Orang-Utan, Welt

Wohl Àltester Orang-Utan der Welt - Ziehsohn hÀlt Bella fit

28.08.2025 - 05:30:38

Bella hat schon viel gesehen. Seit mehr als 60 Jahren lebt sie im Tierpark Hagenbeck. Sie hÀlt den Rekord als Àltester Orang-Utan der Welt. Und noch hat sie wichtige Aufgaben zu erledigen.

Leuchtend rotes Fell, gelassene Ruhe jenseits des Trubels und viel Liebe fĂŒr ihren Ziehsohn Berani - daran können Besucherinnen und Besucher im Hamburger Tierpark Hagenbeck die wohl Ă€lteste Organ-Utan-Dame der Welt erkennen. Bella ist bereits 64 Jahre alt und fĂŒr ihr Alter noch erstaunlich rĂŒstig und fit, wie Chandra Kummerfeldt sagt. Die Tierpflegerin ist stellvertretende Leiterin des Affenreviers bei Hagenbeck. «Das ist richtig faszinierend. Ihr geht es gut. Es ist total toll, mit ihr zu arbeiten. Obwohl sie alt ist, kann sie noch super klettern. Und sie kennt ihre Limits.» 

Bella bekommt tĂ€glich Kletterzeit nur fĂŒr sich

Gleichzeitig bewegt sich die berĂŒhmte Seniorin dabei ganz bedĂ€chtig durch das Gehege. Und damit sie das ohne Störung machen kann, bekommt sie sogar Extrazeit nur fĂŒr sich. «Sie bekommt jeden Tag eineinhalb bis zwei Stunden Zeit, um morgens in Ruhe zu klettern. Die anderen sind ihr einfach zu schnell», sagt die 29 Jahre alte Tierpflegerin. Danach ist Bella nur noch hinter den Kulissen oder auch mal im Außengehege unterwegs. Aufgrund ihres Alters gilt sie als das rangniedrigste Tier.

Seit 1964 lebt Bella in Hamburg. Als sie in den Tierpark geholt wurde, war sie etwa zwei bis drei Jahre alt. In freier Wildbahn können Sumatra-Orang-Utan-Weibchen der Umweltschutzorganisation WWF zufolge bis zu 53 Jahre alt werden. Da den Experten noch kein Àlteres Tier als Bella bekannt ist, gilt sie als die Àlteste noch lebende Orang-Utan-Dame der Welt. Und steht damit sogar im Guinness-Buch der Rekorde.

«Hier haben die Affen keine Feinde. Der Tiger ist nicht hier.» Zudem könne das Tierpark-Team sĂ€mtliche medizinischen Eingriffe und Medikamente bieten. Das alles verlĂ€ngere natĂŒrlich das Leben der Tiere im Vergleich zu einem Leben in freier Wildbahn. In Hagenbecks Tierpark leben sieben Sumatra-Orang-Utans auf der Anlage, zwei davon sind erst wenige Jahre alt.

Ziehsohn Berani hÀlt alte Affendame fit

Und einer davon hĂ€lt Bella durchaus fit: ihr Ziehsohn Berani. «Den hat sie adoptiert und er hat ihr wohl den Anreiz gegeben, nochmal so alt zu werden», sagte Chandra Kummerfeldt. Nur das MilchflĂ€schen geben haben die Pflegerinnen und Pfleger ĂŒbernommen, um alles andere kĂŒmmert sich Bella selbst. Sie hat mehrere Stallungen fĂŒr sich und Berani allein und hĂ€lt ihn nachts zum Schlafen immer fest in ihren Armen. 

Zehn Kinder hat Bella in ihrem langen Leben bereits aufgezogen, vier davon waren Adoptivkinder. «Mit 45 Jahren hat Bella das letzte eigene Kind bekommen. Das ist auch schon spÀt.» 

Bella ist der einzige Affe auf der Anlage, bei dem die Tierpfleger direkt ins Gehege gehen. Das ist eine absolute Ausnahme und Bella kennt das auch schon seit vielen Jahrzehnten. Zu den Standards des Tierparks gehört es, dass die Tiere zu ihrem eigenen und zum Schutz der Pfleger keinen direkten Kontakt zu den Menschen haben. «Wenn Bella mal nicht mehr lebt, wird es das hier auch nicht mehr geben.»

Tierpflegerin hofft auf noch mindestens zwei, drei Jahre

Die stellvertretende Revierleiterin hofft aber, dass bis dahin noch ein paar Jahre vergehen. «Ich wĂŒnsche mir, dass sie noch ganz, ganz alt wird. Mindestens zwei, drei Jahre wĂ€ren noch schön. Dann ist Berani fĂŒnf Jahre alt. Und mit neun Jahren hat ein Affenkind alles gelernt, was ein Affenkind lernen muss.» Aktuell gebe es aber auch keine Anzeichen dafĂŒr, dass es Bella schlecht gehe. 

Die 64 Jahre alte MenschenĂ€ffin hat mittlerweile nur noch zwei ZĂ€hne. Deshalb gibt es fĂŒr sie beispielsweise morgens und abends gekochte Kartoffeln. Auch Weintrauben und Bananen liebt sie. «Zum Geburtstag im April haben wir ihr eine Torte mit Nudeln, Pudding und FrĂŒchten und Quark oben drauf gemacht - ohne Zucker natĂŒrlich», sagt Tierpflegerin Kummerfeldt mit einem Lachen. Gekochte Karotten und Kohlrabi sind dagegen kein Fall fĂŒr Bella. «Die will sie lieber roh und schĂ€lt sie sich dann einfach aus.»

Haare kĂ€men macht Bella glĂŒcklich

Bella habe auf jeden Fall ihren eigenen Kopf. «Wenn sie etwas nicht will, dann will sie nicht. Dann spuckt sie einen auch mal an - beim FingernÀgel schneiden zum Beispiel.»

Kommen die Tierpflegerinnen dagegen mit einer BĂŒrste, bleibt Bella entspannt sitzen. «Sie liebt es, wenn man ihr das Haar kĂ€mmt. Das ist wie eine Massage. Und dann schiebt sie ihren Unterkiefer so nach vorn und daran erkennt man, dass sie glĂŒcklich ist.»

@ dpa.de