Deutschland, Arbeitsmarkt

Zuwanderungsgesetz: GedÀmpfte Erwartungen

06.08.2023 - 06:33:46

Die Koalition hat die HĂŒrden bei der FachkrĂ€fteeinwanderung gesenkt. Doch wie schnell können die Schritte in den Unternehmen helfen? Arbeitgeber und Gewerkschaften halten weitere Schritte fĂŒr nötig.

Arbeitgeber und Gewerkschaften erwarten keine schnelle Abhilfe des FachkrĂ€ftemangels in Deutschland durch das neue Gesetz zur FachkrĂ€ftezuwanderung. «Das FachkrĂ€ftezuwanderungsgesetz ist ein Schritt in die richtige Richtung. Es muss aber noch viel mehr getan werden», sagte ArbeitgeberprĂ€sident Rainer Dulger der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Yasmin Fahimi, Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), sagte, die Erleichterung von Zuwanderung sei richtig. «Allerdings wird es noch einige Jahre dauern, bis wir dadurch spĂŒrbar qualifizierte Zuwanderung erfahren.»

Dulger erinnerte an die Barrieren fĂŒr FachkrĂ€fte aus dem Ausland in Deutschland, etwa bei der Sprache. «Es gibt oft Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche und bei der Kinderbetreuung», sagte er. «In LĂ€ndern wie Kanada wird auch eine viel offenere BegrĂŒĂŸungskultur gelebt.» In vielen LĂ€ndern könnten auslĂ€ndische FachkrĂ€fte einen Großteil ihrer AntrĂ€ge und Dokumente digital noch vor der Einreise einreichen - inklusive schneller Bearbeitung. «Bei uns wird viel geredet und angekĂŒndigt - aber kaum etwas umgesetzt.»

«Kurzfristig mĂŒssen andere Maßnahmen greifen»

Das im Juni beschlossene FachkrĂ€ftezuwanderungsgesetz sieht unter anderem eine sogenannten Chancenkarte auf Basis eines Punktesystems vor. Zu den Auswahlkriterien gehören Sprachkenntnisse, Berufserfahrung, Alter und Deutschlandbezug. Außerdem sollen vor allem IT-FachkrĂ€fte auch dann kommen dĂŒrfen, wenn sie zwar keinen Hochschulabschluss haben, aber bestimmte Qualifikationen.

Fahimi sagte: «Kurzfristig mĂŒssen andere Maßnahmen greifen.» So mĂŒssten diejenigen, die schon zugewandert seien, besser in den regulĂ€ren Arbeitsmarkt integriert werden. «Gut und richtig ist es, dass jetzt auch die Möglichkeit des Spurwechsels eingerĂ€umt wurde.» Vorgesehen ist hier, dass Asylbewerber, die vor dem 29. MĂ€rz 2023 eingereist sind und eine Qualifikation sowie ein Jobangebot haben, eine Aufenthaltserlaubnis als Fachkraft beantragen können. Bisher musste man dafĂŒr ausreisen und sich vom Ausland aus um ein Arbeitsvisum bemĂŒhen. Nun muss nur der Asylantrag zurĂŒckgenommen werden.

Defizite im Bildungsbereich

Dulger und Fahimi pochten auch auf mehr Anstrengungen zur Ausbildung inlĂ€ndischer FachkrĂ€fte. «Es geht unter anderem darum, Menschen wieder in Arbeit zu bringen. Das heißt auch bessere Bildung. Jeder Jugendliche, der ohne Abschluss die Schule verlĂ€sst, ist einer zu viel», sagte Dulger. Fahimi betonte: «Wir haben inzwischen mehr als 2,6 Millionen junge Erwachsene ohne Berufsabschluss, die dringend qualifiziert werden mĂŒssen.»

Zudem gebe es ein viel zu geringes durchschnittliches Arbeitszeitvolumen von Frauen - auch wegen mangelnder Infrastruktur fĂŒr Kinderbetreuung, so die Gewerkschafterin. Auch Dulger hĂ€lt nach seinen Worten mehr Ganztagsschulen und Kitas fĂŒr nötig, «damit mehr BeschĂ€ftigte Vollzeit arbeiten können».

Dulger sieht zudem «eine große Chance» bei der Überwindung des FachkrĂ€ftemangels in der Digitalisierung, wie der ArbeitgeberprĂ€sident sagte. «Viele Fleiß- und Routinearbeiten sollten wir zukĂŒnftig von KI-Systemen erledigen lassen», sagte er mit Blick auf die Entwicklung der KĂŒnstlichen Intelligenz. «Im Idealfall können wir etwa Dienstleistungen und AblĂ€ufe in der Verwaltung standardisieren und automatisieren.» Das entlaste die BeschĂ€ftigten und mache die Behörden digitaler und schneller.

@ dpa.de

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