Abwanderung, Land

Abwanderung: 270.000 Deutsche verlassen Land wegen Steuern

Veröffentlicht: 16.07.2026 um 16:19 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Die Bundesregierung plant eine Steuerreform, während Sozialabgaben steigen. Spitzenverdiener drohen Nettoverluste, und die Abwanderung nimmt zu.

Steuerreform und Sozialabgaben: Wer zu den Spitzenverdienern zählt
Eine vielfältige Gruppe von Geschäftsleuten in einem modernen Bürogebäude mit Blick auf eine Stadtlandschaft bei Nacht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Wer gehört eigentlich zu den Top-Verdienern – und wie viel bleibt ihnen künftig vom Gehalt?

Die Grenzen der Spitzengehälter

Eine Auswertung des Portals Stepstone definiert die Schwellenwerte für die oberen Einkommensklassen. Um zum obersten Prozent der Verdiener zu gehören, sind demnach 139.000 Euro brutto im Jahr nötig. Die Grenze für die Top fünf Prozent liegt bei 101.250 Euro, die obersten zehn Prozent verdienen mindestens 87.000 Euro.

Die Daten stammen aus dem Zeitraum Januar 2022 bis November 2025.

Wer verdient sechsstellig?

Innerhalb dieser Gruppe zeigen sich deutliche Unterschiede nach Beruf und Führungsverantwortung. Ein Chefarzt erreicht im Median 200.000 Euro, IT-Sicherheitschefs (Chief Information Security Officers) kommen auf 117.250 Euro. Patentanwälte verdienen im Schnitt 104.750 Euro.

Rund 31,6 Prozent der Führungskräfte mit Verantwortung für mehr als 100 Mitarbeiter erzielen ein sechsstelliges Einkommen.

Regional konzentrieren sich die Spitzengehälter auf Hamburg, Hessen, Bayern und Baden-Württemberg. In den östlichen Bundesländern liegen die Schwellenwerte deutlich niedriger. In Sachsen-Anhalt reichen bereits 101.500 Euro, um zum obersten Prozent zu zählen.

Stundenlöhne steigen – aber ungleich

Das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg verzeichnet für April 2025 einen Anstieg der Bruttostundenverdienste. In Berlin stieg der Wert auf durchschnittlich 27,42 Euro (Vorjahr: 26,34 Euro), in Brandenburg auf 22,66 Euro (Vorjahr: 21,71 Euro).

Die Verteilung in den höchsten Gehaltssegmenten bleibt ungleich. In der Gruppe mit einem Stundenlohn von mindestens 65 Euro finden sich überwiegend Männer. In den mittleren Einkommensklassen zwischen 21 und 31 Euro pro Stunde ist der Frauenanteil hingegen höher.

Steuerreform: Entlastung oder Belastung?

Die von der Bundesregierung unter Kanzler Merz und Finanzminister Klingbeil forcierte Steuerreform sorgt für geteilte Reaktionen. Eltern sollen durch Anpassungen beim Kindergeld und den Kinderfreibeträgen entlastet werden.

Doch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) kritisiert das Paket. Die Entlastungswirkung von rund zehn Milliarden Euro jährlich reiche nicht aus, um die kalte Progression vollständig auszugleichen. Ein kinderloser Single mit 60.000 Euro Bruttoeinkommen verliere inflationsbereinigt sogar an Kaufkraft.

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Sozialabgaben steigen – Nettoverluste drohen

Zusätzlicher Druck entsteht durch die prognostizierte Entwicklung der Sozialabgaben. Die Rentenbeiträge sollen bis 2028 auf 19,9 Prozent steigen. Ein Finanzwissenschaftler der Universität Erlangen-Nürnberg hat berechnet, was das bedeutet.

Ein kinderloser Single mit 9.000 Euro Bruttogehalt müsste demnach mit einem Minus von 904 Euro pro Jahr rechnen. Ein Paar mit zwei Kindern und jeweils 7.000 Euro Bruttoeinkommen verlöre im Jahr 2028 voraussichtlich 1.045 Euro netto.

SPD fordert Vermögensteuer

Parallel dazu bringt die SPD über Generalsekretär Klüssendorf weitergehende Forderungen in die Debatte. Vorgeschlagen wird eine Reform der Erbschaftsteuer mit einem Lebensfreibetrag von einer Million Euro. Zudem soll eine Vermögensteuer von einem Prozent für Vermögen oberhalb von 100 Millionen Euro wiedereingeführt werden.

Die Maßnahmen könnten schätzungsweise Mehreinnahmen zwischen fünf und 14 Milliarden Euro pro Jahr generieren.

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Abwanderung: Immer mehr Deutsche zieht es ins Ausland

Die hohe Steuerlast hat offenbar Folgen. In den Jahren 2024 und 2025 wanderten jeweils zwischen 270.000 und 290.000 Deutsche aus. Umfragen eines Job-Portals zufolge können sich rund zwei Drittel der Beschäftigten eine Tätigkeit im Ausland vorstellen.

Die Hauptgründe: bessere Bezahlung (50,8 Prozent), höhere Lebensqualität (50,7 Prozent) und geringere Steuerlast (41,5 Prozent). Besonders ausgeprägt ist die Abwanderungsbereitschaft in Haushalten mit einem Nettoeinkommen von über 6.000 Euro.

Ökonomen warnen vor einem drohenden Fachkräftemangel. Die Erwerbsbevölkerung wird bis 2030 voraussichtlich um drei bis vier Millionen Personen schrumpfen.

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