Informationsfreiheit: 115 VerbÀnde warnen vor Gesetzesabschaffung
Veröffentlicht: 10.07.2026 um 01:30 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Sowohl in der Regierungskoalition als auch bei MedienverbÀnden und in der Zivilgesellschaft regt sich heftige Kritik an den geplanten EinschrÀnkungen.
Der Koalitionsausschuss hatte die Ănderungen am 2. Juli empfohlen. Kernpunkt: Das bisherige âJedermannsrechtâ auf Auskunft soll an ein berechtigtes Interesse geknĂŒpft werden. Zudem sollen kĂŒnftig nur noch natĂŒrliche Personen Auskunft verlangen können â NGOs wĂ€ren faktisch ausgeschlossen.
Höhere HĂŒrden, höhere Kosten
Der MaĂnahmenkatalog sieht mehrere tiefgreifende Ănderungen vor. Neben dem Interessensnachweis wird geprĂŒft, den Zugang auf deutsche oder EU-BĂŒrger zu beschrĂ€nken. Die bisherige GebĂŒhrenobergrenze von 500 Euro soll fallen â stattdessen gilt kĂŒnftig das Kostendeckungsprinzip.
Auch routinemĂ€Ăige SchwĂ€rzungen von Namen und neue Bereichsausnahmen sind geplant. Die Union begrĂŒndet die Reform mit einer massiven Zunahme der Anfragen und hohen Verwaltungskosten. SPD-Innenpolitiker verweisen auf Sicherheitsbedenken und mögliche Spionagegefahr durch missbrĂ€uchliche Abfragen.
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SPD-Fraktion und Justizministerin bremsen
Trotz des Koalitionsbeschlusses regt sich innerhalb der SPD deutlicher Unmut. In einem Positionspapier vom 8. Juli lehnte die Fraktion eine Reduzierung des Transparenzniveaus ab. Digitalexperten der Partei warnen vor einer De-facto-Abschaffung des Gesetzes. Sie fordern stattdessen eine Digitalisierung der Bearbeitungsprozesse.
Bundesjustizministerin Hubig kĂŒndigte am selben Tag eine kritische PrĂŒfung der PlĂ€ne an. Sie betonte die fundamentale Bedeutung des IFG fĂŒr Demokratie und Medienarbeit. Ein GesprĂ€ch mit dem Bundesinnenminister stehe noch aus.
VerbÀnde schlagen Alarm
Gegen die Reform hat sich ein breites BĂŒndnis formiert. In einem offenen Brief vom 8. Juli forderten mehr als 115 Organisationen die RĂŒcknahme der PlĂ€ne â darunter der BDZV, der Medienverband der freien Presse und Human Rights Watch. Sie sprechen von einem Angriff auf die Pressefreiheit und einem massiven demokratischen RĂŒckschritt.
Branchenvertreter erinnern daran, dass das IFG in der Vergangenheit entscheidend zur Aufdeckung politischer Skandale beigetragen hat â von der MaskenaffĂ€re bis zu UnregelmĂ€Ăigkeiten bei Maut-Projekten. Eine BeschrĂ€nkung auf natĂŒrliche Personen wĂŒrde investigative Arbeit von VerbĂ€nden und Redaktionen erheblich erschweren.
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Die Proteste bekommen RĂŒckenwind: Eine Online-Petition sammelte bis zum 9. Juli mehr als 440.000 Unterschriften. FragDenStaat, das ein internes Papier zu den ReformplĂ€nen veröffentlicht hatte, spricht vom schwersten Angriff auf die staatliche Transparenz seit EinfĂŒhrung des Gesetzes. Ein konkreter Gesetzentwurf der Bundesregierung wird bis Jahresende erwartet.
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