ROUNDUPMeloni, EuGH

Urteil schwÀcht Asylpolitik

01.08.2025 - 18:20:15

Italiens MinisterprÀsidentin Giorgia Meloni hat das Urteil des EuropÀischen Gerichtshofs (EuGH) zur Einstufung sicherer HerkunftslÀnder kritisiert.

Die Entscheidung sei ĂŒberraschend und schrĂ€nke den ohnehin begrenzten Handlungsspielraum der Regierungen weiter ein, teilte sie mit. "Dies ist ein Schritt, der alle beunruhigen sollte."

"Die Entscheidung des Gerichtshofs schwĂ€cht die Politik zur BekĂ€mpfung der illegalen Masseneinwanderung und zum Schutz der nationalen Grenzen", sagte die Chefin der rechten Regierungspartei Fratelli d'Italia (BrĂŒder Italiens).

In dem Verfahren ging es um das "Albanien-Modell", ein Prestigeprojekt der rechten Dreier-Koalition Melonis. Dabei sollen AsylantrĂ€ge mĂ€nnlicher Migranten aus sicheren HerkunftslĂ€ndern, die im Mittelmeer aufgegriffen wurden, in Lagern auf albanischem Boden in Schnellverfahren geprĂŒft werden. DafĂŒr wurde ein bilaterales Abkommen mit Albanien geschlossen. Voraussetzung ist die Einstufung bestimmter Staaten als "sicher". Nach RĂŒckschlĂ€gen vor italienischen Gerichten hatte die Regierung in Rom per Erlass beschlossen, kĂŒnftig auch abgelehnte Asylbewerber in die albanischen Lager zu ĂŒberstellen.

Das EuGH entschied nun, dass EU-LĂ€nder solche Listen nur dann selbst erstellen dĂŒrfen, wenn sie die Quellen fĂŒr ihre EinschĂ€tzung offenlegen. Zudem mĂŒsse die gesamte Bevölkerung in dem Land sicher sein, entschieden die Richterinnen und Richter in Luxemburg.

Meloni: UnzulÀssige Einmischung der Justiz

Meloni kritisierte die Entscheidung als Einmischung der Gerichte in politische Angelegenheiten. Die Justiz - diesmal die europĂ€ische - beanspruche ZustĂ€ndigkeiten, "die ihr nicht zustehen, wĂ€hrend die Verantwortung bei der Politik liegt", teilte sie mit. Demnach gibt das Urteil EinschĂ€tzungen einzelner nationaler Richter, die sich auch auf private Quellen stĂŒtzen könnten, Vorrang vor der Bewertung durch Fachministerien und Parlament.

Kritisch sieht Rom auch den Zeitpunkt der Gerichtsentscheidung. Das Urteil ergeht wenige Monate vor Inkrafttreten eines neuen EU-Migrationspakts, der strengere Regeln fĂŒr den Umgang mit sicheren HerkunftslĂ€ndern vorsieht. Die Regierung kĂŒndigte an, bis dahin alle möglichen technischen und rechtlichen Lösungen zu suchen, "um die Sicherheit der BĂŒrger zu gewĂ€hrleisten".

Opposition: Kritik an Meloni

Italiens Ex-MinisterprĂ€sident Giuseppe Conte kritisierte die Regierungschefin auf Facebook. Melonis Empörung sei "leere Propaganda" und eine "falsche Opferrolle". Das EuGH-Urteil sei zu erwarten gewesen, Melonis Reaktion hingegen eine "Blamage". Die sozialdemokratische OppositionsfĂŒhrerin Elly Schlein warf der Regierung vor, eine "illegale Entscheidung getroffen" zu haben, fĂŒr die sie nun Verantwortung ĂŒbernehmen mĂŒsse.

@ dpa.de