Elterngeld-Reform: Kabinett entscheidet am 6. Juli ĂŒber KĂŒrzungen
Veröffentlicht am: 06.06.2026 um 22:40 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Grund ist ein erheblicher Sparzwang im Bundeshaushalt 2027. Finanzminister Christian Klingbeil verlangt vom Familienministerium Einsparungen von rund 500 Millionen Euro.
KĂŒrzere Bezugsdauer, höhere monatliche Zahlungen
Das Elterngeld ist mit rund 7,5 Milliarden Euro der gröĂte Posten im Familienetat. Prien prĂŒft, die maximale Bezugsdauer von derzeit 14 Monaten zu senken. Im Gegenzug soll es höhere monatliche Auszahlungen und eine bessere Lohnersatzrate geben.
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Aktuell betrÀgt die Lohnersatzrate 65 Prozent des Nettoeinkommens. Die monatlichen Zahlungen liegen zwischen 300 und 1.800 Euro. Ziel der Reform: Die Leistung effizienter gestalten, ohne Familien in der Kernbetreuungszeit zu schwÀchen.
Innerhalb der Bundesregierung gibt es Widerstand gegen eine KĂŒrzung der Bezugsdauer fĂŒr MĂŒtter auf unter zwölf Monate. Das Kabinett will am 6. Juli 2026 ĂŒber die PlĂ€ne entscheiden.
VĂ€ter sollen mehr Elternzeit nehmen
Ein zentrales Element ist die Förderung der Partnerschaftlichkeit. Prien möchte, dass VĂ€ter kĂŒnftig einen gröĂeren Anteil der Elternzeit ĂŒbernehmen. Bisher reichen zwei sogenannte Partnermonate fĂŒr den vollen Bezug von 14 Monaten. Das neue Modell sieht vor: VĂ€ter mĂŒssen mehr als zwei Monate nehmen, damit der volle Leistungsanspruch erhalten bleibt.
Das entspricht dem Koalitionsvertrag, der eine gerechtere Verteilung der Sorgearbeit vorsieht. In der Debatte wird zudem diskutiert, die Einkommensgrenze von 175.000 Euro fĂŒr den Elterngeldbezug weiter zu senken. Kritiker verweisen auf die Geschichte der Leistung: Sie löste 2007 das Erziehungsgeld ab und gilt seither als UnterstĂŒtzung fĂŒr die Mittelschicht.
SparplÀne betreffen auch BAföG-Reform
Der Sparkurs im Familienressort betrifft auch andere Vorhaben. Die geplante BAföG-Reform steht unter Finanzierungsvorbehalt. Forschungsministerin Dorothee BĂ€r (CSU) hatte angekĂŒndigt, den Wohnkostenzuschuss von 380 auf 440 Euro und den Höchstsatz auf 1.100 Euro anheben zu wollen. Die dafĂŒr nötigen Mittel von rund einer Milliarde Euro sind aber noch nicht gesichert.
In der Union gibt es unterschiedliche Ideen zur Gegenfinanzierung. JU-Chef Johannes Winkel schlug Anfang Juni vor, die geplante Rentenerhöhung von 4,2 auf 3 Prozent zu begrenzen. Die freiwerdenden fĂŒnf Milliarden Euro könnten Elterngeld und BAföG-Reform sichern. Andere Teile der Unionsfraktion sehen das anders.
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SozialverbĂ€nde und Ăkonomen kritisieren PlĂ€ne
Der Familienbund der Katholiken fordert, das Mindestelterngeld von 300 auf 500 Euro anzuheben. Das wĂŒrde einkommensschwache Familien besser schĂŒtzen. Experten des Deutschen Instituts fĂŒr Wirtschaftsforschung warnen: KĂŒrzungen bei Sozialleistungen könnten die Nachfrage in der wirtschaftlichen SchwĂ€chephase dĂ€mpfen.
Parallel dazu brachten 23 Ăkonomen und ehemalige Verfassungsrichterinnen eine Reform des Ehegattensplittings ins GesprĂ€ch. Ihr Vorschlag: Steuervorteile fĂŒr Einverdienerehen abbauen und die Mehreinnahmen gezielt an Familien und Alleinerziehende weiterleiten.
