ROUNDUP, Iran

Iran greift Israel mit Raketen an

01.10.2024 - 19:36:34

Der Iran hat einen Raketenangriff auf Israel gestartet.

Die Revolutionsgarden, Irans Elitestreitmacht, feuerten nach eigenen Angaben Dutzende Raketen auf Israel ab. Der Angriff sei eine Vergeltung fĂŒr die Tötung von Hamas-Auslandschef Ismail Hanija, Hisbollah-GeneralsekretĂ€r Hassan Nasrallah sowie eines iranischen Generals, hieß es im Staatsfernsehen. Eine Korrespondentin der Deutschen Presse-Agentur berichtete, in Tel Aviv seien starke Explosionen zu hören.

Die LuftstreitkrÀfte der Revolutionsgarden zielten nach eigener Darstellung auf wichtige militÀrische Ziele. Gleichzeitig drohten die RevolutionswÀchter mit weiteren, "vernichtenden und zerstörerischen Angriffen", sollte Israel auf den iranischen Schlag reagieren.

Der israelische Rettungsdienst Magen David Adom teilte laut "Times of Israel" mit, zwei Menschen seien durch Granatsplitter leicht verletzt worden.

Mehrere andere wurden demnach wegen leichter Verletzungen nach einem Sturz oder wegen akuter AngstzustÀnde behandelt.

US-Regierung warnte vor unmittelbar bevorstehendem Angriff

Davor hatte die US-Regierung vor einem "unmittelbar bevorstehenden" Raketenangriff des Irans auf Israel gewarnt. Ein solcher direkter Angriff werde schwerwiegende Folgen fĂŒr den Iran haben, heißt es in einer Mitteilung eines Regierungsvertreters, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Nach der Warnung vor dem Raketenangriff hatten die israelischen Behörden die Menschen im Großraum Tel Aviv angewiesen, in der NĂ€he von SchutzrĂ€umen zu bleiben.

Der iranische Angriff könne groß angelegt sein, warnte Armeesprecher Daniel Hagari noch vor dem Angriff. Die Luftabwehrsysteme seien vollstĂ€ndig vorbereitet und Flugzeuge der israelischen Luftwaffe patrouillierten am Himmel. Verteidigungsminister Joav Galant hatte am Abend mit Generalstabschef Herzi Halevi und hochrangigen Beamten ĂŒber die Lage beraten.

Schon im April hatten Irans Revolutionsgarden (IRGC) zum ersten Mal in der Geschichte der Islamischen Republik einen direkten Angriff auf Israel ausgefĂŒhrt. Dabei feuerten die IRGC-LuftstreitkrĂ€fte mehr als 300 Drohnen, Raketen und Marschflugkörper auf ihren Erzfeind. Der Angriff wurde erfolgreich abgewehrt. Der Iran reagierte damit auf die Tötung hochrangiger GenerĂ€le, die davor bei einem mutmaßlich israelischen Angriff in Syrien getötet worden waren.

Zuletzt erhebliche SchwĂ€chung von Irans VerbĂŒndeten

Israels MilitĂ€r und Geheimdienste hatten zuletzt Irans VerbĂŒndete in der Region erheblich geschwĂ€cht. Ende Juli wurde der Auslandschef der islamistischen Hamas in Teheran getötet. Irans StaatsfĂŒhrung schwor daraufhin Rache. Am vergangenen Freitag wurde mit Nasrallah, dem Chef der libanesischen Schiitenorganisation Hisbollah, ein weiterer und zentraler VerbĂŒndeter Teherans getötet. Zuvor hatten explodierende FunkempfĂ€nger, sogenannte Pager, Hunderte Hisbollah-FunktionĂ€re verletzt und etliche auch getötet. Es war seither unklar, ob und wie Irans militĂ€rische FĂŒhrung darauf reagiert.

Am Dienstag kam ein weiterer Schritt des israelischen MilitĂ€rs hinzu: Erstmals seit fast zwei Jahrzehnten drangen israelische Bodentruppen wieder in den Libanon ein. Rund ein Jahr nach Beginn des Gaza-Kriegs verlagerte sich damit der Schwerpunkt der KĂ€mpfe in Richtung des nördlichen Nachbarlandes. Die Armee sprach von "begrenzten" Angriffen in GrenznĂ€he auf Ziele der schiitischen Hisbollah, die eng mit dem Iran verbĂŒndet ist.

Seit der Revolution von 1979 gelten die USA und Israel als Erzfeinde der Islamischen Republik. Mit Ausbruch des Gaza-Kriegs vor knapp einem Jahr drohte mehrfach, dass sich der Schattenkonflikt zu einem FlÀchenbrand entwickelt. Irans Revolutionsgarden sind die Elitestreitmacht des Landes und gelten als deutlich schlagkrÀftiger als die regulÀre Armee.

@ dpa.de