Angeklagter nach ZugunglĂŒck: «Ich habe solche SchuldgefĂŒhle»
28.10.2025 - 12:00:54Im Prozess um das tödliche ZugunglĂŒck in Garmisch vor mehr als drei Jahren zeigen sich die beiden Angeklagten tief getroffen. «Ich habe solche SchuldgefĂŒhle», sagte einer der MĂ€nner nach der Verlesung der Anklage. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm fahrlĂ€ssige Tötung vor, weil er am Abend zuvor einen Hinweis auf UnregelmĂ€Ăigkeiten an der Strecke nicht weitergegeben habe. Er habe die Meldung nicht so verstanden, dass eine sofortige Reaktion nötig gewesen wĂ€re, verteidigte sich der damalige Fahrdienstleiter. Die spĂ€tere Weitergabe habe er dann versĂ€umt, «ich kann Ihnen nicht sagen, warum», sagte der Mann unter TrĂ€nen.
Das UnglĂŒck ereignete sich im Juni 2022: Bei Garmisch-Partenkirchen entgleiste ein Regionalzug. Vier Frauen und ein 13-JĂ€hriger starben. 78 Menschen wurden verletzt, 16 von ihnen schwer. Die Strecke war monatelang gesperrt, der Schaden an Fahrzeugen und Infrastruktur belief sich auf geschĂ€tzt 4,75 Millionen Euro. Ursache des ZugunglĂŒcks waren laut verschiedener Gutachten marode Betonschwellen. Wegen chemischer Reaktionen im Inneren des Stahlbetonkerns waren die Schwellen nicht mehr tragfĂ€hig genug.
Urteil fÀllt im Januar
Dem zweiten Angeklagten wirft die Staatsanwaltschaft ebenfalls fahrlĂ€ssige Tötung vor. Er habe als Bezirksleiter Fahrbahn nicht dafĂŒr gesorgt, dass die beschĂ€digten Gleisschwellen rechtzeitig ausgetauscht wĂŒrden. Der rechtzeitige Austausch hĂ€tte das Todesgeschehen sicher verhindert, so die StaatsanwĂ€ltin. Der Mann erklĂ€rte, er hĂ€tte der Sache mehr auf den Grund gehen können und auch mĂŒssen. «Jeden Morgen, jeden Tag, denke ich an den Unfall», sagt. «Es tut mir sehr leid, dass ich das UnglĂŒck nicht habe verhindern können.»
UrsprĂŒnglich wurde gegen drei Bahnmitarbeiter Anklage erhoben â ein Verfahren wurde jedoch eingestellt. FĂŒr den Prozess sind 19 Termine bis zum 15. Januar 2026 festgesetzt.


