Sprachkenntnis erforderlich: Strandbad verschÀrft Einlass
22.06.2026 - 15:49:40 | dpa.deKein Deutsch, kein Eintritt: Diese umstrittene Regel ist in einem Strandbad in Sachsen-Anhalt eingefĂŒhrt worden. Nachdem der Chef des Heidebades, Mathias Nobel, im sachsen-anhaltischen Halle am vergangenen Wochenende ein Kleinkind aus metertiefem Wasser retten musste, fĂŒhrte er eine Regel ein, wonach Menschen, die nicht ausreichend Deutsch sprechen und die Baderegeln nicht verstehen, nicht mehr hereingelassen werden. Diese Entscheidung sorgt laut Nobel auch fĂŒr Kritik.Â
«Wir mĂŒssen uns sicher sein, dass die Besucherinnen und Besucher unsere Baderegeln verstehen und so konsequent sein, um die Sicherheit der BadegĂ€ste gewĂ€hrleisten zu können», sagte Nobel der Deutschen Presse-Agentur. Falle am Eingang auf, dass es VerstĂ€ndnisprobleme gibt, werde im Einzelfall entschieden, wie verfahren wird.Â
Nobel gehe es vor allem darum, dass die BadegĂ€ste wĂŒssten, wie sie sich am und im Wasser verhalten mĂŒssten, betonte er. Dabei spiele die Sprache eine wichtige Rolle, aber nicht nur. «Wenn die Sprachkenntnis eher schlecht ist, wir aber das GefĂŒhl haben, dass die Menschen wissen, wie sich am Wasser verhalten wird, dĂŒrfen sie natĂŒrlich bei uns baden.» FĂŒr seine Entscheidung sei er dennoch auch kritisiert worden, erzĂ€hlt der GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Bades. «Wir bleiben da aber konsequent.»
Kleinkind aus tiefem Wasser gerettet
Vor allem an heiĂen Tagen wie am vergangenen Wochenende sei auch am Einlass des Bades so viel los, dass eine neue Regelung habe gefunden werden mĂŒssen - ergĂ€nzend zu den Hinweisschildern, die an mehreren Stellen im Bad zu finden sind, sagte Nobel. Seit die neue Einlassregel vor wenigen Tagen eingefĂŒhrt wurde, seien vereinzelt Menschen nicht hereingelassen worden.
Anlass, die Regel ins Leben zu rufen, sei ein Vorfall vom vergangenen Wochenende gewesen. Nobel - selbst Rettungsschwimmer - musste ein Kleinkind aus dem Wasser retten, das in viel zu tiefem Wasser war. «Unser See ist zum Teil 13 Meter tief. Das ist einfach gefÀhrlich.»
Was ist leistbar und was nicht?Â
Vor allem die Kinder mĂŒssten verstehen, wie sie sich am Wasser zu verhalten hĂ€tten und in Aufsicht von Personen sein, die ebenfalls wĂŒssten, wie sie zu handeln hĂ€tten. AuĂerdem mĂŒssten die Menschen von den Rettungsschwimmern angesprochen werden können. Komme zum Beispiel eine Gruppe ohne auch nur eine Person, die ausreichend Deutsch verstehe, kĂ€men bei ihm und seinem Team Bedenken auf, sagte Nobel.
Mit der neuen Regelung wolle er auch seine Bademeister entlasten. In der Vergangenheit habe es Diskussionen gegeben, weil diese nicht dazu bereit gewesen seien, die Schwimmregeln einzeln in ein Ăbersetzungsprogramm zu sprechen, so der Chef des Heidebades. «Mein Personal ist so schon an der Grenze.»Â
Stadtwerke Jena mit anderem Ansatz
In Jena beispielsweise wird das Thema anders gehandhabt: «Die Jenaer BĂ€der stehen grundsĂ€tzlich allen GĂ€sten offen», betonte eine Sprecherin der Stadtwerke, die in Jena mehrere BĂ€der und einen Badesee betreiben. «Ein Zutrittsverbot oder ein Verweis aus dem Bad erfolgt ausschlieĂlich bei VerstöĂen gegen die Haus- und Badeordnung. Herkunft, NationalitĂ€t oder Sprache spielen dabei keine Rolle.»
Die Sprecherin erklĂ€rte, dass es dort keinerlei Ăberlegungen gebe, vergleichbare Regelungen einzufĂŒhren. Bisher seien dort keine FĂ€lle bekannt, in denen es aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse zu gefĂ€hrlichen Situationen im Badebetrieb gekommen ist.
DLRG: Kommunikation ist nicht nur Sprache
FĂŒr die Wasserrettung sei Kommunikation ein wichtiger Faktor, sagte der GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Sachsen-Anhalt, Holger Friedrich. «Unsere Arbeit wird deutlich erschwert, wenn der Badegast nicht versteht - oder verstehen will.»Â
Die KrĂ€fte der DLRG entschieden zwar nicht, wer in SchwimmbĂ€der gelassen wird, könnten den Betreibern aber durchaus darstellen, wo und warum es zu Problemen kommt. Besonders an beliebten Punkten in BĂ€dern, wie zum Beispiel SprĂŒngtĂŒrme oder Rutschen, komme es immer hĂ€ufiger dazu, dass BadegĂ€ste Regeln nicht befolgen, so Friedrich. «Da fĂŒr Ordnung zu sorgen, ist eigentlich gar nicht die Aufgabe der DLRG und lenkt von der eigentlichen Arbeit ab.»
Immer hĂ€ufiger gebe es BadegĂ€ste, die von Regeln nichts wissen wollen, so der DLRG-GeschĂ€ftsfĂŒhrer. «Das hat dann in erster Linie gar nicht mit der Sprache an sich zu tun. Aber natĂŒrlich wird es umso komplizierter, wenn es Sprachbarrieren gibt.»
Regel nicht eingehalten? Mann stirbt in Weinheimer SpaĂbad
Diskussionen um die Einhaltung von Regeln im Schwimmbad-Betrieb hatte es zuletzt nach einem Unfall im baden-wĂŒrttembergischen Weinheim gegeben. Nach einem Unfall in einer Rutsche im SpaĂbad «Miramar» war dort ein 25 Jahre alter Mann gestorben. Die Kriminalpolizei hatte danach die Ermittlungen aufgenommen. «Nach dem derzeitigen Kenntnisstand kam es im Zusammenhang mit einem VerstoĂ gegen die geltenden Nutzungs- und Sicherheitsregeln zu dem Unfallgeschehen», hatte ein Bad-Sprecher nach dem Unfall erklĂ€rt.
