Nach Amoktat: Ringen um NormalitÀt und Suche nach Motiv
Veröffentlicht: 09.07.2026 um 12:41 Uhr, dpa.deNach der mutmaĂlichen Amoktat an einem Gymnasium im oberbayerischen Schongau steht die Aufarbeitung im Vordergrund. An der Schule sollen Kriseninterventionsteams SchĂŒlern und Lehrern helfen, das zu verarbeiten, was am Mittwoch an ihrer Schule geschehen ist, wie ein Sprecher des Landratsamtes sagte.
HaftprĂŒfung fĂŒr mutmaĂlichen TĂ€ter
Bei der Messerattacke waren auf dem SchulgelĂ€nde zwei 13-jĂ€hrige MĂ€dchen schwer verletzt worden. Ein 16-JĂ€hriger gilt als mutmaĂlicher TĂ€ter, gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft MĂŒnchen II wegen versuchten Mordes. Er soll im Laufe des Tages zur HaftprĂŒfung dem Ermittlungsrichter vorgefĂŒhrt werden.
Er mĂŒsse entschieden werden, ob der 16-JĂ€hrige in Untersuchungshaft komme oder ob eine einstweilige Unterbringung angeordnet werde, teilten Sprecher von Polizei und Staatsanwaltschaft auf Anfrage mit.
Der Jugendliche befand sich demnach zumindest zeitweilig in psychiatrischer Behandlung. Dem Vernehmen nach soll es gegen ihn schon einmal ein Verfahren wegen Billigung von Straftaten gegeben haben. Er soll schon vorher Drohungen ausgesprochen haben und sich bei der Tat in einer «psychischen Ausnahmesituation» befunden haben.
Tat spielte sich vor den Augen von SchĂŒlern ab
Einige der SchĂŒler erlebten hautnah, wie der ehemalige MitschĂŒler das SchulgelĂ€nde betrat, wie er laut Polizei einen Schuss aus einer Pistole abgab und dann, als die Waffe versagte, mit einem Messer auf die beiden 13-JĂ€hrigen losging. Die SchĂŒlerinnen wurden so schwer verletzt, dass eine von ihnen mit einem Rettungshubschrauber in die Klinik geflogen werden musste. Beide sind auĂer Lebensgefahr.
BĂŒrgermeister: «Schwarzer Tag fĂŒr Schongau»
BĂŒrgermeister Thomas Schleich Ă€uĂerte sich am Morgen bei einem Besuch an der Schule erneut erschĂŒttert. «Es ist ein schwarzer Tag fĂŒr Schongau», sagte Schleich. «Wir werden im Rathaus greifbar sein fĂŒr Leute, die einen Ansprechpartner brauchen.» Man könne unter anderem Kontakte herstellen, etwa wenn Menschen Betreuung brĂ€uchten.Â
Das Geschehene wirkt nach in dem 12.000-Einwohner-Ort und vor allem in der Schule mit ihren 800 SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern und 80 LehrkrĂ€ften. LehrkrĂ€fte waren es auch, die die Polizei dabei unterstĂŒtzten, den mutmaĂlichen TĂ€ter zu ĂŒberwĂ€ltigen.Â
«Man ist aufs Mark getroffen. Man macht sich viele Gedanken», sagte der BĂŒrgermeister weiter. «Ich bin auch Familienvater. Ich habe drei Kinder, und zwei Kinder gehen hier auch zur Schule.» Er sei persönlich froh, dass die Schule geöffnet habe. Das könne helfen, dass die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler in der Klassengemeinschaft und mit den LehrkrĂ€ften wieder in ihren normalen Alltag hinein fĂ€nden. Sie sollten nun vor allem die Möglichkeit haben, sich auszutauschen. Damit sei «diese Woche der Unterricht eher zweitrangig».
Ermittlungen zum Motiv laufen
Bei dem 16-JĂ€hrigen waren ein Messer - die Tatwaffe - und eine Pistole gefunden worden. Wie er an die Schusswaffe kam und was ihn zu der Tat bewegt haben könnte, sind Fragen, die noch zu klĂ€ren sind. Auch, ob er weitere Munition dabei hatte - und was hĂ€tte geschehen können, wenn er weiter hĂ€tte schieĂen können.Â
Nach Angaben des PolizeiprĂ€sidiums Oberbayern SĂŒd wurde die Wohnung des 16-JĂ€hrigen, der bei seinen Eltern lebt, durchsucht. Dabei gehe es vor allem um die Suche nach dem Motiv fĂŒr die Tat. Nun laufe die Auswertung der Spuren, darunter auch digitaler Daten.
Zudem sollen SchĂŒler und LehrkrĂ€fte vernommen werden - und auch die beiden schwer verletzten MĂ€dchen, sofern es ihr Zustand zulĂ€sst.
«Schreckliche Stunden» in Schongau
«Wir erleben schreckliche Stunden hier in Schongau», hatte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) nach einem Besuch in der Schule gesagt, die in seinem Bundestagswahlkreis liegt. «Wir stehen schockiert vor dieser irrsinnigen Tat.»
