Migration, Studie

Brain Drain in Europa: Die unterschÀtzte Auswanderung

10.06.2026 - 11:48:10 | presseportal.de

Berlin - In der öffentlichen Debatte kursiert fĂŒr Deutschland eine jĂ€hrliche Nettoauswanderung von rund 80.000 Personen. Eine neue Analyse von DataPulse Research auf Basis eines Eurostat-Datensatzes zeigt: TatsĂ€chlich verließen netto 91.067 in Deutschland geborene Menschen das Land im Jahr 2024, ein Anstieg von 47 % gegenĂŒber 2019. Seit 2005 summiert sich der Verlust auf ĂŒber eine Million Menschen, das ist mehr als die Einwohnerzahl Kölns.

Brain Drain in Europa: Die unterschÀtzte Auswanderung - Bild: presseportal.de
Brain Drain in Europa: Die unterschÀtzte Auswanderung - Bild: presseportal.de

AuffĂ€llig an der jĂŒngsten Entwicklung ist vor allem der Einbruch bei den RĂŒckkehrern: Ihre Zahl sank von 66.460 (2019) auf 49.488 (2024), also um 26 %.

Deutschland steht mit dieser Entwicklung nicht allein. DataPulse Research hat die Aus- und RĂŒckwanderung nach Geburtsort in 19 europĂ€ischen LĂ€ndern ausgewertet, und in 17 davon verlassen mehr Menschen das Land, als zurĂŒckkehren.

Vier Befunde stechen besonders heraus:

Die GrĂŒnde fĂŒr eine Auswanderung sind meist vielfĂ€ltig und individuell. Treiber sind unter anderem höhere BruttogehĂ€lter, Steuerlast, Karrierechancen, Wohnkosten, Sprache und LebensqualitĂ€t.

Was die Abwanderung kostet, was in Europa bleibt

Die Studie schĂ€tzt den jĂ€hrlichen Steuerausfall durch Abwanderung auf 1,1 bis 2,1 Milliarden Euro, kumuliert 11 bis 21 Milliarden Euro ĂŒber ein Jahrzehnt. Dieser Verlust wird durch Zuzug aus der EU nur teilweise ausgeglichen: Deutschland war 2023 zwar der grĂ¶ĂŸte NettoempfĂ€nger innereuropĂ€ischer Arbeitsmigration, doch dieser Ausgleich ist partiell und schrumpft. 2024 kippte der EU-Binnensaldo bereits ins Negative.

Wichtig ist auch der kontinentale Befund: Rund 84 % der in Deutschland geborenen Auswanderer bleiben in Europa, nur etwa 16 % verlassen den Kontinent. Was auf nationaler Ebene als Verlust zÀhlt, ist mit Blick auf den ganzen Kontinent vor allem eine Umverteilung von Humankapital.

Die vollstĂ€ndige Studie mit interaktivem LĂ€nder-Explorer und Methodik ist unter https://www.datapulse.de/brain-drain-eu verfĂŒgbar.

Über die Studie

Die Brain-Drain-Studie 2026 wertet Migrationsdaten von 19 europĂ€ischen LĂ€ndern aus. Datenquellen: Eurostat (Wanderungen zum Geburtsort und zur StaatsbĂŒrgerschaft), OECD Taxing Wages 2025, Destatis und BiB/GERPS-Panel. Neun EU-Staaten (u. a. Frankreich, Polen, Portugal, DĂ€nemark) sind nicht enthalten, weil sie keine geburtsortsbasierten Auswanderungsdaten erfassen. Die vollstĂ€ndige Methodik ist in der Studie dokumentiert.

Über DataPulse Research

DataPulse Research ist ein unabhĂ€ngiges Datenstudio mit Fokus auf Datenjournalismus und datengetriebene Visualisierungen. Wir machen komplexe ZusammenhĂ€nge verstĂ€ndlich und setzen Zahlen in einen klaren Kontext. Unsere Studien erscheinen regelmĂ€ĂŸig in Medien wie Zeit, FAZ, Tagesschau, Welt, Focus, Bild, Statista und Wikipedia.

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