Arbeitsrecht: EuGH erklärt Fahrzeiten zu Arbeitszeit
Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 07:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Homeoffice war gestern. In Bremen zeichnet sich ein klarer Trend zurück zur Präsenz – und das gleich auf mehreren Ebenen.
Die Nagel-Group plant im Güterverkehrszentrum (GVZ) einen neuen Food-Hub. Auf 90.510 Quadratmetern entstehen neben einer Logistikhalle auch 5.200 Quadratmeter für Büro- und Sozialflächen. Baustart ist Oktober 2026, die Fertigstellung für Dezember 2027 geplant. Rund 400 Arbeitsplätze, darunter 20 Ausbildungsplätze, sollen so entstehen.
Büros wieder gefragter
Die Investition fällt in eine Phase der Stabilisierung: Die durchschnittliche Bürobelegung lag zuletzt bei rund 52,5 Prozent. Unternehmen wie Cisco oder KPMG passen ihre Räume an die Rückkehrer an. Eine Studie mit 16.000 Befragten zeigte Anfang des Jahres: Besonders Introvertierte – fast die Hälfte der Belegschaften – tun sich mit der Rückkehr schwer.
Arbeitsmarkt unter Druck
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Der Bremer Arbeitsmarkt schwächelt. Der Indeed Arbeitsmarkt-Index fiel im zweiten Quartal 2026 um 3,9 Prozent auf 106 Punkte – ein Fünf-Jahres-Tief. Einziger Lichtblick: der Gesundheitssektor. Die Zahnmedizin legte um 25,3 Prozent zu, Therapie und Medizintechnik um jeweils 3,6 Prozent.
Gleichzeitig greift „Quiet Hiring“ um sich. Statt neue Stellen zu besetzen, werden Aufgaben von Ausgeschiedenen auf die verbleibenden Mitarbeiter übertragen. Ein Fall sorgte in sozialen Medien für Aufsehen: Ein Arbeitnehmer kassierte über sechs Jahre 700.000 Euro Gehalt – bei kaum messbarer Arbeitsleistung im Homeoffice. Die Debatte um Kontrollmechanismen ist neu entfacht.
KI verändert klassische Bürojobs
Die Digitalisierung trifft vor allem traditionelle Berufe. Ein Resilienz-Check für Kaufleute für Büromanagement fiel schwach aus: Bis zu 80 Prozent der Kerntätigkeiten gelten als automatisierbar. Dabei war dieser Beruf 2024 mit über 22.200 neuen Ausbildungsverträgen einer der beliebtesten.
Die Bremer Verwaltung rüstet technologisch auf: Für 2027 ist der KI-Assistent „Kompass“ für Bürgeranliegen geplant. In Bremerhaven läuft seit Mitte 2024 ein Chatbot – über 4.300 Gespräche im ersten Jahr. Intern kommt „LLMoin“ zum Einsatz, die Wohngeldstelle arbeitet seit Frühjahr 2026 mit KI-Unterstützung.
Rechtliche Klarstellungen
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Ein EuGH-Urteil vom Herbst 2025 sorgt für Klarheit: Fahrzeiten zu wechselnden Einsatzorten sind Arbeitszeit. Davon sind in Bremen besonders Beschäftigte in Pflege und Reinigung betroffen – Hunderttausende.
Auch bei Kündigungen gibt es Neues: Seit Mai 2026 gelten verschärfte Nachweispflichten bei der Zustellung per Einwurf-Einschreiben (Bundesarbeitsgericht). Die formale Bedeutung der Betriebspräsenz wächst damit weiter.
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