Zölle, USA

US-Gericht: Globale Zölle rechtswidrig - Trump droht EU

08.05.2026 - 02:34:58 | dpa.de

150 Tage lang wollte US-PrÀsident Trump nach seiner Niederlage vor dem Obersten Gericht weltweite Zölle erheben. Nun macht ihm ein anderes Gericht erneut einen Strich durch die Rechnung.

US-PrÀsident Trump hat Probleme bei der Durchsetzung seiner Zölle. (Archivfoto) - Foto: Matt Rourke/AP/dpa
US-PrÀsident Trump hat Probleme bei der Durchsetzung seiner Zölle. (Archivfoto) - Foto: Matt Rourke/AP/dpa

US-PrĂ€sident Donald Trump hat mit seiner umstrittenen Zollpolitik erneut eine juristische Niederlage erlitten. Das Gericht fĂŒr Internationalen Handel in New York erklĂ€rte Trumps temporĂ€re Zölle auf Einfuhren aus der ganzen Welt fĂŒr rechtswidrig. Mit der zeitlich befristeten Abgabe in Höhe von 10 Prozent habe der PrĂ€sident seine Befugnisse ĂŒberschritten, erklĂ€rte das Gericht. Unterdessen stellte Trump der EU ein Ultimatum zur Umsetzung ihres Zollabkommens – kommt die EuropĂ€ische Union dem nicht bis zum 4. Juli nach, drohen deutlich höhere Zölle.

Das Gericht fĂŒr Internationalen Handel befand, Trump habe das als Grundlage herangezogene Handelsgesetz falsch ausgelegt. Weder die US-Regierung noch die Zollbehörde (CBP) dĂŒrften Importabgaben von den KlĂ€gern – darunter der US-Bundesstaat Washington – einfordern. Bereits erhobene Zölle mĂŒssten ferner erstattet werden, verfĂŒgte das Gericht.

Das Gericht stellte ferner fest, dass die US-Regierung die «fundamentalen internationalen Zahlungsprobleme», die das Handelsgesetz zur Voraussetzung macht, nicht ausreichend belegen konnte. Zudem ziehe Trumps Erlass Handels- und Leistungsbilanzdefizite heran – obwohl das Gesetz Zahlungsbilanzdefizite zur Bedingung macht.

Die US-Regierung könnte Berufung einlegen. Danach wÀre auch der Gang vor das Oberste Gericht möglich. Angesprochen auf die Gerichtsentscheidung zeigte sich Trump unbeirrt. Er wolle ungeachtet weiterhin seine Zollpolitik verfolgen, egal, wie die Justiz entscheide, sagte er vor Journalisten.

Zölle waren Notlösung nach Niederlage vor dem Obersten Gericht

Seit dem 24. Februar 2026 hatten die USA auf die meisten Einfuhren aus dem Ausland einen Zoll von zehn Prozent erhoben. Trump hatte zudem gedroht, den Satz auf 15 Prozent zu erhöhen. Das wĂ€re der Maximalwert, den der PrĂ€sident unter Berufung auf das Handelsgesetz aus dem Jahr 1974 fĂŒr 150 Tage erheben darf. Ein entsprechender Erlass lĂ€sst sich aber auch Monate nach der Drohung nicht im Amtsblatt der Regierung finden.

Die neueste Argumentationslinie fĂŒr globale Zölle war eine Notlösung, nachdem der Supreme Court im Februar bei zuvor verhĂ€ngten Zöllen ebenfalls festgestellt hatte, dass Trump damit seine Befugnisse ĂŒberschritten hatte. Damit entzog das Oberste Gericht dem Republikaner die rechtliche Grundlage fĂŒr seine bisherigen Zölle. Trump hatte sich dabei auf ein Notstandsgesetz aus dem Jahr 1977 gestĂŒtzt. 

Die Richter stellten klar, dass das US-Parlament allein die Befugnis hat, Steuern und Zöllen zu erheben. Das Notstandsgesetz ermĂ€chtige den PrĂ€sidenten zwar, bei nationalen Notlagen den Außenhandel zu regulieren, aber nicht zur Erhebung von Zöllen. FĂŒr Trump, der immer wieder betont, dass Zölle zu seinen Lieblingsinstrumenten zĂ€hlen, war das eine große Niederlage. 

Der US-Regierung stehen noch andere Instrumente zur VerfĂŒgung, um Zölle etwa fĂŒr bestimmte Waren oder Branchen zu verhĂ€ngen - diese kann Trump aber nicht einfach mit seiner Unterschrift nach Belieben verfĂŒgen. 

Vor den Zöllen ist nach den Zöllen

Kurz vor der Bekanntgabe der jĂŒngsten Gerichtsentscheidung drĂ€ngte der US-PrĂ€sident die EU noch dazu, endlich den EU-US-Zolldeal umzusetzen. Sollten die EuropĂ€er das nicht bis zum 250. Geburtstag der USA – also bis zum 4. Juli – schaffen, drohte er mit deutlich höheren Zöllen.

Mitte August 2025 hatten sich Trump und EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen in einem Rahmenabkommen auf eine Zollobergrenze von 15 Prozent auf die meisten EU-Warenimporte in die USA geeinigt. Auch fĂŒr europĂ€ische Autos und Autoteile sollte der Satz gelten. Im Gegenzug verpflichtete sich die EU, Zölle auf US-IndustriegĂŒter zu streichen und den Marktzugang fĂŒr US-Agrarprodukte wie Schweinefleisch und Milchprodukte zu erleichtern. 

In der EU laufen zwischen Europaparlament und den MitgliedslĂ€ndern noch Verhandlungen, die fĂŒr die vollstĂ€ndige Umsetzung des Zolldeals notwendig sind. Bei einem Treffen von Vertretern am Mittwoch wurde noch keine Einigung erreicht.

Womit Trump davor gedroht hatte

Vergangene Woche hatte Trump der EU bereits vorgeworfen, sich nicht vollstĂ€ndig an den ausgehandelten Zolldeal zu halten. Als Reaktion kĂŒndigte er an, bereits diese Woche die Zölle auf Autos und Lastwagen, die aus der EU in die USA eingefĂŒhrt werden, von 15 auf 25 Prozent erhöhen. Solche Zollerhöhungen wĂŒrden vor allem Deutschland treffen.

Eine Anfrage der Deutschen Presse-Agentur beim Weißen Haus, ob die jĂŒngst angedrohte Erhöhung von Zöllen auf Importe von Autos und Lastwagen nun bis zur neuen Frist am 4. Juli vom Tisch sei, blieb zunĂ€chst unbeantwortet.

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