Arbeitsschutz: 15 Grenzwerte bis Juni 2027 an EU-Standard angepasst
20.06.2026 - 00:48:22 | boerse-global.de
Neue Grenzwerte und aktualisierte technische Regeln zwingen Unternehmen zu umfassenden Anpassungen ihrer Produktionsprozesse und Schutzmaßnahmen.
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Strengere Vorgaben ab 2028
Der Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS) hat im Mai 2025 weitreichende Änderungen beschlossen. Betroffen sind die technischen Regeln TRGS 507 und TRGS 610 sowie die spezifische Isocyanat-Regelung TRGS 430. Auch die Arbeitsplatzgrenzwerte in TRGS 900 und 903 werden angepasst.
Die neuen verbindlichen biologischen Grenzwerte (BOELV) für Diisocyanate liegen bei 10 ?g NCO/m³ – allerdings nur bis zum 31. Dezember 2028. Danach sinkt der Wert auf 6 ?g NCO/m³. Für Kurzzeitbelastungen gilt ein Überschreitungsfaktor von 2 für 15-Minuten-Intervalle.
Bis zum 1. Juni 2027 müssen zudem 15 bisherige Arbeitsplatzgrenzwerte an die europäischen Richtwerte (IOELV) angepasst sein. Die Federführung liegt bei Dr. Stefan Engel (BASF SE) als AGS-Vorsitzendem und Dr. Maximilian Hanke-Roos (BG RCI).
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Technische Schutzmaßnahmen: Was Unternehmen jetzt beachten müssen
Geschlossene Systeme und lokale Absaugungen (LEV) gelten als zentrale Schutzmaßnahmen. Zur persönlichen Schutzausrüstung gehören Nitrilhandschuhe, Schutzbrillen und Atemschutzmasken. Branchenvertreter wie Ningbo Inno Pharmchem betonen die strikten Sicherheitsprotokolle, insbesondere bei Stoffen wie 2-Isocyanatoethyl-2,6-Diisocyanatohexanoat.
Die Lagerung erfordert besondere Sorgfalt: Diisocyanate müssen kühl, trocken und gut belüftet sein. Entscheidend ist die räumliche Trennung von inkompatiblen Stoffen wie Wasser, Alkoholen oder Aminen. Spezialisierte Auffangsysteme und Sorptionsmittel sind am Markt verfügbar.
Unternehmen wie Makro Ident verweisen auf die rechtlichen Anforderungen durch das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) und die AwSV. Für den baulichen Schutz erschien im Mai 2026 das AGI-Arbeitsblatt S 10-4 mit detaillierten Ausführungsplänen für den Säureschutzbau.
Biobasierte Alternativen: Forschung treibt Ersatzstoffe voran
Parallel zu den verschärften Vorschriften arbeiten Forschung und Industrie an nachhaltigen Alternativen. Das Projekt BioRUHM (2022–2025) entwickelte isocyanatfreie, biobasierte Hotmelt-Klebstoffe. Die Partner, darunter Fraunhofer IFAM und HOBUM Oleochemicals, erreichten eine Biobasiertheit von bis zu 87 Prozent. Die Marktreife dieser silanmodifizierten Klebstoffe wird in drei bis vier Jahren erwartet.
Covestro verfolgt mit dem Projekt Bio4PurConti einen anderen Ansatz: Die kontinuierliche Produktion von biobasiertem Anilin. Dieser Grundstoff für MDI (Methylendiphenylisocyanat) soll fossile Rohstoffe als direkte „Drop-in“-Lösung ersetzen und den CO2-Fußabdruck senken.
KI hilft bei der Risikobewertung
Unterstützung kommt aus der Digitalisierung: Redwood AI kündigte Mitte Juni 2026 ein KI-gestütztes Modul für die chemische Risikobewertung an. Die Technologie bewertet Dual-Use-Risiken und optimiert die Synthese-Routenplanung unter Sicherheitsaspekten.
