Studie: Sexuelle Ăbergriffe werden kaum angezeigt
10.02.2026 - 10:15:05Die von der Polizei registrierten sexuellen Ăbergriffe auf Frauen in Deutschland bilden nur einen verschwindend kleinen Teil der verĂŒbten Gewalttaten ab. Das zeigen die Daten einer umfangreichen Studie im Auftrag der Bundesregierung. Demnach werden Frauen zwar deutlich hĂ€ufiger Opfer sexueller Ăbergriffe als MĂ€nner, bringen diese jedoch deutlich seltener zur Anzeige als mĂ€nnliche Opfer. Den Angaben zufolge wurden 1,5 Prozent der Frauen und 0,2 Prozent der MĂ€nner in den vergangenen fĂŒnf Jahren Opfer einer Vergewaltigung.
Frauen zeigen nur drei Prozent der sexuellen Ăbergriffe anÂ
Die Anzeigequote weiblicher Opfer liegt bei diesen Taten, zu denen Vergewaltigungen und andere nicht einvernehmliche sexuelle Handlungen zĂ€hlen, demnach bei drei Prozent. MĂ€nnliche Opfer zeigen entsprechende Ăbergriffe laut Studie in 14,5 Prozent der FĂ€lle an. Allerdings weisen die Forscherinnen und Forscher darauf hin, dass die Anzeigequote der MĂ€nner aufgrund der niedrigen Zahl von FĂ€llen mit Messungenauigkeit verbunden sei.
Auch fĂ€llt auf, dass ein nicht unerheblicher Anteil der Sexualdelikte, die MĂ€nner betreffen, auch von MĂ€nnern verĂŒbt wird. WĂ€hrend bei gegen Frauen gerichteten sexuellen Ăbergriffen die TĂ€ter zu 98,2 Prozent mĂ€nnlich sind, ist bei 33,7 Prozent der gegen MĂ€nner gerichteten sexuellen Ăbergriffe auch der TĂ€ter ein Mann.Â
Aufwendige Befragung ĂŒber 18 Monate
Die reprĂ€sentative Dunkelfeldstudie mit dem Titel «Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag» - fĂŒr die zwischen Juli 2023 und Januar 2025 bundesweit insgesamt 15.479 Menschen im Alter zwischen 16 und 85 Jahren befragt worden waren - beantwortet auch einige Fragen, die nicht Gegenstand der jĂ€hrlich veröffentlichten Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) sind, da diese nur Delikte umfasst, die der Polizei bekanntgeworden sind.Â
Dunkelfeldstudien versuchen, das tatsĂ€chliche AusmaĂ von KriminalitĂ€t aufzudecken, da nicht alle Taten zum Beispiel aus Scham oder Misstrauen angezeigt werden.Â
Das Dunkelfeld sei riesig, sagt Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU). Er glaube nicht, dass der Hauptgrund fĂŒr die niedrigen Anzeigequoten «eine Art Distanz zur Polizei» sei. Die Anzeigequote sei zweifellos zu gering, sagt Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU). HĂ€ufig spiele hier auch ökonomische AbhĂ€ngigkeit eine Rolle.
GewalttÀtige Partner und Ex-Partner
Blickt man auf die Gewalt zwischen Partnern oder Ex-Partnern, so zeigt sich: Etwa 90 Prozent der körperlichen Gewalt hat sich hier innerhalb der Partnerschaft ereignet. 8,4 Prozent der mĂ€nnlichen Betroffenen und 5,6 Prozent der weiblichen Betroffenen berichten von körperlicher Gewalt nach Beendigung der Beziehung.Â
Dass diese jedoch hĂ€ufig sehr gravierende Folgen haben kann - vor allem fĂŒr Frauen, zeigt die Polizeistatistik. 2024 sind in Deutschland 308 Frauen und MĂ€dchen gewaltsam getötet worden, 191 davon durch Partner, Ex-Partner oder andere Familienmitglieder. Bundesweite Zahlen fĂŒr 2025 liegen bislang nicht vor.
Um Frauen kĂŒnftig besser vor gewalttĂ€tigen Ex-Partnern zu schĂŒtzen, hat das Bundeskabinett im November beschlossen, dass Familiengerichte die TĂ€ter kĂŒnftig zum Tragen einer elektronischen FuĂfessel verpflichten können sollen. NĂ€hert sich der TĂ€ter - wissentlich oder unwissentlich -, wird das Opfer ĂŒber ein EmpfangsgerĂ€t gewarnt und kann sich gegebenenfalls rechtzeitig in Sicherheit bringen oder UnterstĂŒtzung suchen. Auch die Polizei soll automatisch alarmiert werden, wenn sich ein TĂ€ter nĂ€hert. DemnĂ€chst steht die erste Beratung zu dem Vorhaben im Bundestag an.
Gewalt in der Kindheit
Was die Studie auch aufdeckt: Jeder zweite Mensch in Deutschland hat in der Kindheit oder Jugend körperliche Gewalt erfahren. Die Daten zeigen, dass 49,3 Prozent der Frauen als MinderjĂ€hrige mindestens einmal geschlagen oder körperlich verletzt wurden. Unter den MĂ€nnern lag der Anteil bei 51,7 Prozent. Von sexuellen Ăbergriffen in der Kindheit und Jugend waren demnach deutlich mehr Frauen (fĂŒnf Prozent) betroffen als MĂ€nner (1,9 Prozent).Â
SchlĂ€ge in der Kindheit sind in Deutschland ausdrĂŒcklich verboten. Im entsprechenden Paragrafen des BĂŒrgerlichen Gesetzbuches heiĂt es wörtlich: «Das Kind hat ein Recht auf Pflege und Erziehung unter Ausschluss von Gewalt, körperlichen Bestrafungen, seelischen Verletzungen und anderen entwĂŒrdigenden MaĂnahmen.»
Sexuelle BelÀstigung mit und ohne Körperkontakt
Das von der Bundesregierung beauftragte Umfrageinstitut Verian hat auch Daten zu verschiedenen Formen sexueller BelĂ€stigung erhoben. UnerwĂŒnschte Kussversuche oder BerĂŒhrungen sowie exhibitionistische Handlungen haben 14,5 Prozent der Frauen in den vergangenen fĂŒnf Jahren erlebt. Bei den MĂ€nnern berichteten 4,6 Prozent von entsprechenden Erfahrungen.Â
WĂ€hrend MĂ€nner derartige Formen von BelĂ€stigung oft durch flĂŒchtig Bekannte erleben (45,1 Prozent), sind es bei den Frauen hĂ€ufiger Fremde (45,7 Prozent). Laut Studie haben 17,3 Prozent der Frauen und 18,8 Prozent der MĂ€nner solche unangenehmen Erlebnisse in der Schule, im Studium, in der Ausbildung oder bei der Arbeit gehabt.
Zugewanderte erleben hÀufiger Gewalt durch Partner
Menschen mit Migrationshintergrund sind den Angaben zufolge stĂ€rker von Gewalt durch Partner oder Ex-Partner betroffen als Menschen ohne Zuwanderungsgeschichte. Unter den Menschen mit Migrationshintergrund haben demnach in den vergangenen fĂŒnf Jahren 7,6 Prozent der Frauen und 7,4 Prozent der MĂ€nner körperliche Gewalt innerhalb der Partnerschaft beziehungsweise durch Ex-Partner erlebt. Von den Menschen ohne Migrationshintergrund waren in diesem Zeitraum 4,3 Prozent der Frauen und 5,6 Prozent der MĂ€nner betroffen. Ein Grund fĂŒr diesen Unterschied sei sicher auch, der niedrigere Altersdurchschnitt der Frauen mit Migrationshintergrund, da JĂŒngere insgesamt hĂ€ufiger Gewalt erlebten, erklĂ€rt BKA-PrĂ€sident Holger MĂŒnch.
Unterschiede gibt es auch bei der Art der Gewalt. WĂ€hrend betroffene MĂ€nner etwas hĂ€ufiger als Frauen von einer leichten Ohrfeige berichten, geben Frauen hĂ€ufiger als MĂ€nner an getreten oder gestoĂen worden zu sein. Eine Person hat einen Migrationshintergrund im Sinne der Studie, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil die deutsche Staatsangehörigkeit nicht durch Geburt besitzt.











