Betriebsräte kritisieren: SRH schließt sieben Standorte bis 2028
Veröffentlicht am: 22.08.2026 um 06:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Bildungs- und Gesundheitskonzern SRH steht vor einer umfassenden Neustrukturierung, die bis zum Frühjahr 2028 zur Schließung von insgesamt sieben Standorten führen soll.
Wie Arbeitnehmervertreter berichten, fühle sich der Betriebsrat bei diesen weitreichenden Entscheidungen übergangen und kritisiert eine fehlende Abstimmung seitens der Unternehmensführung. Von den Maßnahmen sind die Standorte in Bremen, Fürth, Hamburg, Hamm, Köln, München und Stuttgart betroffen.
Die geplanten Schließungen haben direkte Auswirkungen auf die Belegschaft: Rund 200 der insgesamt 800 Arbeitsplätze stehen vor dem Aus. Der Betriebsrat monierte in diesem Zusammenhang, dass eine konstruktive Einbindung der Arbeitnehmerseite in den Entscheidungsprozess nicht stattgefunden habe.
Diese Entwicklung steht in einem deutlichen Kontrast zur wirtschaftlichen Lage des Unternehmens. Für das Jahr 2025 meldete die SRH einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro, was einer Steigerung von 7 Prozent entspricht. Das Jahresergebnis kletterte im selben Zeitraum um 18 Prozent auf 39,4 Millionen Euro.
Zunehmende Spannungen in der Industrie
Der Konflikt bei der SRH reiht sich ein in eine Serie von Auseinandersetzungen zwischen Unternehmensleitungen und Arbeitnehmervertretern über mangelnde Informationspolitik. Auch beim Automobilzulieferer ZF in Witten wird Kritik laut. Der Betriebsratsvorsitzende Frank Blasey warf der Konzernleitung vor, durch unzureichende Kommunikation für Unsicherheit bei der stockenden Umstrukturierung zu sorgen.
Ähnliche Tendenzen zeigen sich beim Optikkonzern Zeiss. Das Unternehmen plant jährliche Einsparungen in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro, hält sich bei den Details jedoch bedeckt. Die IG Metall kritisierte hier ebenfalls eine fehlende Transparenz.
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Während der Umsatz im ersten Halbjahr um 1 Prozent auf 5,841 Milliarden Euro stieg und das EBIT bei 955 Millionen Euro lag, wurden am Standort Aalen bereits 248 Vollzeitstellen in der Produktion gestrichen. Die dortige Fertigung von Brillengläsern soll von 2,3 Millionen auf 1 Million Einheiten sinken.
Verlagerungen und Personalabbau trotz Milliardengewinnen
Ein weiterer Schwerpunkt der aktuellen industriellen Umbrüche liegt auf der Verlagerung von Arbeitsplätzen in das Ausland. Das Unternehmen Thermo Fisher plant den Abbau von 63 Stellen in Langenselbold, um Kapazitäten nach Ungarn und Osteuropa zu verschieben.
Bei einer Demonstration am 19. August 2026 betonten Kritiker, dass dieser Abbau angesichts eines Vorjahresgewinns von 48 Milliarden US-Dollar unnötig sei. Verhandlungen zwischen dem Betriebsrat und der Geschäftsführung sind für September angesetzt.
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Auch in der Logistikbranche kommt es zu massiven Einschnitten. Dachser wird in Vaihingen an der Enz rund die Hälfte der 150 Stellen streichen, da sich der Großkunde Tesa bis Mitte 2027 nach Bürstadt zurückzieht. Das Unternehmen versucht, die Folgen durch einen Sozialplan und ein Freiwilligenprogramm abzufedern, während ab Ende 2026 zwei Neukunden den Standort stabilisieren sollen.
Strukturwandel im Automobilbau und Mediensektor
Besonders deutlich wird der Veränderungsdruck in der Automobilindustrie. Bei Volkswagen in Osnabrück soll die Produktion des Modells T-Roc im Jahr 2027 enden. Das Land Niedersachsen prüft derzeit eine Beteiligung an einer möglichen Rüstungsproduktion am Standort, um die Arbeitsplätze zu sichern.
Der Aufsichtsrat wird hierzu Anfang September tagen. In Zwickau, wo die Produktivitätsziele für 2025 erreicht wurden, plant VW-Chef Oliver Blume für die kommende Woche eine Erläuterung der Sparpläne. Dort soll 2027 eine Fertigungslinie stillgelegt werden, was die Kapazität des Werks weiter unter die Auslegungsgrenze von 360.000 Fahrzeugen drückt.
Im Medienbereich führt der Rückgang der Auflagen ebenfalls zu harten Einschnitten. Der Kölner Stadt-Anzeiger streicht 57 Vollzeitstellen in der Rheinischen Redaktionsgemeinschaft. Kritiker werfen dem Verlag vor, Inhalte künftig verstärkt durch digitale Teams und unter Einsatz von Künstlicher Intelligenz erstellen zu wollen, was die journalistische Qualität und die regionale Verankerung gefährde.
