Die Wirkung von Arbeitgebersiegeln: Wie Arbeitgeber das richtige GĂŒtesiegel auswĂ€hlen und Arbeitgebersiegel sinnvoll einsetzen
21.10.2025 - 09:52:56Eine Studie zeigt nun, welche rechtlichen Voraussetzungen es bei der Werbung mit einem Arbeitgebersiegel zu beachten gilt, wie sich ein Arbeitgebersiegel aus Arbeitgebersicht sinnvoll einsetzen lÀsst und wie sich das Arbeitgebersiegel "Top Arbeitgeber" in einem Experiment auf die Bewerbungsabsicht auswirkte.
Wer Jobausschreibungen mit einem scharfen Auge beobachtet, stellt zunehmend auch fest, dass Arbeitgebersiegel vermehrt eingesetzt werden: Unternehmen fĂŒgen ihrem Logo "Top Arbeitgeber" oder "Familienfreundlicher Arbeitgeber" hinzu, verwenden Siegel in ihren BroschĂŒren und platzieren die Auszeichnungen in Stellenanzeigen. Laut dem DIQP (Deutschen Institut fĂŒr QualitĂ€tsstandards und -prĂŒfung e. V.) ist die Zahl der angebotenen Arbeitgebersiegel in den vergangenen Jahren förmlich explodiert. Diese rasante Entwicklung fĂŒhrt zu einem unĂŒbersichtlichen Markt und zieht die Frage mit sich, welche Siegel wirklich etwas wert sind.
FĂŒr kleine und mittelstĂ€ndische Unternehmen bieten Arbeitgebersiegel Chancen
Der Gedanke hinter Arbeitgebersiegeln ist sinnvoll: Unternehmen, deren Arbeitsumgebung wirklich etwas wert ist, können diesen Erfolg prĂ€sent nach auĂen zeigen und sich dadurch von der Konkurrenz abheben. Besonders fĂŒr kleine und mittelstĂ€ndische Unternehmen kann ein Arbeitgebersiegel einen wertvollen Wettbewerbsvorteil bringen, denn weil diese kleineren Betriebe oft weniger bekannt sind als die groĂen Konzerne, kann ein Siegel ihre PrĂ€senz auf dem Arbeitsmarkt stĂ€rken. In Stellenanzeigen, Social-Media-Posts oder auf der firmeneigenen Website erzeugt die Auszeichnung einen professionellen Ersteindruck und vermittelt potenziellen Bewerbern, dass das Unternehmen Wert auf seine Mitarbeitenden legt.
Auch intern entfalten Arbeitgebersiegel eine Bedeutung: Wenn die Siegel auf einer reprĂ€sentativen Befragung der Mitarbeitenden beruhen, dann signalisiert dieses Vorgehen WertschĂ€tzung und bindet die Belegschaft in Entwicklungsprozesse ein. AuĂerdem liefern die Befragungen wertvolle VerbesserungsvorschlĂ€ge. Wenn Arbeitgeber die Ergebnisse aufbereiten, kommunizieren und ernst nehmen, lĂ€sst sich das Arbeitsklima spĂŒrbar verbessern.
Studie gibt Einblick in die Auswirkung von Arbeitgebersiegeln
Was jedoch resultiert, ist ein mittlerweile unĂŒbersichtlicher Markt mit einer Vielzahl unterschiedlicher Arbeitgebersiegel. Eine reprĂ€sentative Untersuchung widmet sich der bereits angesprochenen Frage, welches GĂŒtesiegel wirklich etwas wert ist. Studienautor und wissenschaftlicher Beirat des DIQP PhDr. Oliver Scharfenberg analysiert mehr als 60 verschiedene Arbeitgebersiegel aus den Perspektiven von Bewerbern, Arbeitnehmern sowie Unternehmen. Die Betrachtung aus unterschiedlichen Perspektiven ist ein wichtiger und bisher selten angewendeter Schritt: WĂ€hrend Bewerber eine unabhĂ€ngige EinschĂ€tzung des Arbeitgebers wertschĂ€tzen, wĂŒnschen sich Mitarbeitende hĂ€ufig einen positiven Beitrag zur Verbesserung des Arbeitsklimas. Arbeitgeber wiederum legen ihren Fokus auf eine erwartete QualitĂ€tssteigerung im Recruiting und eine beabsichtigte Zunahme an qualifizierten Bewerbungen.
Ein zentrales Experiment der Studie untersucht die Wirkung eines Arbeitgebersiegels auf die Bewerbungswahrscheinlichkeit. 1093 Personen mit reprÀsentativer Altersverteilung wurden zufÀllig in zwei Gruppen eingeteilt: Die erste Gruppe sah eine Stellenanzeige ohne ein Arbeitgebersiegel, die zweite die identische Anzeige mit dem Arbeitgebersiegel "Top Arbeitgeber". Die Probanden sollten daraufhin einschÀtzen, wie wahrscheinlich es sei, sich auf die Jobausschreibung zu bewerben.
Die Ergebnisse des Experiments sind deutlich: Ohne Siegel stuften 37,96 % der Befragten die Bewerbung als "wahrscheinlich" oder "sehr wahrscheinlich" ein. Mit dem Arbeitgebersiegel " Top Arbeitgeber" stieg dieser Wert auf 53,95 %. Der Anteil der "unwahrscheinlichen" oder "sehr unwahrscheinlichen" Bewerbungen sank von 17,88 % auf 6,04 %. Dieses Ergebnis zeigt, dass das Arbeitgebersiegel die Wahrnehmung der ArbeitgeberattraktivitĂ€t spĂŒrbar verbessert und die Bewerbungswahrscheinlichkeit um einen signifikanten Prozentsatz erhöht.
Studienautor PhDr. Scharfenberg betont, dass sich die positive Wirkung von Arbeitgebersiegeln nur entfalten kann, wenn transparente und glaubwĂŒrdige Vergabekriterien fĂŒr das Arbeitgebersiegel angewendet werden: "Um die positiven Effekte eines Arbeitgebersiegels vollstĂ€ndig auszuschöpfen, sollten Unternehmen auf Arbeitgebersiegel setzen, die auf einer reprĂ€sentativen Befragung der BeschĂ€ftigten beruhen und die BeschĂ€ftigten damit aktiv in die Unternehmensentwicklung einbinden." Bewerber sollen erkennen können, auf welcher Basis das Siegel vergeben wurde, damit das Unternehmen Vertrauen gewinnt
Keine einheitlichen Vorgehensweisen bei der Vergabe von Arbeitgebersiegeln
Auf dem Markt existiert eine groĂe Vielfalt an Vergabeverfahren fĂŒr Arbeitgebersiegel, die nicht immer seriös und erst recht nicht alle glaubwĂŒrdig sind. WĂ€hrend sich einige, hĂ€ufig unseriöse Anbieter, lediglich auf eine reine Selbstauskunft oder einen ausgefĂŒllten Fragebogen ohne externe ĂberprĂŒfung berufen, stĂŒtzen sich andere Institute auf stichprobenartige Mitarbeiterbefragungen oder nur auf ein Audit. In einigen Verfahren werden sogar Bewertungen aus Online-Portalen oder Feedback in den sozialen Medien herangezogen - eine Praxis, die mangels Validierbarkeit besonders anfĂ€llig fĂŒr Manipulation ist. Unterschiede in der Transparenz fĂŒhren zudem dazu, dass AuĂenstehende die QualitĂ€t eines Arbeitgebersiegels nicht nachvollziehen können, weil die Kriterien und PrĂŒfprozesse der Vergabe nicht klar einsehbar sind.
Die Studie beleuchtet zudem rechtliche Grauzonen und QualitĂ€tsdefizite bei Arbeitgebersiegeln. In Deutschland ist die Werbung mit neutralen PrĂŒfungen und unabhĂ€ngigen Zertifizierungen rechtlich heikel, wenn die zugrunde liegende PrĂŒfung nicht den versprochenen Standards entspricht. Laut Studienautor Scharfenberg lassen sich bei zahlreichen Siegeln "wesentliche Defizite"feststellen. Teilweise werde der Eindruck erweckt, die Auszeichnung beruhe auf einer neutralen PrĂŒfung, obwohl das nicht der Fall sei. Gerichte haben solche irrefĂŒhrenden Formulierungen bei GĂŒtesiegeln in der Vergangenheit unter Berufung auf das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG) untersagt.
Worauf Unternehmen bei Arbeitgebersiegeln achten sollten
Damit Arbeitgebersiegel ihre Wirkung entfalten, sollten Unternehmen laut PhDr. Oliver Scharfenberg Siegel nutzen, die auf einer reprĂ€sentativen Befragung der BeschĂ€ftigten beruhen. Eine hohe Beteiligung stellt sicher, dass sich die Ergebnisse tatsĂ€chlich auf die gesamte Belegschaft ĂŒbertragen lassen. Zudem sollten die Resultate konsequent zur Verbesserung des Arbeitsumfeldes eingesetzt werden und die Basis der Auszeichnung transparent kommuniziert werden.
Das Arbeitgebersiegel " Top Arbeitgeber" beruht auf einer Befragung der BeschĂ€ftigten eines Arbeitgebers. Es basiert zu gleichen Teilen auf einer anonymen und reprĂ€sentativen Mitarbeiterbefragung und einem HR-Interview. Diese Kombination verbindet subjektive EindrĂŒcke der Belegschaft mit objektiven Leistungen und Zusatzleistungen des Unternehmens. Die teilnehmenden Firmen erhalten eine detaillierte Auswertung, welche oftmals konkrete VerbesserungsvorschlĂ€ge der BeschĂ€ftigten beinhaltet.
In Summe geht es fĂŒr Arbeitgeber also um SeriositĂ€t, ReprĂ€sentativitĂ€t, Transparenz, rechtliche Sicherheit und langfristiges Denken. Werden diese Anforderungen eingehalten, kann die Verwendung eines Arbeitgebersiegels zahlreiche interne und externe Vorteile bewirken und ein Schritt zum Erfolg im heiĂ umkĂ€mpften FachkrĂ€ftemarkt sein.
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