Energieeffizienzgesetz, Kabinett

Energieeffizienzgesetz: Kabinett lockert Vorgaben, spart 3 Mrd. Euro

26.06.2026 - 01:06:46 | boerse-global.de

Trotz gelockerter Energieauflagen bleibt die Sanierungsquote niedrig. Die ESG-CapEx-Quote wird zum zentralen Indikator für nachhaltige Investitionen.

Immobilien-Sanierungsstau: ESG-Quote als neuer Gradmesser für Investoren
Energieeffizienzgesetz - Nahaufnahme einer modernen, energieeffizienten Gebäudefassade mit vertikalen Gärten und Begrünung, die nachhaltige Immobilieninvestitionen symbolisiert. 26.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Während die Bundesregierung kurzfristige Entlastungen für Unternehmen beschließt, zeigen aktuelle Marktdaten einen erheblichen Rückstand bei den notwendigen Sanierungsraten. Die ESG-CapEx-Quote rückt dabei als zentrale Kennzahl für Investoren und Regulatoren in den Fokus.

Regierung lockert Energieeffizienz-Vorgaben

Das Bundeskabinett hat am 25. Juni eine umfassende Novelle des Energieeffizienzgesetzes (EnEfG) beschlossen. Kern der Reform: Die Pflicht zur Einführung von Energie- oder Umweltmanagementsystemen greift künftig erst ab einem jährlichen Energieverbrauch von 23,6 Gigawattstunden (GWh) – bisher lag die Schwelle bei 7,5 GWh.

Durch die Anpassung an europäische Mindeststandards und den Wegfall bestimmter Abwärmenutzungspflichten soll die Wirtschaft um mehr als drei Milliarden Euro entlastet werden. Doch Branchenexperten warnen: Deutschland muss bis 2030 kumulierte Endenergieeinsparungen von 137,5 Millionen Tonnen Öläquivalent erreichen. Die bisherigen Maßnahmen weisen eine Lücke von rund 21 Millionen Tonnen auf.

Parallel dazu debattierte der Bundestag über eine Überarbeitung des Baugesetzbuchs. Ziel: Verfahren für den Wohnungsbau beschleunigen und Städte durch verstärkte Begrünung besser gegen Hitze wappnen. Bauministerin Hubertz bezeichnete begrünte Dächer und Bäume als unverzichtbare Standards für künftige Genehmigungsverfahren.

ESG-CapEx-Quote wird zum Gradmesser

Um die Fortschritte bei der Dekarbonisierung messbar zu machen, gewinnt die ESG-CapEx-Quote an Bedeutung. Sie setzt die nachhaltigen Investitionsausgaben ins Verhältnis zu den Gesamtausgaben. Im Rahmen der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) ist der EU-Taxonomie-CapEx-KPI eine Pflichtangabe.

Ein Rechenbeispiel aus der Branche verdeutlicht die Dimension: Erreicht ein Unternehmen bei einer Gesamt-CapEx von 15 Millionen Euro einen taxonomiekonformen Anteil von 8,5 Millionen Euro, entspricht dies einer Quote von 56,7 Prozent. Neben der EU-Taxonomie etablieren sich freiwillige Marktstandards wie die Sustainability-CapEx der EPRA oder interne „Manage-to-Green“-Quoten.

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Sanierungsstau: Milliardenrisiko für Eigentümer

Trotz der regulatorischen Anpassungen bleibt das Tempo der energetischen Erneuerung hinter den Klimazielen zurück. Die Sanierungsquote für Wohngebäude liegt bei lediglich 0,67 Prozent – nachdem sie in den Vorjahren kontinuierlich gesunken ist (2022: 0,88 Prozent). Für das Erreichen der Klimaziele bis 2045 wird ein Investitionsbedarf von insgesamt 3,6 Billionen Euro veranschlagt.

Unterlassene Investitionen führen zunehmend zu Marktwertverlusten. Branchenanalysen beziffern das Risiko für Büroflächen in den sieben größten deutschen Städten auf bis zu 303 Milliarden Euro. Der sogenannte „Brown Discount“ für energetisch minderwertige Immobilien kann laut RICS-Einschätzungen zwischen 10 und 45 Prozent liegen. Zur präziseren Risikobewertung hat der Standard CRREM im Juli 2025 das bisherige „Stranding Year“ durch das „CRREM Misalignment Year“ ersetzt.

Erste Unternehmen reagieren auf Druck

Einige Marktteilnehmer haben bereits auf die steigenden Transparenzanforderungen reagiert. Das Unternehmen DEMIRE gab bekannt, die ESG-Datenerhebung im Jahr 2025 auf nahezu das gesamte Portfolio ausgeweitet zu haben. In der Folge sank die Emissionsintensität um 2,6 Prozent.

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Zur Finanzierung notwendiger Maßnahmen greifen Akteure vermehrt auf den Kapitalmarkt. Edmond de Rothschild Real Estate Sicav plant eine Kapitalerhöhung von rund 410 Millionen Schweizer Franken für den Fonds Erres. Die Mittel sollen unter anderem für Renovations- und Verdichtungsprojekte in Genf, Zürich und Winterthur sowie für den Schuldenabbau verwendet werden.

Unterstützung kommt teilweise noch vom Staat: Die Bundesregierung verlängerte die Förderung für das „Effizienzhaus 55-Plus“ bis Ende 2026. Bis Mitte Juni wurden über dieses Programm bereits rund 33.700 Wohneinheiten mit einem Volumen von 3,2 Milliarden Euro gefördert.

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