Baden-Württemberg, Deutschland

Lebenslang für Raser-Brüder - «Dafür büßen Sie zu recht»

07.04.2026 - 17:00:33 | dpa.de

Die Spannung bei den Angehörigen der beiden Toten löst sich zu Beginn des Urteils. Die beiden Raser, die den fatalen Unfall in Ludwigsburg verursachten, müssen lange in Haft. Aber die Trauer bleibt.

  • Beim Urteil brandete Applaus auf im Gerichtssaal. - Foto: Marijan Murat/dpa
  • Die Brüder und ihr Cousin hatten in einer Tempo-50-Zone mit PS-starken Limousinen Vollgas gegeben.(Archiv) - Foto: Andreas Rometsch/KS-Images.de/dpa
  • Der Unfallverursacher muss lebenslang in Haft. - Foto: Marijan Murat/dpa
Beim Urteil brandete Applaus auf im Gerichtssaal. - Foto: Marijan Murat/dpa Die Brüder und ihr Cousin hatten in einer Tempo-50-Zone mit PS-starken Limousinen Vollgas gegeben.(Archiv) - Foto: Andreas Rometsch/KS-Images.de/dpa Der Unfallverursacher muss lebenslang in Haft. - Foto: Marijan Murat/dpa

Applaus brandet auf, als der Richter das entscheidende Wort sagt: «Lebenslang». Das ist das Wort, auf das die Angehörigen seit Monaten gewartet haben im Mordprozess, mit dem der Tod ihrer beiden Töchter und Schwestern zumindest ein wenig gesühnt werden soll. Lebenslange Haft für den Mann, der das Auto der jungen Frauen bei einem illegalen Autorennen vor einem Jahr in Ludwigsburg gerammt hatte. 

Vollgas in der Tempo-50-Zone

Der Mann, sein Bruder und der gemeinsame Cousin hatten sich nach Überzeugung des Stuttgarter Landgerichts im März vergangenen Jahres zum Rennen verabredet. Sie gaben sogar in einer Tempo-50-Zone mit PS-starken Limousinen Vollgas, sie bremsten immer wieder ab, feuerten sich an und gaben sich Startzeichen - bis der jüngere Bruder mit seinem Wagen mit rund 130 Stundenkilometern das Auto der 22 und 23 Jahre alten Frauen rammte, die gerade eine Tankstelle verließen. 

Richter: Falsch verstandene Großmannssucht

War das fahrlässig? Nein, entscheidet das Landgericht Stuttgart. Die beiden Frauen wurden aus seiner Sicht bei einem verbotenen Autorennen in Ludwigsburg vor fast genau einem Jahr ermordet. 

Deshalb verurteilte die Kammer auch den Bruder des Unfallverursachers, der den zweiten Wagen gefahren hatte. Er muss wegen versuchten Mordes für 13 Jahre ins Gefängnis. Der Cousin erhielt eine Bewährungsstrafe, weil er bei dem fatalen Crash im zweiten Auto saß. 

Zufallsopfer gebilligt

Die Worte des Richters sind scharf: Von falsch verstandener Großmannssucht mit tödlichem Ausgang ist die Rede, die Tat sei hoch verwerflich, ein solches Rennen «auf sittlich niedrigster Stufe». Die Brüder hätten sich über das Lebensrecht anderer Menschen hinweggesetzt und bei ihrem Rennen «ein Zufallsopfer gebilligt». «Es ging darum, das Rennen für sich zu entscheiden», sagte der Richter. Geschwindigkeitsrausch und Geltungsdrang hätten die Brüder dazu getrieben, die Gaspedale voll durchzutreten. 

Daher sei die Kammer überzeugt: «Die Überheblichkeit, die Sie an den Tag gelegt haben, müssen Sie büßen. Und zwar zu recht büßen», sagte der Richter. Und zum Unfallverursacher gerichtet: «Ihr Fahrzeug ist Ihr Traumauto und Ihr Albtraumauto geworden.»

Auch für die Angehörigen ist es ein Albtraum. Sie hatten in großer Zahl jeden Prozesstag besucht. «Uns ist bewusst, dass durch das Urteil der Verlust ihrer beiden Kinder nicht aufgearbeitet werden kann», sagte der Richter im restlos besetzten Saal. 

Heikles Urteil?

Mit dem Strafmaß folgt das Landgericht der Forderung der Staatsanwaltschaft und der Nebenkläger, also der Angehörigen. Die Verteidiger wollen gegen das Urteil in Revision gehen.

Juristisch ist der Fall heikel: Seit einer Gesetzesänderung im Jahr 2017 sind illegale Autorennen ausdrücklich strafbar. Bei Todesopfern drohen mehrjährige Haftstrafen, in besonders schweren Fällen auch eine Verurteilung wegen Mordes. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass ein Fahrer den Tod anderer nicht nur für möglich hält, sondern ihn billigend in Kauf nimmt. In der Vergangenheit haben Gerichte dazu unterschiedlich entschieden – von fahrlässiger Tötung bis hin zu Mordurteilen.

Aber schrecken diese Verschärfungen ab? Experten bezweifeln das stark, außerdem boomt die Raser-Szene. Aus Sicht des Landesinnenministers Thomas Strobl reicht der Strafkatalog für notorische Temposünder hingegen nicht aus. Der Gesetzgeber müsse prüfen, ob besonders unbelehrbare Raser ihre Führerscheine auf Lebenszeit verlieren könnten, fordert der CDU-Politiker. 

Warum ist das mehr als ein Einzelfall?

Allen härteren Strafen und Gerichtsurteilen zum Trotz rasen noch zahllose Menschen um die Wette - und auch weiterhin vorbei an der Ludwigsburger Unfallstelle, an der erst am Tag des Urteils ein Blitzer installiert wurde.

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