Arbeitszeit-Reform, Acht-Stunden-Tag

Arbeitszeit-Reform: Acht-Stunden-Tag soll fallen, 48-Stunden-Woche kommt

13.06.2026 - 15:54:09 | boerse-global.de

Die Bundesregierung plant die Abschaffung der tÀglichen Acht-Stunden-Grenze zugunsten einer 48-Stunden-Woche. Gewerkschaften und Wissenschaftler kritisieren das Vorhaben scharf.

Arbeitszeitreform 2026: TÀgliche Höchstgrenze soll fallen
Arbeitszeit-Reform - Nahaufnahme einer modernen Uhr mit unscharfen Zeigern vor einem Dokument, das Arbeitszeitreformen symbolisiert. 13.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Statt der bisherigen Acht-Stunden-Grenze plant die Regierung eine wöchentliche Obergrenze von 48 Stunden. Das Gesetz soll noch im Juni 2026 vorgelegt werden.

Der Kern der Reform

Die aktuelle Regelung erlaubt einen Acht-Stunden-Tag bei einer Sechs-Tage-Woche – ebenfalls 48 Stunden maximal. Ausnahmen bis zu zehn Stunden sind möglich, mĂŒssen aber innerhalb von sechs Monaten ausgeglichen werden. Die Reform hebt diese starren Tagesgrenzen komplett auf.

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ArbeitgeberverbĂ€nde und Bundeskanzler Friedrich Merz unterstĂŒtzen die PlĂ€ne. Merz betonte am 11. Juni in einer RegierungserklĂ€rung: Die deutsche Wirtschaft stagniere seit 2019, Arbeitskosten und BĂŒrokratie seien zu hoch. ArbeitgeberprĂ€sident Rainer Dulger sieht die Modernisierung der Arbeitszeit als Beitrag zur internationalen WettbewerbsfĂ€higkeit.

Gewerkschaften schlagen Alarm

Die Fronten sind klar: DGB-Chefin Yasmin Fahimi und Verdi-Chef Frank Werneke lehnen eine Aufweichung des Acht-Stunden-Tags strikt ab. Werneke argumentierte am 11. Juni, bestehende TarifvertrĂ€ge böten bereits ausreichend FlexibilitĂ€t – eine GesetzesĂ€nderung sei ĂŒberflĂŒssig.

Die Wissenschaft stĂŒtzt die Kritiker. Forscher des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) belegen: Nach der achten Arbeitsstunde steigt das Unfallrisiko statistisch signifikant. Experten warnen zudem vor mehr Burnout-Erkrankungen und verschĂ€rften Konflikten bei der Kinderbetreuung, falls Tage mit ĂŒber zwölf Stunden möglich werden.

DIW-PrÀsident sieht Reform kritisch

Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts fĂŒr Wirtschaftsforschung, Ă€ußerte sich am Samstag skeptisch. Er bezeichnete die PlĂ€ne als unzureichend und warnte davor, die QuantitĂ€t der Arbeit ĂŒber die ProduktivitĂ€t zu stellen. Punktuell mehr FlexibilitĂ€t sei sinnvoll, so Fratzscher. Aber Branchen wie Pflege, Gastronomie oder Veranstaltungsbereich brĂ€uchten weiterhin klare tĂ€gliche Obergrenzen.

Zeitplan bis zur Sommerpause

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Die Arbeitszeitreform ist Teil eines grĂ¶ĂŸeren Pakets, ĂŒber das Koalition und Sozialpartner seit Mitte Juni beraten. Ein Spitzentreffen im Kanzleramt am 10. und 11. Juni verlief konstruktiv – in Sachfragen wie Arbeitszeit, Rente und Steuerpolitik klaffen jedoch weiterhin tiefe GrĂ€ben.

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche drÀngte am Freitag auf Tempo: Sie fordert höheres Arbeitsvolumen und niedrigere Abgabenlast, um weitere Produktionsverlagerungen ins Ausland zu verhindern.

Der Fahrplan: In der dritten Juni-Woche legt die Rentenkommission ihre Ergebnisse vor. Am 1. Juli tagt der Koalitionsausschuss, um weitreichende Entscheidungen zur Arbeitsmarkt- und Sozialreform zu treffen. Die Regierung will das gesamte Paket bis Mitte Juli verabschieden. Ein weiteres Spitzentreffen mit den Sozialpartnern ist fĂŒr den Herbst geplant.

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