte, nahm die Familie das Recht selbst in die Hand: Am dritten Verhandlungstag Ende Februar hatte der nun angeklagte 41-Jährige das Gerichtsgebäude etwas vorzeitiger verlassen und den Familienangehörigen des Schützen im Fall seines Bruders aufgelauert. 

Schüsse aus dem Hinterhalt

Aus einem Hinterhalt eröffnete er das Feuer, schoss mehrfach in die Gruppe. Immer wieder habe er dabei auf den Oberkörper der beiden Männer gezielt, die er töten wollte: Der Vater und der Bruder der verfeindeten Familie. Verletzt wurden auch zwei weitere Zufallsopfer.

Die angeklagte 34-Jährige hatte nach Überzeugung des Gerichts wenig später aus einem fahrenden Auto auf ein bereits angeschossenes und fliehendes Opfer mehrere Schüsse abgegeben, um das Werk ihres Bruders zu vollenden, wie der Vorsitzende Richter sagte.

Lebenslang reichte ihm nicht

In Briefen aus dem Gefängnis hatte der 41-jährige Angeklagte später seine tiefe Verachtung gegenüber der anderen Familie kundgetan. Und auch, dass er die Arbeit der Polizei bei den Ermittlungen zum Mord an seinem Bruder für unzureichend halte, ebenso wie eine lebenslange Gefängnisstrafe für den Täter. 

Das Gericht glaubte dem Angeklagten nicht, dass er seine Opfer nur hatte verletzen wollen, wie er in seiner Aussage vor Gericht behauptet hatte. Er habe auf den Oberkörper gezielt. Es sei letztendlich dem Zufall zu verdanken, dass die beiden Männer die lebensbedrohlichen Schussverletzungen überlebten, so der Richter. 

Der 41-jährige Angeklagte hatte vor Gericht eingeräumt, geschossen zu haben, allerdings gab er an, aus Angst und Notwehr gehandelt zu haben. Nach Darstellung der Verteidiger hatten sich die Angeklagten seit Jahren durch Familienangehörige des inzwischen verurteilten Mörders ihres Bruders bedroht gefühlt. Die Verteidiger kündigten bereits kurz nach dem Urteilsspruch an, in Revision gehen zu wollen.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Wichtige Punkte: Köln besiegt Wolfsburg im Mittelfeld-Duell. Ein Tor entscheidet die Partie. Unter Flutlicht treffen mit Köln und Wolfsburg zwei Mitkonkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt aufeinander. (Politik, 30.01.2026 - 22:24) weiterlesen...

Ohne Geweih, doch mit Stimmgewalt: Bester Hirschrufer gekürt. Nach intensiven Rufduellen bei der Deutschen Meisterschaft der Hirschrufer hat die Jury ihren Favoriten gekürt. Viele röhrten, einer überzeugte. (Unterhaltung, 30.01.2026 - 17:36) weiterlesen...

Urteil nach Tod eines ehemaligen Boxprofis rechtskräftig. Nach einem zweiten Schützen wird weiterhin international gefahndet. Nach Schüssen in einer Fußgängerzone und einem aufsehenerregenden Prozess steht das lebenslange Urteil im Fall Besar Nimani fest. (Unterhaltung, 30.01.2026 - 16:57) weiterlesen...

Nach Millionen-Coup: «Ich habe geheult vor Wut». Von sich aus habe die Bank sich erst nach Wochen gemeldet, eine Hotline war ständig besetzt. Nach dem Gelsenkirchener Einbruch mit Millionen-Beute kritisieren Geschädigte die Kommunikation der Bank. (Unterhaltung, 30.01.2026 - 16:12) weiterlesen...

Anklage auf Mallorca fordert sieben Jahre für Kegelbrüder. Die Anklage wirft ihnen vorsätzliche Brandstiftung vor. Unter anderem mit Hilfe von Bier. Acht Kegelbrüder aus dem Münsterland sollen nach einem Brand auf Mallorca für sieben Jahre ins Gefängnis. (Unterhaltung, 30.01.2026 - 13:59) weiterlesen...

Justizminister pochen auf Schutz vor «digitalem Voyeurismus». Das könnte sich ändern. Ungewollt gefilmt in der Sauna – und der Täter darf die Aufnahmen behalten? Betroffene sind bisher oft machtlos. (Unterhaltung, 30.01.2026 - 13:43) weiterlesen...