Check-in mit Papier und Stift: Cyberangriff auf FlughÀfen
20.09.2025 - 16:24:52Check-in mit Papierlisten und Stift: Wegen des Cyberangriffs auf einen Flughafen-Dienstleister melden in Europa vier FlughĂ€fen Probleme bei der Passagierabfertigung. Die FlughĂ€fen Berlin, BrĂŒssel, Dublin und London Heathrow sind von den IT-Problemen betroffen, wie die Flugsicherungs-Dachorganisation Eurocontrol auf dpa-Anfrage mitteilte. Da die Passagiere nicht wie gewohnt abgefertigt werden können, kommt es zu Verzögerungen, langen Warteschlangen und auch Annullierungen.Â
Ein IT-Dienstleister ist am Freitagabend angegriffen worden, wie der Flughafen Berlin mitteilte. Die Verbindungen zu den Systemen habe der Flughafen daraufhin gekappt.
«Derzeit versuchen wir, mit Papierlisten und Bleistift zum Abhaken zu arbeiten und bemĂŒhen uns um eine schnelle Behebung. Daher dauert es alles lĂ€nger», sagte ein Sprecher in Berlin. Wie lange der Ausfall noch dauern werde, sei unklar. Ausgeschlossen sei nicht, dass das auch am Sonntag noch der Fall sei. Bis zum Nachmittag sei noch kein Flug storniert worden.Â
Der Angriff hat VerspĂ€tungen am Berliner Flughafen BER und an weiteren europĂ€ischen FlughĂ€fen zur Folge. Passagiere mĂŒssen nun seit dem Morgen mit lĂ€ngeren Wartezeiten beim Check-in und Boarding und mit VerspĂ€tungen rechnen.
LĂ€ngere Wartezeiten beim Check-in
«Aufgrund einer technischen Störung bei einem europaweit eingesetzten Systemanbieter kommt es zu lÀngeren Wartezeiten beim Check-in. Wir arbeiten an einer technischen Lösung», teilte der Flughafen den Reisenden in einem Laufband auf seiner Internetseite mit.
Laut den FlughĂ€fen BER und London Heathrow ist die Firma Collins Aerospace betroffen, das Unternehmen bestĂ€tigte der Deutschen Presse-Agentur «eine cyberbedingte Störung» an einigen FlughĂ€fen. «Wir arbeiten aktiv daran, das Problem zu beheben und die volle FunktionalitĂ€t fĂŒr unsere Kunden schnellstmöglich wiederherzustellen. Die Auswirkungen beschrĂ€nken sich auf den elektronischen Check-in und die GepĂ€ckabgabe und können durch manuelle Check-in-VorgĂ€nge abgemildert werden», schrieb Collins Aerospace.
Das US-Unternehmen ist in verschiedenen Bereichen der Luft- und Raumfahrttechnologie tĂ€tig. Neben der Herstellung von Komponenten fĂŒr die Luftfahrindustrie entwickelt Collins Aerospace eigenen Angaben auf der Homepage zufolge unter anderem Systeme fĂŒr militĂ€rische Anwendungen und ist in der Raumfahrttechnologie tĂ€tig.
Dauer der EinschrÀnkung nicht absehbar
Auf der Internetseite des Flughafens BER war am Morgen zu sehen, dass viele FlĂŒge ohne VerspĂ€tung starten konnten, bei manchen kam es aber zu kurzen und zum Teil auch lĂ€ngeren VerspĂ€tungen. Wie lange die EinschrĂ€nkung andauere, könne er nicht sagen, sagte der Sprecher. Ein Krisenstab sei eingerichtet worden.Â
Zugleich wurde mitgeteilt: «Der Flughafen selbst ist nicht Ziel des Cyber-Angriffs gewesen und davon nur indirekt betroffen.» Der Systemanbieter wird europaweit an FlughĂ€fen eingesetzt. Neben Berlin sind noch andere europĂ€ische FlughĂ€fen betroffen, eine BestĂ€tigung dafĂŒr gab es vom Flughafen BrĂŒssel in Belgien und Heathrow in GroĂbritannien.
Nach Angaben der BBC kam es in London-Heathrow bis in die Mittagsstunden zu mehr als 140 FlugverspĂ€tungen. In BrĂŒssel waren es demnach mehr als 100, in Berlin 62. Der Flughafen BrĂŒssel bat laut Eurocontrol zudem darum, die HĂ€lfte aller bis Montagmorgen geplanten AbflĂŒge zu streichen. Der Flughafen Dublin meldete hingegen nur kleine Auswirkungen. Von den Problemen sei aber auch der Flughafen in Cork betroffen, hieĂ in einem Post des Unternehmens auf X.Â
Einchecken Online oder am Automaten
Der Online-Check-in am BER funktioniere, wie es vom Flughafen weiter hieĂ. Der Flughafen empfahl auch, die Möglichkeiten in den Terminals zu nutzen und dort selbststĂ€ndig an den Automaten einzuchecken und auch das GepĂ€ck aufzugeben. Allerdings sei das fĂŒr Menschen mit Rollstuhl, mit Kinderwagen oder SperrgepĂ€ck nicht möglich. Diese mĂŒssten weiter die Schalter nutzen.
Dadurch gĂ€be es die lĂ€ngeren Schlangen und Wartezeiten. Bis zum Nachmittag sei noch kein Flug storniert worden. Die VerspĂ€tungen bei den FlĂŒgen könnten sich aber im Laufe des Tages weiter aufbauen, so dass es bei den letzten FlĂŒgen am Abend AusfĂ€lle geben könnte.
Weitere groĂe deutsche FlughĂ€fen wohl nicht betroffen
Die FlughĂ€fen Frankfurt, MĂŒnchen, DĂŒsseldorf und Hamburg berichteten am Morgen, nicht betroffen zu sein. «Der Flughafen Frankfurt ist vom Cyberangriff nicht betroffen», sagte eine Sprecherin. Die IT prĂŒfe aber die Systeme und Lage ganz genau. Es könne aufgrund der Probleme an anderen FlughĂ€fen aber auch in Frankfurt zu Auswirkungen kommen, etwa VerspĂ€tungen. Passagiere werden gebeten, sich zu informieren.
Auch in Hannover, Dresden, Leipzig/Halle, NĂŒrnberg, Bremen und Köln hieĂ es, der Betrieb laufe normal. Der Flughafen in MĂŒnster hingegen sei am Freitagabend gegen 22.00 Uhr betroffen gewesen, sagte eine Sprecherin. Allerdings habe man innerhalb von 30 Minuten auf die eigene IT umstellen können. Auswirkungen fĂŒr FluggĂ€ste habe es nicht gegeben. Zuvor hatte der WDR darĂŒber berichtet.
Erhebliche Auswirkungen möglich
Der Flughafen BrĂŒssel teilte mit, es sei mit erheblichen Auswirkungen auf den Flugbetrieb zu rechnen - es seien bislang 14 FlĂŒge gestrichen worden und abfliegende FlĂŒge hĂ€tten eine durchschnittliche VerspĂ€tung von einer Stunde. Die Schlangen an den Check-in-Schaltern seien lĂ€nger als ĂŒblich.
Derzeit sei aufgrund der Attacke nur manuelles Einchecken und Boarding möglich, heià es weiter. Der Dienstleister versuche so schnell wie möglich, das Problem zu beheben. Passagiere sollten ihren Flugstatus bei der Airline checken, bevor sie anreisten, und ausreichend Zeit am Flughafen einplanen.
Der Flughafen London Heathrow erklĂ€rte, es könne zu VerspĂ€tungen kommen, sprach aber von technischen Problemen, die zu VerspĂ€tungen fĂŒr abfliegende Passagiere fĂŒhren können.
Auch am Flughafen der irischen Hauptstadt Dublin gab es am Samstag einen Zwischenfall: Eines der beiden Terminals des Flughafens wurde am Morgen aus SicherheitsgrĂŒnden evakuiert, wie der Betreiber auf X mitteilte. Einzelheiten dazu blieben zunĂ€chst unklar. UnabhĂ€ngig davon fĂŒhre das europaweite Softwareproblem nur zu geringfĂŒgigen Auswirkungen in Dublin, hieĂ es.
Ob weiteren FlughÀfen betroffen sind, ist unklar. Bislang meldeten andere europÀische FlughÀfen keine Probleme.


