Saudi-Arabien: Mehr als 1300 Hitze-Tote bei Hadsch
24.06.2024 - 06:46:07 | dpa.deWĂ€hrend der muslimischen Wallfahrt Hadsch in Saudi-Arabien sind nach offiziellen Angaben 1301 Menschen aufgrund extremer Hitze gestorben. Bei der groĂen Mehrheit der Toten hab es sich um nicht registrierte Pilger gehandelt, teilte der saudische Gesundheitsminister Fahad Al-Dschaladschel am Sonntagabend mit.Â
Unklar ist weiter, aus welchen LĂ€ndern wie viele der Opfer stammten. Die Regierungen mehrerer arabischer LĂ€nder teilten mit, dass viele Wallfahrende offenbar mit einem normalen Touristenvisum anstelle eines speziellen Pilgervisums nach Saudi-Arabien eingereist waren. Nicht registrierte Pilger haben in der Regel keinen Zugang zu den fĂŒr Wallfahrende vorgesehenen UnterkĂŒnften und Transportdiensten.Â
Viele Tote hĂ€tten keine Ausweisdokumente bei sich gehabt, weshalb es dauere, bis sie identifiziert seien und deren Familien informiert werden könnten, sagte der saudische Gesundheitsminister im Staatsfernsehen Al-Ekhbariya. «Die unregistrierten Pilger liefen ĂŒber lange Strecken unter der Sonne ohne Schutz und Pause. Einige von ihnen waren Ă€lter und einige andere hatten chronische Krankheiten.»
Arabische LĂ€nder ziehen Konsequenzen
Viele LĂ€nder mit muslimischer Bevölkerung hatten am Wochenende Tote beim Hadsch gemeldet, darunter Indonesien, Indien, Jordanien, Malaysia, der Senegal und Pakistan. Aus ersten Berichten, dass viele der Toten nicht als Pilger registriert gewesen seien, zogen einige LĂ€nder bereits Konsequenzen.Â
Aus Ăgypten etwa wurden zunĂ€chst spezielle Teams nach Mekka entsandt, um nach Vermissten zu suchen. Des Weiteren wurde der Entzug der Lizenzen von 16 Reiseveranstaltern angeordnet, die illegal Reisen fĂŒr nicht registrierte Pilger nach Saudi-Arabien organisiert haben sollen.Â
Auch in Jordanien wurden laut der Nachrichtenagentur Petra Ermittlungen eingeleitet, um «die UmstĂ€nde rund um die Reisen jordanischer BĂŒrger nach Saudi-Arabien» aufzuklĂ€ren. Tunesiens PrĂ€sident Kais Saied ging noch einen Schritt weiter und entlieĂ seinen Minister fĂŒr religiöse Angelegenheiten, Brahim Schaibi.Â
Wallfahrt in Gluthitze
FĂŒr Muslime sind die heiligen StĂ€tten in Saudi-Arabien als GeburtsstĂ€tte des Islam von immenser Bedeutung. Einen zentralen Punkt bildet die Heilige Moschee mit der Kaaba in Mekka, die gemÀà muslimischen Ritualen von jedem Hadsch-Pilger umrundet werden soll. Die Wallfahrt gehört zu den fĂŒnf Grundpflichten des Islam. Wer es sich leisten kann und körperlich dazu imstande ist, sollte die Reise mindestens einmal in seinem Leben absolvieren. Manche Muslime pilgern mehrfach nach Mekka.Â
In diesem Jahr nahmen rund 1,8 Millionen Pilger teil, im vergangenen Jahr waren es circa 2 Millionen. Der Hadsch findet stets im letzten Monat des islamischen Kalenders statt - dieses Jahr begann die Wallfahrt am 14. Juni und endete am vergangenen Dienstag, wobei einige Pilger noch am Mittwoch Rituale vollzogen.Â
Um die Jahreszeit herrscht in der WĂŒste Saudi-Arabiens sengende Hitze, tagsĂŒber stiegen die Temperaturen auf um die 50 Grad Celsius. Behörden hatten die Pilger dazu aufgerufen, Sonnenschirme zu tragen, sich zur besonders heiĂen Mittagszeit nicht drauĂen aufzuhalten und genĂŒgend Wasser zu trinken.
Immer wieder tödliche ZwischenfÀlle
Immer wieder geht die Wallfahrt von Menschenmassen in Gluthitze mit tödlichen ZwischenfĂ€llen einher. Im Jahr 2015 sollen hunderte Menschen im GedrĂ€nge eines Steinwurf-Rituals nahe Mekka zerquetscht oder erstickt sein. Dies fĂŒhrte zudem zu regionalen Spannungen zwischen Saudi-Arabien und dem Iran, da die meisten Todesopfer Iraner waren.Â
Wenige Wochen zuvor stĂŒrzte ein Baukran wĂ€hrend der Hadsch-Vorbereitungen bei starkem Wind in die Heilige Moschee in Mekka. Mehr als 100 Menschen kamen ums Leben.Â
1997 brach im Tal von Mina nahe Mekka ein GroĂbrand bei den Pilgerzelten aus und forderte mehr als 300 Tote. Im selben Areal waren im Jahr 1990 mehr als 1400 Menschen gestorben, als in einem ĂŒberfĂŒllten FuĂgĂ€ngertunnel die BelĂŒftung ausfiel und Panik ausbrach.
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