Fachleute: FuĂgĂ€nger im StraĂenverkehr besser schĂŒtzen
27.01.2025 - 04:45:36FĂŒr einen besseren Schutz von FuĂgĂ€ngern spricht sich die Gewerkschaft der Polizei innerorts fĂŒr Tempo 30 aus. «Jeder ist FuĂgĂ€nger - und wenn er nur zu seinem Auto geht», sagt der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Michael Mertens. Die Sicherheit von FuĂgĂ€ngerinnen und FuĂgĂ€ngern gehe daher alle an. Vor dem Hintergrund der alternden Gesellschaft fordern Fachleute: Wer zu FuĂ geht, soll besser geschĂŒtzt werden. Die konkreten PlĂ€ne dafĂŒr gehen auseinander.
Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen: Mit neun Prozent waren FuĂgĂ€nger im Jahr 2023 die zweitgröĂte Gruppe der Unfallbeteiligten nach Autofahrern. Die Zahl der verunglĂŒckten FuĂgĂ€nger lag dabei mit 33.504 fast wieder auf dem Vor-Corona-Niveau von 34.815 im Jahr 2019. Die Zahl der Getöteten war mit 449 sogar darĂŒber (2019: 429). Unter 15-JĂ€hrige sowie Menschen ĂŒber 75 Jahre waren dabei am hĂ€ufigsten in UnfĂ€lle verwickelt.
Polizeigewerkschaft fordert 30 Kilometer pro Stunde innerorts
Mertens fordert daher etwa eine Regelgeschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde innerorts. Wo FuĂwege ausreichend abgesichert seien, könne auch mit 50 Stundenkilometern oder schneller gefahren werden, sagt er. «Das schmerzt mich als Autofahrer auch, aber ich wĂŒrde es machen.» Mit einer Ănderung der StraĂenverkehrsordnung wurde es Kommunen 2024 bereits erleichtert, 30er-Zonen einzufĂŒhren.
Auch höhere BuĂgelder wĂŒrden laut dem Polizisten fĂŒr mehr Verkehrssicherheit sorgen. «Wir sind europaweit der Discounter bei den BuĂgeldern», betont Mertens.
Verkehrsplanerin: FuĂgĂ€nger bei Planung zuerst bedenken
Vor allem aber mĂŒssten VerstöĂe wie Falschparken oder zu schnelles Fahren konsequenter geahndet werden, sagt Verkehrsplanerin Katalin Saary von der Vereinigung fĂŒr Stadt-, Regional- und Landesplanung. Vor allem falsch parkende Autos fĂŒhrten hĂ€ufig zu UnfĂ€llen, weil FuĂgĂ€nger zu spĂ€t gesehen werden. Nach einer Studie der Unfallforschung der Versicherer spielen bei jedem fĂŒnften FuĂ- und Radverkehrsunfall parkende Autos eine Rolle. Helfen könnten dabei mehr sogenannte Gehwegnasen - also vorgezogene BĂŒrgersteige, die die Fahrbahn an Querungen schmaler machen, so Saary.
Generell brauche es ein Umdenken bei der Verkehrsplanung: Es mĂŒsse zuerst an FuĂgĂ€nger gedacht werden. ParkplĂ€tze sollten erst dann eine Rolle spielen, wenn noch Platz ĂŒbrig sei. FuĂwege, so Saary, mĂŒssten attraktiver werden, damit sie genutzt werden - etwa durch GrĂŒn- und SchattenflĂ€chen oder Sitzgelegenheiten.
Vom 29. Januar an wollen Fachleute beim Verkehrsgerichtstag in Goslar ĂŒber das Thema sprechen. Der dreitĂ€gige Kongress zĂ€hlt jedes Jahr zu den wichtigsten Treffen von Verkehrssicherheits- und Verkehrsrechtsexperten in Deutschland und endet mit Empfehlungen an den Gesetzgeber.
Bei UnfÀllen meist Autofahrer schuld
Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen: Die meisten UnfĂ€lle von FuĂgĂ€ngern passieren mit Autos. In rund 77 Prozent der FĂ€lle waren dabei 2023 die Autofahrer schuld. «Oft passieren UnfĂ€lle, wenn FuĂgĂ€nger eine StraĂe ĂŒberqueren wollen», sagt der Leiter der UnfallprĂ€vention bei der Björn-Steiger-Stiftung, Siegfried Brockmann.
Unfallforscher: «Mehr Zebrastreifen - an den richtigen Stellen»
Ganz praktisch wĂŒrden etwa mehr Zebrastreifen, Ampeln und Verkehrsinseln helfen, sagt Unfallforscherin Kirstin Zeidler vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Wichtig sei dabei, vorher mit Verkehrsbeobachtungen herauszufinden, wo Querungshilfen tatsĂ€chlich benötigt werden, ergĂ€nzt Unfallforscher Siegfried Brockmann von der Björn-Steiger-Stiftung. Auch mĂŒsste es leichter werden, FuĂgĂ€ngerĂŒberwege einzurichten, fordert die Deutsche Polizeigewerkschaft.
Technisch sei zudem vieles bereits möglich oder in naher Zukunft denkbar, sagt Zeidler. Etwa eine Pflicht fĂŒr aktiv bremsende statt nur warnende Assistenzsysteme in neuen Fahrzeugen oder vernetzte Ampeln und Autos, die sich gegenseitig vor FuĂgĂ€ngern oder anderen Gefahren warnen. Der Auto Club Europa (ACE) schlĂ€gt zudem digitale Kontrollen falsch geparkter Autos mit sogenannten Scan-Fahrzeugen vor. Auch der Deutsche Anwaltverein (DAV) sieht die Möglichkeiten technischer Systeme noch nicht ausgereizt.
Anwalt: Neue Vorschriften nicht notwendig
Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat wĂŒnscht sich, ein pauschales Park- und Halteverbot im Abstand von zehn Metern zu Kreuzungen und EinmĂŒndungen. Die derzeitige Regelung sieht fĂŒnf Meter vor. Der ACE fordert zudem, Gehwege besser instand zu halten und mehr AufklĂ€rung. Und: «GrundsĂ€tzlich wĂ€re auch eine strikte Trennung von FuĂwegen, Radwegen und Fahrbahn sinnvoll.»
Auch der Automobilclub von Deutschland ist fĂŒr eine bessere Infrastruktur fĂŒr FuĂgĂ€nger. Neue Vorschriften, so DAV-Verkehrsrechtler Martin Diebold, brauche es hingegen nicht.





