Elektrosicherheit, Prüfnormen

Elektrosicherheit: Neue Prüfnormen für Industriebetriebe ab Juli

04.07.2026 - 17:43:06 | boerse-global.de

Aktualisierte Vorschriften und digitale Lösungen prägen die Elektrosicherheit. Betriebe müssen Prüfabläufe anpassen und neue Risiken managen.

Neue Prüfgrundlagen: Elektrosicherheit in Industrie und Handwerk
Elektrosicherheit - Nahaufnahme der Hände eines Elektrotechnikers, der mit einem Multimeter eine Sicherheitsprüfung an einem Schaltschrank durchführt. 04.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Anfang Juli veröffentlichten mehrere Institutionen detaillierte Prüfgrundlagen und technologische Neuerungen zur Umsetzung der DGUV Vorschrift 3 und relevanter VDE-Normen. Experten mahnen zur Sorgfalt – trotz wachsendem Reformdruck.

Strukturierte Prüfabläufe für mobile Geräte

Am 4. Juli legte Rahn-Elektrotechnik eine Zusammenfassung der geltenden Prüfgrundlagen für elektrische Betriebsmittel vor. Im Zentrum stehen die DGUV Vorschrift 3 und die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV). Für Reparaturprüfungen gilt die Norm DIN EN 50678 (VDE 0701), für regelmäßige Wiederholungsprüfungen die DIN EN 50699 (VDE 0702).

Der vorgeschriebene Prüfablauf gliedert sich in mehrere Phasen: Sichtprüfung auf äußere Mängel, messtechnische Erfassung von Schutzleiterwiderstand, Isolationswiderstand und Ableitstrom. Den Abschluss bilden Funktionsprüfung und rechtssichere Dokumentation. Die konkreten Prüffristen müssen Betriebe individuell per Gefährdungsbeurteilung festlegen.

Besonderheiten bei festen Anlagen und Maschinen

Die e-safety24 GmbH konkretisierte am 2. Juli die Anforderungen an ortsfeste elektrische Anlagen und Maschinen. Während die Prüfung meist im laufenden Betrieb möglich ist, erfordern Maschinen zusätzliche Sicherheitsbetrachtungen nach DIN EN 60204-1.

Im Fokus stehen sicherheitsrelevante Funktionen wie Not-Halt-Einrichtungen, Schutztürüberwachungen und Lichtgitter. Der Prozess umfasst zudem die Sichtung vorhandener Unterlagen, Messungen der Schutzleiterdurchgängigkeit und Schleifenimpedanz sowie die Prüfung von Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCD).

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Digitale Lösungen und politische Debatten

Die Digitalisierung der Prüfprozesse schreitet voran. Wosatec stellte am 3. Juli eine neue digitale Prüflizenz für Flurförderzeuge vor. Sie unterstützt Prüfungen nach DGUV Vorschrift 68 und FEM 4.004. Über eine Web-App mit QR-Code-Identifikation können Berichte für verschiedene Fahrzeugtypen – von manuellen Mitgängern bis zu autonomen Transportsystemen (AMR) – auch offline erstellt werden.

Auf politischer Ebene sorgt die Reformagenda der Bundesregierung für Diskussionen. Der TÜV-Verband begrüßte am 3. Juli grundsätzlich das Ziel des Bürokratieabbaus, warnte jedoch vor einer Schwächung bewährter Sicherheitsprüfungen. „Innovationen wie KI und autonomes Fahren müssen gefördert werden, ohne Sicherheit gegen Effizienz auszuspielen“, sagte Geschäftsführer Joachim Bühler. Weniger Bürokratie sei erstrebenswert, ein Abbau von Sicherheitsstandards jedoch ein Risiko.

Technologische Prävention und Cybersicherheit

Neben regulatorischen Prüfungen gewinnen technische Lösungen zur Gefahrenvermeidung an Bedeutung. CBS ArcSafe präsentierte am 3. Juli ein Fernschaltkit für ABB-Leistungsschalter. Es ermöglicht Schaltvorgänge aus bis zu 15 Metern Distanz und schützt Personal vor möglichen Störlichtbögen.

Gleichzeitig weisen Sicherheitsanalysen von Team82 (Claroty) auf neue Risiken hin. In Geräten wie unterbrechungsfreien Stromversorgungen (USV) und Klimareglern wurden Schwachstellen identifiziert, die theoretisch Betriebsausfälle verursachen könnten. Branchenexperten beziffern die Kosten solcher Stillstände in Rechenzentren auf mehrere hunderttausend Euro pro Stunde.

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Zur Brandprävention durch Elektrizität veröffentlichte die Gartenbau-Versicherung am 2. Juli eine neue Informationsbroschüre. Sie enthält spezifische Checklisten für den Brandschutz, um Betriebe für die Gefahren veralteter oder mangelhafter Elektroinstallationen zu sensibilisieren.

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