ROUNDUP, US-Notenbank

US-Notenbank Fed hÀlt Leitzins auf hohem Niveau stabil

30.07.2025 - 21:42:28

(Aktualisierung: Details als neue AbsĂ€tze 2 und 9 eingefĂŒgt, Absatz 5 aktualisiert)WASHINGTON - Ungeachtet der vehementen Forderungen von US-PrĂ€sident Donald Trump nach Zinssenkungen hĂ€lt die US-Notenbank den Leitzins stabil.

(Aktualisierung: Details als neue AbsĂ€tze 2 und 9 eingefĂŒgt, Absatz 5 aktualisiert)

WASHINGTON (dpa-AFX) - Ungeachtet der vehementen Forderungen von US-PrĂ€sident Donald Trump nach Zinssenkungen hĂ€lt die US-Notenbank den Leitzins stabil. Die Spanne liegt weiter zwischen 4,25 und 4,5 Prozent, wie der Zentralbankrat der Federal Reserve (Fed) in Washington mitteilte. Marktbeobachter hatten bereits damit gerechnet - sie gehen frĂŒhestens von einer Zinssenkung bei der Sitzung im September aus. Der Leitzins ist fĂŒr Banken wichtig: Zu diesem Satz können sie sich bei der Zentralbank Geld leihen.

Nach Angaben der Fed vom Mittwoch hat sich das Wirtschaftswachstum im ersten Halbjahr abgeschwĂ€cht, wĂ€hrend die Unsicherheit ĂŒber die wirtschaftlichen Aussichten nach wie vor groß ist. Ersteres könnte ein erstes Zeichen dafĂŒr sein, dass die Fed im September tatsĂ€chlich erstmals seit Dezember 2024 den Leitzins senken wird.

Bislang stemmt sich US-Notenbank-Chef Jerome Powell gegen Trump, dem die aktuelle Leitzinsspanne zu hoch ist. Weil er aber nicht das bekommt, was er verlangt, hat Trump den Fed-Chef in den vergangenen Monaten immer wieder verbal attackiert und unter anderem als "Dummkopf", "Schwachkopf" und "dummen Kerl" beschimpft. Auch am Mittwoch polterte Trump nur wenige Minuten vor der Bekanntgabe des neuen Leitzinses wieder gegen ihn.

Trump will einen niedrigeren Leitzins, um die Wirtschaft in den Vereinigten Staaten anzukurbeln. Zudem fÀllt es Regierungen bei niedrigem Zins leichter, sich zu verschulden: Laut einer EinschÀtzung des Haushaltsamts des US-Kongresses wird sich das Defizit durch Trumps neues Steuergesetz innerhalb der nÀchsten zehn Jahre um rund 3,3 Billionen US-Dollar (etwa 2,8 Billionen Euro) erhöhen.

Fed sieht vor allem Risiko aufgrund von Trumps Zöllen

FĂŒr Powell ĂŒberwogen hingegen andere Argumente: Angesichts bestehender Inflationsrisiken infolge Trumps Zollpolitik setzt er auf eine umsichtige Geldpolitik und zögert mit Zinssenkungen. Zuletzt zeigte sich zudem der Arbeitsmarkt in den USA robust, was ebenfalls kein Grund fĂŒr einen niedrigeren Leitzins ist. "Bleiben die kommenden Arbeitsmarktberichte solide und kommen die Inflationsraten nicht zurĂŒck, wird es zu keiner Zinssenkung im September kommen", kommentierte Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank.

Unter Trumps FĂŒhrung haben die USA gegen eine Vielzahl von LĂ€ndern Zölle angedroht oder bereits etabliert - mit Folgen fĂŒr die US-Bevölkerung: Erst am Dienstag hatte sich der Internationale WĂ€hrungsfonds (IWF) ĂŒber teils gestiegene Importpreise in dem Land besorgt. Dies deute darauf, dass Unternehmen damit beginnen, höhere Kosten auf ihre Preise umzulegen. Am Ende bedeute dies, dass die Zölle von Importeuren, EinzelhĂ€ndlern und letztlich von den Kunden getragen werden.

Trump drohte bereits mehrmals mit der Entlassung Powells. Die HĂŒrden dafĂŒr sind aber hoch: DafĂŒr ist ein "wichtiger Grund" nötig. Juristisch ist die Frage, ob ein US-PrĂ€sident einen Notenbank-Chef entlassen kann, nicht vollstĂ€ndig geklĂ€rt. Die Amtszeit von Powell endet im kommenden Mai. Doch anders als Trump es gerne nahelegt, entscheidet Powell als Chef nicht alleine ĂŒber den Leitzins - das macht der Zentralbankrat.

Trump und seine Argumente fĂŒr eine Entlassung Powells

Zuletzt war sich Trump nicht zu schade, neue Argumente fĂŒr eine Entlassung Powells zu finden oder auch zusammenzureimen: Bei einem Rundgang in der Notenbank hielt Trump ihm angebliche neue Zahlen zu den steigenden Kosten der Renovierungsarbeiten der Federal Reserve in Höhe von 3,1 Milliarden US-Dollar vor. Powell schĂŒttelte sichtbar den Kopf. Beim Sichten eines Schreibens, das Trump ihm aushĂ€ndigte, stellte der Fed-Chef fest: "Das ist ein GebĂ€ude, das bereits gebaut wurde. Es wurde vor fĂŒnf Jahren fertiggestellt." SpĂ€ter stimmte Trump dann aber neue Töne an: Eine Entlassung sei "ein großer Schritt, und ich halte ihn einfach nicht fĂŒr notwendig", sagte er.

Beim Zinsentscheid am Mittwoch fiel auf, dass sich im Gegensatz zu der vorherigen Sitzung nicht alle Mitglieder des Zentralbankrats zu einer Beibehaltung des Leitzinses durchringen konnten. Mit Michelle Bowman und Christopher Waller sprachen sich zwei von elf anwesenden Vertretern fĂŒr eine Senkung aus. Abweichler bei Zinsentscheidungen kommen bei der Fed eher selten vor. Waller wird eine NĂ€he zu Trump nachgesagt. Der US-PrĂ€sident soll ihn neben Finanzminister Scott Bessent als Nachfolger von Powell in Betracht ziehen.

@ dpa.de