Arbeitszeitgesetz: Koalition spaltet sich über Acht-Stunden-Tag
14.06.2026 - 18:33:41 | boerse-global.de
Nach Beratungen von Gewerkschaften und Wirtschaftsverbänden im Kanzleramt fordern die Unionsfraktionen die schnelle Umsetzung neuer Regeln. Der Kern des Streits: die tägliche Höchstarbeitszeit soll durch eine wöchentliche ersetzt werden.
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Union drängt auf Flexibilisierung
Unions-Fraktionschef Jens Spahn (CDU) mahnte heute die Umsetzung der Reform an. Er beruft sich auf Vereinbarungen zwischen Union und SPD, die mehr Flexibilität in der Arbeitswelt versprechen. Derzeit erlaubt das Gesetz acht Stunden täglich, unter bestimmten Bedingungen zehn Stunden. Die Wochenhöchstarbeitszeit liegt bei 48 Stunden, dazwischen müssen elf Stunden Ruhe liegen.
Die geplanten Änderungen heben die tägliche Begrenzung auf. Stattdessen gilt dann eine wöchentliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden.
SPD bremst – Koalitionsvertrag als Argument
SPD-Arbeitspolitiker Jan Dieren widerspricht heute deutlich. Der Koalitionsvertrag sehe keine Abschaffung des Acht-Stunden-Tags vor, betont er. Stattdessen müsse eine Reform die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessern. Beschäftigte bräuchten mehr Selbstbestimmung, nicht weniger Schutz.
Dieren warnt zudem vor Konflikten mit EU-Recht. Die europäische Arbeitszeitrichtlinie schreibe elf Stunden Ruhezeit vor – daran dürfe die Reform nicht rütteln.
DGB warnt – Wirtschaft jubelt
Die Gewerkschaften laufen Sturm gegen die Pläne. DGB-Chefin Yasmin Fahimi spricht sich klar gegen die Reform aus. Sie befürchtet eine Machtverschiebung zugunsten der Arbeitgeber und rät von einer Aufweichung der Standards ab.
Anders sehen es die Arbeitgeberverbände. Sie bewerten die Umstellung auf eine wöchentliche Betrachtung als notwendig für die internationale Wettbewerbsfähigkeit.
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Opposition uneins – Grüne suchen Mittelweg
Auch im Bundestag gibt es heftige Kontroversen. Andreas Audretsch von den Grünen will mehr Flexibilität, aber den Acht-Stunden-Tag erhalten. Heidi Reichinnek (Die Linke) lehnt die Reformpläne scharf ab. René Springer (AfD) sieht dagegen keinen Bedarf für eine gesetzliche Neuregelung.
Selbst in der SPD gibt es Zweifel. Bundestagspräsidentin Bärbel Bas äußerte sich skeptisch zu den Plänen.
Flankiert von Sparkurs am Arbeitsmarkt
Die Debatte wird begleitet von Verhandlungen über Einsparungen. Am 12. Juni diskutierten die Parteien über Konsolidierungsmaßnahmen am Arbeitsmarkt. Zur Deabtte stehen das Einfrieren der Geringfügigkeitsgrenze und eine höhere Dienstgeberabgabe für Minijobs. Auch Kürzungen bei Krankenversicherungsgutschriften für Selbstständige sind im Gespräch.
Die Zahlen zeigen die Dimension: Für 2027 ist ein Konsolidierungsbeitrag von 142 Millionen Euro vorgesehen, für 2028 steigt er auf 166 Millionen Euro. Der Sparkurs gibt der Reformdebatte eine zusätzliche Brisanz.
