Burnout-Krise: 68% der Start-up-Gründer unter Druck
13.06.2026 - 03:19:04 | boerse-global.de
Am 12. Juni 2026 ging der Entwurf in die erste Lesung im Bundestag – und stößt auf massive Kritik von Fachverbänden.
Gefahr für die Versorgung
Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) schlägt Alarm. Präsidentin Dr. Andrea Benecke warnt: Die geplante Rückführung psychotherapeutischer Leistungen in die morbiditätsorientierte Gesamtvergütung gefährde die Patientenversorgung. Die Folge könnten längere Wartezeiten sein – und damit höhere Kosten durch verlängerte Arbeitsunfähigkeit sowie mehr Erwerbsminderungsrenten.
Parallel machte das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim am selben Tag mit einem Aktionstag auf den steigenden Versorgungsdruck aufmerksam. Der Bedarf an psychiatrischer Hilfe wachse seit Jahren, doch die gesetzlichen Rahmenbedingungen engten den Spielraum der Kliniken ein.
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Hürden bei Berufsunfähigkeit
Viele Betroffene scheitern an den unterschiedlichen rechtlichen Maßstäben. Während die private Berufsunfähigkeitsversicherung den konkret ausgeübten Beruf prüft, bewertet die gesetzliche Erwerbsminderungsrente die verbliebene Leistungsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Daten aus dem Jahr 2023 zeigen: Rund 44 Prozent der Anträge auf EM-Rente wurden abgelehnt.
Aktuelle Gerichtsurteile stärken dagegen die Rechte psychisch Kranker. Das Sozialgericht Karlsruhe sprach einer Klägerin mit psychischer Erkrankung eine volle Erwerbsminderungsrente zu – obwohl ein erster Gutachter Simulation unterstellt hatte. Das Gericht stellte klar: Psychische Störungen brauchen keinen organischen Nachweis.
Im Juni 2026 erkämpfte zudem eine IT-Mitarbeiterin in Österreich nach einer Klage der Arbeiterkammer ihre Berufsunfähigkeitspension. Die Pensionsversicherungsanstalt hatte den Antrag trotz schwerer Depressionen und physischer Einschränkungen abgelehnt.
Doch für ungelernte Kräfte bleibt der Zugang schwer. Frühere Urteile der Landessozialgerichte zeigen: Betroffene können oft auf einfache Tätigkeiten wie Pförtnerdienste verwiesen werden – sofern eine tägliche Arbeitszeit von sechs Stunden möglich ist.
Dauerstress in der Führungsetage
Der Gallup-Index offenbart ein brisantes Bild: Rund 20 Prozent der deutschen Führungskräfte fühlen sich häufig oder ständig ausgebrannt. CEOs von Eon, der Commerzbank und Hensoldt gaben in einer Befragung Einblicke in ihre Strategien gegen Dauerstress. Ihr Rezept: klarer Fokus, Pragmatismus und Erfahrung.
Besonders hart trifft es die Start-up-Szene. Eine Untersuchung des Startup-Verbands und der Techniker Krankenkasse ergab: 68 Prozent der Gründer bewerten die hohe Arbeitsintensität als zunehmendes Risiko. 62 Prozent nennen die berufliche Unsicherheit als Hauptursache für Belastungen. Fast die Hälfte sieht Burnout als ernstes Problem – und rechnet mit einer weiteren Verschärfung.
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Dennoch stellen nur rund 51 Prozent der Start-ups finanzielle Mittel für Gesundheitsmaßnahmen bereit.
Neue Berufskrankheit und steigende Fehlzeiten
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Daten des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) für 2023 zeigen: Führungskräfte in der Gesundheits- und Krankenpflege verzeichneten mit 607,1 Burn-out-Fehltagen je 1.000 Mitglieder die höchsten Werte. Zum Vergleich: 2005 lag der Durchschnitt über alle Berufe bei einem Fall je 1.000 Mitglieder – 2023 waren es 7,7 Fälle.
2024 wurden rund 40 Prozent aller Erwerbsminderungsrenten aufgrund psychischer Störungen bewilligt.
Eine wesentliche Änderung beschloss das Bundeskabinett Ende Mai 2026: Parkinson wird unter bestimmten Voraussetzungen als Berufskrankheit anerkannt. Betroffen sind Personen in der Land- und Forstwirtschaft sowie im Gartenbau, die über lange Zeit Pestiziden ausgesetzt waren. Die Bundesregierung stellt für 2025 und 2026 insgesamt 20 Millionen Euro Steuergelder zur Unterstützung der Landwirtschaftlichen Sozialversicherung bereit. Die Verordnung bedarf noch der Zustimmung des Bundesrates.
