Fachkräftemangel: 6,5 Millionen verlassen bis 2030 den Arbeitsmarkt
Veröffentlicht: 18.07.2026 um 02:09 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Bis 2030 verlassen rund 6,5 Millionen Menschen den Arbeitsmarkt. Unternehmen setzen daher auf neue Strategien zur Mitarbeiterbindung und technologische Lösungen.
Regionale Engpässe spitzen sich zu
Die Personallücke trifft Regionen unterschiedlich hart. Für Schleswig-Holstein prognostizieren Berichte ein Defizit von über 100.000 Fachkräften bis 2035. Grund: Rund 335.000 Beschäftigte gehen in diesem Zeitraum in Rente.
Ähnlich dramatisch ist die Lage in der Region Main-Rhön. Die zuständige Agentur für Arbeit rechnet damit, dass in den kommenden fünf Jahren rund 90.000 Erwerbstätige ausscheiden. Nur etwa 70.000 Nachwuchskräfte rücken nach.
In der IT-Branche entspannt sich die Situation leicht. Die Zahl unbesetzter Stellen sank geringfügig. Experten führen das jedoch auf konjunkturellen Druck und verschobene Projekte zurück. Gefragt sind vor allem Fachkräfte, die technisches Know-how mit Geschäftsverständnis verbinden.
Die 34-Stunden-Woche kommt
Unternehmen reagieren mit flexiblen Arbeitsmodellen. Der italienische Klimatechnik-Hersteller Galletti führte für seine rund 250 Beschäftigten eine 34-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich ein. Dazu gibt es höhere Sozialleistungen und Ergebnisprämien.
Auch die Mitarbeiterbindung wird methodischer. Mitte Juli erschien das Fachbuch „Mitarbeiterbindung“ von Gunther Wolf. Es stellt Analyse-Tools und Kennzahlen-Systeme zur Reduzierung von Fluktuation vor. Unternehmensberater betonen: Der Fachkräftemangel lässt sich nicht allein durch Rekrutierung lösen. Entscheidend ist, bestehende Leistungsträger zu halten.
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AzubiTech boomed – aber viele Plätze bleiben leer
Der Markt für Ausbildungstechnologie wächst rasant. Zwischen 2023 und 2026 stieg die Zahl der Anbieter von 91 auf 194. Trotzdem bleiben jährlich rund 54.000 Ausbildungsplätze unbesetzt. Die Abbruchquote liegt bei etwa 25 Prozent.
Ein Azubi-Report für 2025/26 zeigt, was jungen Menschen wichtig ist: Für 75 Prozent hat ein sicherer Arbeitsplatz oberste Priorität. 70 Prozent nennen eine ausgewogene Work-Life-Balance als entscheidend.
Personalaustausch in der Industrie
In Friedrichshafen erproben Unternehmen neue Wege. Ein Tarifvertrag ermöglicht den Wechsel von Beschäftigten zwischen Firmen. Während der Automobilzulieferer ZF Stellen abbaut, besetzt Rolls-Royce Power Systems am selben Standort zahlreiche Positionen neu.
Auch Rüstungs- und Verteidigungstechnik-Unternehmen wie Thales Deutschland und Hensoldt planen umfangreiche Neueinstellungen. Sie nutzen Synergien mit Partnern aus der Automobilindustrie.
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Regulierung wird zum Treiber
Der EU AI Act stuft KI im Personalwesen – etwa beim Recruiting oder der Leistungsbewertung – als Hochrisiko-Anwendung ein. Geschäftsführer von Beratungsunternehmen sehen darin eine dringende Managementaufgabe. Gefordert sind Transparenz und neue Governance-Strukturen.
Die CSRD-Richtlinie verlangt detaillierte Berichte über Arbeitsbedingungen und Gesundheitsschutz. Betriebliche Krankenversicherungen liefern hier prüfungsrelevante Kennzahlen. Organisationen wie Great Place To Work Österreich fordern daher eine stärkere strategische Einbindung der Personalabteilungen.
Arbeitsrecht vor Reform
Juristen einer internationalen Kanzlei analysierten Mitte Juli geplante Reformen. Diese könnten Änderungen bei der Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag vorsehen. Auch erweiterte Möglichkeiten für sachgrundlose Befristungen stehen im Raum. Die Mitbestimmungsrechte der Betriebsräte dürften dabei eine zentrale Rolle spielen.
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