Gesundheit, Studie

SanitÀtshÀuser und Homecare: 76 Prozent sehen Existenz von Betrieben langfristig gefÀhrdet / Wie werden wir in Zukunft versorgt? Bundesweite Studie befragt rund 1000 Mitarbeitende der Hilfsmittelbranche

25.06.2026 - 12:05:00 | presseportal.de

Berlin/Essen - Deutschland wird radikal Ă€lter. Dennoch möchte jeder möglichst lange gesund, mobil und selbstbestimmt in den eigenen vier WĂ€nden leben. Dabei völlig unverzichtbar: die tĂ€gliche Arbeit von SanitĂ€tshĂ€usern und Homecare-Anbietern. Menschen, die nach einem Unfall oder einer Operation professionell mit medizinischen Hilfsmitteln versorgt werden mĂŒssen, sind zwingend auf diese UnterstĂŒtzung angewiesen. So werden zahlreiche Operationen vermieden und Milliarden Euro gespart. Aber die aktuellen Rahmenbedingungen - lĂ€hmende BĂŒrokratie, Kostendruck, verschleppte Digitalisierung und der geplante Drei-Prozent-Abschlag auf erbrachte Leistungen - erschweren diese systemrelevante Aufgabe massiv. Diese Tatsache belegt die heute in Berlin veröffentlichte HilfsmittelStudie 2026.

SanitÀtshÀuser und Homecare: 76 Prozent sehen Existenz von Betrieben langfristig gefÀhrdet / Wie werden wir in Zukunft versorgt? Bundesweite Studie befragt rund 1000 Mitarbeitende der Hilfsmittelbranche - Bild: presseportal.de
SanitÀtshÀuser und Homecare: 76 Prozent sehen Existenz von Betrieben langfristig gefÀhrdet / Wie werden wir in Zukunft versorgt? Bundesweite Studie befragt rund 1000 Mitarbeitende der Hilfsmittelbranche - Bild: presseportal.de

Rund 1000 Mitarbeitende aus der SanitĂ€tshaus- und Homecare-Branche haben an dieser zukunftspsychologischen Studie teilgenommen - der bislang grĂ¶ĂŸten in dieser Branche. Gemeinsam zeichnen sie das Bild einer demokratierelevanten, fĂŒr die Gesundheitsversorgung unverzichtbaren Branche, die seit Jahren von politischen Vorgaben ausgebremst wird. Diese Situation ist unverantwortlich, obwohl die Branche in Zukunft eine noch zentralere Rolle bei der PrĂ€vention und der Sicherung von LebensqualitĂ€t und MobilitĂ€t spielen kann. Die Zukunft heißt "Care-Navigation".

"Die Hilfsmittelbranche ist weit mehr, als ihre Branchenbezeichnung vermittelt", so Prof. Dr. Thomas Druyen, PrĂ€sident der opta data Zukunfts-Stiftung, die die Studie gemeinsam mit dem Institut fĂŒr Zukunftspsychologie und Zukunftsmanagement der Sigmund Freud PrivatUniversitĂ€t Wien und in Kooperation mit dem Bundesinnungsverband fĂŒr OrthopĂ€die-Technik (BIV-OT) und dem Verband VersorgungsqualitĂ€t Homecare e. V. (VVHC) durchgefĂŒhrt hat. "Individuelle Hilfsmittelversorgung macht verlorene oder eingeschrĂ€nkte Funktionen durch technische Lösungen wieder verfĂŒgbar: MobilitĂ€t, StabilitĂ€t, GreiffĂ€higkeit, PflegefĂ€higkeit, Orientierung, Sicherheit und SelbststĂ€ndigkeit. Wer diese Versorgung leistet, organisiert Alltag und gibt Menschen die Möglichkeit, trotz Krankheit, Alter, Behinderung, EinschrĂ€nkung oder Pflegebedarf handlungsfĂ€hig zu bleiben. Es geht um WĂŒrde, Teilhabe und oft um die Frage, ob ein Mensch weiter zu Hause leben kann oder auf stationĂ€re Strukturen angewiesen ist."

Wachsende Bedeutung, aber geringe Wahrnehmung

Im deutschen Gesundheitssystem, das sich in den kommenden Jahren radikal verĂ€ndern wird, sind SanitĂ€tshĂ€user und Homecare-Anbieter also von existentieller Bedeutung. So leisten schon heute Homecare-Unternehmen eine koordinierende Begleitung von Patienten durch ein zunehmend komplexes und unĂŒbersichtliches System, insbesondere beim Übergang vom Krankenhaus in die hĂ€usliche Versorgung. Davon, dass diese Verantwortung angesichts einer stetig alternden Bevölkerung, der steigenden Zahl multimorbider Patienten und einer fortschreitenden Ambulantisierung der Gesundheitsversorgung weiterwachsen wird, sind 88 Prozent der Studienteilnehmer ĂŒberzeugt. Gleichzeitig sehen sie jedoch, dass sie von Gesellschaft und Politik bislang nicht als tragende SĂ€ule des Gesundheitswesens wahrgenommen werden. Im Gegenteil: So fĂŒhlen sich 93 Prozent der Befragten von der aktuellen Gesundheitspolitik nicht ausreichend vertreten.

Wirtschaftliche Existenz bereits jetzt gefÀhrdet

Das am 29. April vom Bundeskabinett verabschiedete GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BStabG) wird diese EinschĂ€tzung bestĂ€tigen. Denn mit diesem Gesetz sollen durch einen pauschalen Drei-Prozent-Abschlag auf bereits vereinbarte Vertragspreise und weitere Maßnahmen Kosteneinsparungen erzielt werden. In der Branche trifft diese Entscheidung auf großes UnverstĂ€ndnis. BefĂŒrchtet werden nicht nur Abstriche in der QualitĂ€t der Patientenversorgung, sondern auch massive wirtschaftliche Folgen: 76 Prozent sehen die Existenz der Betriebe bereits jetzt durch die aktuelle VergĂŒtungsstruktur langfristig gefĂ€hrdet. Mit einem Drei-Prozent-Abschlag werden Hilfsmittelanbieter noch stĂ€rker als bisher zur Ader gelassen.

Enormer Kostendruck, erdrĂŒckende BĂŒrokratie

Die von der Bundesregierung geplanten Maßnahmen treffen also eine Branche, die ohnehin vor zahlreichen Herausforderungen steht. So geben 81 Prozent der Befragten an, dass der FachkrĂ€ftemangel die zukĂŒnftige Patientenversorgung deutlich beeintrĂ€chtigen wird. Die Zahl der zu versorgenden Menschen wird in den nĂ€chsten Jahren weiter steigen, aber auf immer weniger Menschen treffen, die diese Versorgung tatsĂ€chlich leisten können.

Vor allem aber spielen - wie in allen Bereichen des Gesundheitswesens - Zeit und Geld eine entscheidende Rolle: 84 Prozent der Befragten befĂŒrchten, dass sich die Versorgung durch den steigenden Kostendruck und ĂŒberbordende BĂŒrokratie verschlechtern wird. Schon heute wenden, so ein weiteres Studienergebnis, SanitĂ€tshĂ€user und Homecare-Anbieter ĂŒber 30 Prozent ihrer Betriebszeit fĂŒr die Erledigung bĂŒrokratischer AblĂ€ufe auf - Zeit, die in die Patientenversorgung sehr viel besser investiert wĂ€re. Zu den GrĂŒnden zĂ€hlt vor allem eine Besonderheit, die in der Branche als "Vertragsdschungel" bekannt ist: Wer seine Leistungen gegenĂŒber mehr als 90 gesetzlichen Krankenkassen abrechnet, erledigt dies auf Grundlage von individuellen VertrĂ€gen. Um alle gesetzlich Versicherten zu versorgen, mĂŒsste er mehrere hundert verwalten. Das kann sich kein Leistungserbringer wirtschaftlich leisten. Dass sich 80 Prozent der Befragten mehr Einfluss auf die Krankenkassen und die Vertragsgestaltung und 69 Prozent eine deutliche EntbĂŒrokratisierung wĂŒnschen, ist daher nachvollziehbar.

Entlastung durch Digitalisierung

Große Hoffnungen werden schließlich auch in digitale Technologien und KĂŒnstliche Intelligenz gesetzt. 77 Prozent erwarten, dass diese zu tiefgreifenden VerĂ€nderungen in der Versorgung fĂŒhren werden, die vor allem Patienten zugutekommen. Denn jeder Prozess, der effizienter gestaltet wird - 76 Prozent sehen darin den Hauptnutzen der Digitalisierung -, schafft mehr Zeit fĂŒr Versorgung und persönliche Betreuung. In den Worten eines Studienteilnehmers: "Digitalisierung muss uns entlasten, damit wir uns wieder mehr auf den Menschen konzentrieren können." Und auch in der Zusammenarbeit mit anderen Akteuren wie Ärztinnen und Ärzten, Kliniken und Pflegediensten soll die Digitalisierung nach Ansicht der Befragten eine entscheidende Rolle spielen: 75 Prozent wĂŒnschen sich eine digitale Vollvernetzung.

Das Modell der Zukunft: Care-Navigation

"Die entscheidende Entwicklung in der Hilfsmittelbranche wird jedoch keine technologische sein", fasst Prof. Dr. Druyen die Ergebnisse der Studie zusammen. "Die Zukunft der Hilfsmittelbranche und damit die Zukunft der Patientenversorgung wird das sein, was wir 'Care-Navigation' nennen - ein neues Berufsbild, ein neues Versorgungsmodell." Die Kernidee: In einem fragmentierten System von zahlreichen, bislang nicht vernetzten Akteuren begleiten SanitĂ€tshĂ€user und Homecare-Anbieter den Patienten durch den gesamten Versorgungspfad, dies nicht allein mit medizinischen Hilfsmitteln, sondern mit Beratung, hĂ€uslicher Versorgung, Nachsorge, PrĂ€vention und mehr. Denn das ist das eigentliche Ziel: Menschen zu helfen, möglichst lange gesund, mobil und selbstbestimmt zu leben - und das ohne bĂŒrokratische Umwege.

Studie online verfĂŒgbar

Die vollstÀndige HilfsmittelStudie 2026 kann ab dem 25. Juni kostenlos auf der Website der opta data Zukunfts-Stiftung heruntergeladen werden: www.zukunftsstiftung.optadata.de/forschung/studien/sanitaetshausstudie-2025-2026/

Pressekontakt:

Dr. Frank Unterberg (Presse), 01511 8802955, f.unterberg@optadata-gruppe.de
Linda Kaiser M.Sc. (Studienleitung), 01511 5013779, l.kaiser@optadata-gruppe.de

Original-Content von: opta data Zukunfts-Stiftung gGmbH ĂŒbermittelt durch news aktuell

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