Camorra-Boss, Justiz

Camorra-Boss will mit Justiz zusammenarbeiten

29.03.2024 - 13:47:34

Nach mehr als einem Vierteljahrhundert im GefÀngnis will ein hochrangiger Camorra-Boss Medienberichten zufolge das Schweigen brechen.

Nach 26 Jahren im GefĂ€ngnis hat der berĂŒchtigte Camorra-Boss Francesco Schiavone italienischen Medienberichten zufolge beschlossen, mit der Justiz zusammenarbeiten zu wollen. Der BegrĂŒnder und Ex-Pate des in der Provinz Caserta unweit von Neapel aktiven Casalesi-Clans wolle als Kronzeuge mit der Staatsanwaltschaft kooperieren, melden die Nachrichtenagenturen Ansa und Adnkronos unter Berufung auf die zustĂ€ndigen Anti-Mafia-Behörden. Seit 1998 befindet er sich in Haft.

Der heute 70 Jahre alte Schiavone, alias «Sandokan», soll demnach bereits vor wenigen Wochen die ersten GesprĂ€che mit den Behörden aufgenommen haben. Seitdem er wegen mehrerer Morde zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe unter den fĂŒr Mafia-Bosse und Terroristen vorgesehenen strengen Haftbedingungen verurteilt wurde, schwieg Schiavone eisern. Die Ermittler erhoffen sich nun detaillierte Erkenntnisse ĂŒber die Clan-AktivitĂ€ten. Aber auch ĂŒber mögliche Verstrickungen zwischen der Camorra und der Politik.

Schutzprogramm fĂŒr Verwandte

Zwei seiner Söhne beschlossen bereits 2018 und 2021, mit den Behörden zu kooperieren. Zwei weitere Söhne befinden sich im GefÀngnis. Die Polizei habe Schiavones nicht in Haft sitzenden Verwandten vor wenigen Tagen angeboten, an einem Schutzprogramm teilzunehmen, berichteten Ansa und Adnkronos weiter. 

Die Camorra als eine der berĂŒchtigtsten italienischen Mafia-Organisationen ist in den sĂŒditalienischen Provinzen Neapel und Caserta beheimatet und operiert weltweit. Bekannt wurde sie durch das spĂ€ter verfilmte Buch «Gomorrha» des Journalisten Roberto Saviano, der seit der Veröffentlichung 2006 Todesdrohungen erhĂ€lt und unter Polizeischutz steht. Saviano widmet sich in «Gomorrha» auch den AktivitĂ€ten von Francesco Schiavone.

@ dpa.de