KI-Kompetenz, Training

KI-Kompetenz: 55% nutzen Tools, aber nur 33% bekommen Training

Veröffentlicht am: 29.07.2026 um 04:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ab August 2026 verlangt der EU AI Act KI-Kompetenz von Unternehmen. Viele Mitarbeiter nutzen KI, doch Schulungsangebote bleiben oft aus.

EU AI Act ab August: Firmen müssen KI-Kompetenz nachweisen
Büro-Team bei der digitalen Zusammenarbeit an einem interaktiven Bildschirm mit Datenvisualisierungen zur KI-Kompetenz. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Ab dem 2. August 2026 treten zentrale Teile des EU AI Act in Kraft. Unternehmen müssen dann die KI-Kompetenz ihrer Mitarbeiter sicherstellen. Doch die Realität sieht anders aus.

Pflicht zur Weiterbildung – aber kaum Angebote

Der EU AI Act verlangt von Firmen, den verantwortungsvollen Umgang mit KI-Systemen organisatorisch zu verankern. Neben technischen und ethischen Anforderungen geht es explizit um den Aufbau von Kompetenzen bei den Beschäftigten. Spezialisierte Lernangebote entstehen bereits – etwa Kooperationen zwischen Forschungsinstituten und Bildungsanbietern.

Die Personalabteilungen erkennen die strategische Relevanz. Laut einer Studie der Cegos-Gruppe vom Januar 2026 betrachten 91 Prozent der HR-Verantwortlichen die Kompetenzentwicklung als strategisches Kernthema. 68 Prozent sehen KI als wichtigsten Treiber des Wandels. Doch 41 Prozent geben zu: Die Trainingsmaßnahmen kamen zu spät.

Nutzung boomt, Training hinkt hinterher

Eine Analyse des Conference Board vom 28. Juli 2026 zeigt die Diskrepanz: 55 Prozent der Angestellten nutzen regelmäßig KI-Werkzeuge. Nur 33 Prozent erhielten in den letzten sechs Monaten eine Schulung durch ihren Arbeitgeber. 28 Prozent bekamen gar kein KI-Training.

Ähnliche Zahlen liefert die Boston Consulting Group. 47 Prozent der Befragten verbringen mehr Zeit mit dem Management von KI-Prozessen als mit ihrer Kernarbeit. 42 Prozent sparen mindestens einen Arbeitstag pro Woche durch KI. Doch 66 Prozent erhalten keine Anleitung, wie sie die gewonnene Zeit nutzen sollen.

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Angst vor dem Jobverlust wächst

Der Qualifizierungsmangel verunsichert die Belegschaft. Laut dem Stepstone Hiring Trends Update vom 28. Juli 2026 befürchten 35 Prozent der Beschäftigten, durch Automatisierung überflüssig zu werden. Bei Berufseinsteigern sind es 49 Prozent.

76 Prozent der Mitarbeitenden spüren einen hohen Druck zur Weiterbildung. 83 Prozent haben sich im vergangenen Jahr eigenständig fortgebildet. Doch nur 40 Prozent der Arbeitgeber bieten nach Einschätzung der Befragten sinnvolle Lernmöglichkeiten an.

Besonders kritisch ist der Bedarf in der Cybersicherheit. Eine ISC2-Studie zeigt: 66 Prozent der deutschen Unternehmen haben ihre Budgets für Sicherheitstrainings erhöht. 43 Prozent der Verantwortlichen nennen KI-Kompetenzen als dringendsten, ungedeckten Schulungsbedarf. Das größte Hindernis? Zeitmangel – 51 Prozent der Firmen geben das an.

Unternehmen stellen anders ein

Die Technologie verändert bereits die Rekrutierung. Zwei Drittel der großen Prüfungsgesellschaften planen, weniger Berufseinsteiger einzustellen. Einfache Tätigkeiten werden zunehmend automatisiert. Die Zahl der Stellenausschreibungen für Junior-Positionen liegt 16 Prozent unter dem üblichen Niveau.

Branchenexperten warnen vor einem Mangel an erfahrenen Fachkräften in den nächsten fünf Jahren. Firmen reagieren mit neuen Programmen: Manche setzen auf Generalisten, andere auf spezialisierte „Ninja-Programme“ oder gemischte Teams aus erfahrenen Kräften und KI-affinen Neueinsteigern.

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Milliarden für KI-Bildung

Der Weiterbildungsmarkt reagiert mit massiven Investitionen. Coursera investiert rund 100 Millionen US-Dollar in das Startup LearnVector des KI-Experten Andrew Ng. Das Unternehmen entwickelt KI-generierte Kurse für Büroberufe. Ng betont: Ziel sei die Steigerung der Produktivität, nicht der Ersatz von Arbeitskräften.

Auch IT-Dienstleister wie Cognizant bauen Kapazitäten aus. In einer Partnerschaft mit dem KI-Entwickler Anthropic wurden bereits über 30.000 Mitarbeitende in neuen Sprachmodellen geschult. Ziel: Prozesse wie Vertragsprüfung oder Risikoanalyse durch KI massiv beschleunigen – und gleichzeitig die Genauigkeit erhöhen.

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