Studie warnt vor sich verschĂ€rfendem Personalmangel im ĂPNV
21.04.2024 - 14:14:09Vier von zehn Bus- und StraĂenbahnfahrern in Deutschland sind Ă€lter als 55 und gehen in den nĂ€chsten Jahren in Rente. Das geht aus einer jĂŒngst veröffentlichten Studie des Kompetenzzentrums FachkrĂ€ftesicherung (Kofa) des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) hervor. "Mehr als 54 500 Bus- und StraĂenbahnfahrer verlassen in absehbarer Zeit den Arbeitsmarkt. In keinem anderen Berufsfeld ist der Anteil der BeschĂ€ftigten, die kurz vor dem Ruhestand stehen, so groĂ", sagte Studienautor Jurek Tiedemann.
Im vergangenen Jahr verzeichnete die Berufsgruppe der Bus- und StraĂenbahnfahrer demnach verhĂ€ltnismĂ€Ăig den stĂ€rksten Anstieg beim FachkrĂ€ftemangel. 3594 Stellen konnten nicht mit passend qualifizierten Kandidaten besetzt werden, das waren 89 Prozent mehr als im Vorjahr. Dies ist laut Tiedemann auf einen erhöhten Personalbedarf infolge der MobilitĂ€tswende zurĂŒckzufĂŒhren. Deutschlandweit gibt es aktuell rund 137 314 sozialversicherungspflichtig BeschĂ€ftigte, die als Bus- und StraĂenbahnfahrer arbeiten.
Weil viele BeschĂ€ftigte aus geburtenstarken JahrgĂ€ngen ausscheiden, erwarten die Experten in den kommenden Jahren eine insgesamt steigende FachkrĂ€ftelĂŒcke. Jeder vierte BeschĂ€ftigte in Deutschland wird der Studie zufolge in den nĂ€chsten zehn Jahren aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden, darunter fallen 4,5 Millionen FachkrĂ€fte mit abgeschlossener Berufsausbildung.
"Das Problem ist: Es rĂŒcken deutlich weniger junge BeschĂ€ftigte nach, als Ă€ltere in Rente gehen", sagte Tiedemann. VerhĂ€ltnismĂ€Ăig am stĂ€rksten betroffen ist der Berufsbereich Verkehr, Logistik, Schutz und Sicherheit (29,1 Prozent aller BeschĂ€ftigten), in absoluten Zahlen der Bereich Rohstoffgewinnung, Produktion und Fertigung: Hier gehen mehr als 1,3 Millionen qualifizierte ArbeitskrĂ€fte in Rente.
Die Studienautoren empfehlen verschiedene MaĂnahmen gegen FachkrĂ€ftemangel. Arbeitgeber sollten Ă€ltere Menschen bei Stellenausschreibungen gezielter ansprechen. AuĂerdem sei es sinnvoll, mit einer altersgerechten Arbeitsgestaltung Anreize zu setzen, um BeschĂ€ftigte lĂ€nger in BeschĂ€ftigung zu halten - sei es durch einen ergonomischen Arbeitsplatz, Angebote im Gesundheitsmanagement, flexible Arbeitszeiten und Homeoffice-Möglichkeiten. Der Anteil der ErwerbstĂ€tigen zwischen 55 und 64 ist zuletzt gestiegen. Im Jahr 2023 lag er bei 57 Prozent, 2013 waren es 43 Prozent.

