Fachleute, FußgĂ€nger

Fachleute: FußgĂ€nger im Straßenverkehr besser schĂŒtzen

27.01.2025 - 04:45:36

Seit Jahren bewegt sich die Anzahl von verunfallten FußgĂ€ngern auf hohem Niveau. Die VorschlĂ€ge fĂŒr einen besseren Schutz reichen von Gehwegnasen bis hin zu intelligenten Ampeln. Ein Überblick.

  • Fachleute warnen, dass FußgĂ€nger wegen falsch geparkter Autos oft erst spĂ€t gesehen werden. (Archivbild) - Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa

    Sebastian Christoph Gollnow/dpa

  • Die Gewerkschaft der Polizei fordert eine Regelgeschwindigkeit von 30 km/h innerorts. (Archivbild) - Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa

    Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Fachleute warnen, dass FußgĂ€nger wegen falsch geparkter Autos oft erst spĂ€t gesehen werden. (Archivbild) - Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpaDie Gewerkschaft der Polizei fordert eine Regelgeschwindigkeit von 30 km/h innerorts. (Archivbild) - Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa

FĂŒr einen besseren Schutz von FußgĂ€ngern spricht sich die Gewerkschaft der Polizei innerorts fĂŒr Tempo 30 aus. «Jeder ist FußgĂ€nger - und wenn er nur zu seinem Auto geht», sagt der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Michael Mertens. Die Sicherheit von FußgĂ€ngerinnen und FußgĂ€ngern gehe daher alle an. Vor dem Hintergrund der alternden Gesellschaft fordern Fachleute: Wer zu Fuß geht, soll besser geschĂŒtzt werden. Die konkreten PlĂ€ne dafĂŒr gehen auseinander.

Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen: Mit neun Prozent waren FußgĂ€nger im Jahr 2023 die zweitgrĂ¶ĂŸte Gruppe der Unfallbeteiligten nach Autofahrern. Die Zahl der verunglĂŒckten FußgĂ€nger lag dabei mit 33.504 fast wieder auf dem Vor-Corona-Niveau von 34.815 im Jahr 2019. Die Zahl der Getöteten war mit 449 sogar darĂŒber (2019: 429). Unter 15-JĂ€hrige sowie Menschen ĂŒber 75 Jahre waren dabei am hĂ€ufigsten in UnfĂ€lle verwickelt.

Polizeigewerkschaft fordert 30 Kilometer pro Stunde innerorts

Mertens fordert daher etwa eine Regelgeschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde innerorts. Wo Fußwege ausreichend abgesichert seien, könne auch mit 50 Stundenkilometern oder schneller gefahren werden, sagt er. «Das schmerzt mich als Autofahrer auch, aber ich wĂŒrde es machen.» Mit einer Änderung der Straßenverkehrsordnung wurde es Kommunen 2024 bereits erleichtert, 30er-Zonen einzufĂŒhren.

Auch höhere Bußgelder wĂŒrden laut dem Polizisten fĂŒr mehr Verkehrssicherheit sorgen. «Wir sind europaweit der Discounter bei den Bußgeldern», betont Mertens.

Verkehrsplanerin: FußgĂ€nger bei Planung zuerst bedenken

Vor allem aber mĂŒssten VerstĂ¶ĂŸe wie Falschparken oder zu schnelles Fahren konsequenter geahndet werden, sagt Verkehrsplanerin Katalin Saary von der Vereinigung fĂŒr Stadt-, Regional- und Landesplanung. Vor allem falsch parkende Autos fĂŒhrten hĂ€ufig zu UnfĂ€llen, weil FußgĂ€nger zu spĂ€t gesehen werden. Nach einer Studie der Unfallforschung der Versicherer spielen bei jedem fĂŒnften Fuß- und Radverkehrsunfall parkende Autos eine Rolle. Helfen könnten dabei mehr sogenannte Gehwegnasen - also vorgezogene BĂŒrgersteige, die die Fahrbahn an Querungen schmaler machen, so Saary.

Generell brauche es ein Umdenken bei der Verkehrsplanung: Es mĂŒsse zuerst an FußgĂ€nger gedacht werden. ParkplĂ€tze sollten erst dann eine Rolle spielen, wenn noch Platz ĂŒbrig sei. Fußwege, so Saary, mĂŒssten attraktiver werden, damit sie genutzt werden - etwa durch GrĂŒn- und SchattenflĂ€chen oder Sitzgelegenheiten.

Vom 29. Januar an wollen Fachleute beim Verkehrsgerichtstag in Goslar ĂŒber das Thema sprechen. Der dreitĂ€gige Kongress zĂ€hlt jedes Jahr zu den wichtigsten Treffen von Verkehrssicherheits- und Verkehrsrechtsexperten in Deutschland und endet mit Empfehlungen an den Gesetzgeber.

Bei UnfÀllen meist Autofahrer schuld

Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen: Die meisten UnfĂ€lle von FußgĂ€ngern passieren mit Autos. In rund 77 Prozent der FĂ€lle waren dabei 2023 die Autofahrer schuld. «Oft passieren UnfĂ€lle, wenn FußgĂ€nger eine Straße ĂŒberqueren wollen», sagt der Leiter der UnfallprĂ€vention bei der Björn-Steiger-Stiftung, Siegfried Brockmann.

Unfallforscher: «Mehr Zebrastreifen - an den richtigen Stellen»

Ganz praktisch wĂŒrden etwa mehr Zebrastreifen, Ampeln und Verkehrsinseln helfen, sagt Unfallforscherin Kirstin Zeidler vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Wichtig sei dabei, vorher mit Verkehrsbeobachtungen herauszufinden, wo Querungshilfen tatsĂ€chlich benötigt werden, ergĂ€nzt Unfallforscher Siegfried Brockmann von der Björn-Steiger-Stiftung. Auch mĂŒsste es leichter werden, FußgĂ€ngerĂŒberwege einzurichten, fordert die Deutsche Polizeigewerkschaft.

Technisch sei zudem vieles bereits möglich oder in naher Zukunft denkbar, sagt Zeidler. Etwa eine Pflicht fĂŒr aktiv bremsende statt nur warnende Assistenzsysteme in neuen Fahrzeugen oder vernetzte Ampeln und Autos, die sich gegenseitig vor FußgĂ€ngern oder anderen Gefahren warnen. Der Auto Club Europa (ACE) schlĂ€gt zudem digitale Kontrollen falsch geparkter Autos mit sogenannten Scan-Fahrzeugen vor. Auch der Deutsche Anwaltverein (DAV) sieht die Möglichkeiten technischer Systeme noch nicht ausgereizt.

Anwalt: Neue Vorschriften nicht notwendig

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat wĂŒnscht sich, ein pauschales Park- und Halteverbot im Abstand von zehn Metern zu Kreuzungen und EinmĂŒndungen. Die derzeitige Regelung sieht fĂŒnf Meter vor. Der ACE fordert zudem, Gehwege besser instand zu halten und mehr AufklĂ€rung. Und: «GrundsĂ€tzlich wĂ€re auch eine strikte Trennung von Fußwegen, Radwegen und Fahrbahn sinnvoll.»

Auch der Automobilclub von Deutschland ist fĂŒr eine bessere Infrastruktur fĂŒr FußgĂ€nger. Neue Vorschriften, so DAV-Verkehrsrechtler Martin Diebold, brauche es hingegen nicht.

@ dpa.de