Krankenstand sinkt, Psyche leidet: +9 Prozent mehr Ausfälle
Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 00:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Laut einer DAK-Auswertung für das erste Halbjahr 2026 lag er bei 5,3 Prozent – nach 5,4 Prozent im Vorjahreszeitraum. Die durchschnittlichen Fehltage pro Versichertem sanken von 9,9 auf 9,6 Tage.
Doch der Rückgang hat eine Schattenseite: Psychische Erkrankungen legten um neun Prozent zu. Das entspricht rund 184 Fehltagen pro 100 Versicherten. Atemwegserkrankungen gingen dagegen um 21 Prozent zurück. Auffällig: Jüngere Beschäftigte fehlten seltener, während die Ausfälle bei den über 60-Jährigen um 0,3 Prozentpunkte stiegen.
Kommt die Teilkrankschreibung noch dieses Jahr?
Parallel dazu hat die Bundesregierung das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz durchgebracht. Gesundheitsministerin Warken brachte es am 10. Juli durch Bundestag und Bundesrat. Kernstück: eine Teilkrankschreibung zu 25, 50 oder 75 Prozent.
Doch die Koalition plant härtere Maßnahmen. Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung soll bereits ab dem ersten Krankheitstag verpflichtend werden. Die telefonische Krankschreibung steht zur Abschaffung an. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung legte dagegen Protest ein – der Streit dürfte spannend werden.
Bildungsurlaub: Fast alle Bundesländer ziehen mit
Ab dem 1. Januar 2027 tritt in Sachsen das Gesetz über den Anspruch auf Qualifizierungszeit in Kraft. Damit ist Bayern das einzige Bundesland ohne gesetzlichen Bildungsurlaub. Der Anspruch in Sachsen startet mit drei Tagen pro Jahr – in den meisten anderen Ländern sind fünf Tage üblich.
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Die Nutzung dieser Angebote ist bisher verhalten. Einer dpa-Umfrage zufolge nutzten 2023 in Niedersachsen nur 1,45 Prozent der Berechtigten ihren Anspruch. In Hessen lag die Quote bei 0,68 Prozent, in Schleswig-Holstein 2024 bei 0,63 Prozent. Der Anspruch besteht meist nach sechs Monaten Betriebszugehörigkeit – in Nordrhein-Westfalen allerdings erst ab zehn Mitarbeitern im Betrieb.
Mehr Urlaub für vier Millionen Beschäftigte?
Die SPD brachte im Juni einen Vorschlag zur Erhöhung des gesetzlichen Mindesturlaubs ein. Statt 20 sollen es künftig 21 Tage sein. Das würde schätzungsweise vier Millionen Arbeitnehmer betreffen, die bisher keine tariflichen Zusatzvereinbarungen haben.
Ob der Vorschlag durchkommt, ist offen. Klar ist: Der Druck auf die Koalition wächst.
Öffentlicher Dienst: Neues Wahlmodell für Sonderzahlungen
Für Beschäftigte im öffentlichen Dienst gelten ab 2026 neue Regeln bei der Jahressonderzahlung. Beim Bund staffelt sie sich nach Entgeltgruppen zwischen 75 und 95 Prozent. In Kommunen erhalten Beschäftigte einheitlich 85 Prozent eines Monatsgehalts.
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Ein neues Wahlmodell erlaubt es, Teile dieser Sonderzahlung in bis zu drei freie Tage umzuwandeln. Wer das für 2027 nutzen will, muss den Antrag bis zum 1. September 2026 stellen.
Leisure Sickness: Wenn der Urlaub krank macht
Abseits der rechtlichen Rahmenbedingungen rückt ein psychologisches Phänomen in den Fokus: die sogenannte „Leisure Sickness“. Laut einer Studie kennen 72 Prozent der Arbeitnehmer das Phänomen. Sobald der Arbeitsstress nachlässt, treten Symptome wie Erschöpfung oder Kopfschmerzen auf. Über die Hälfte der Befragten fühlt sich zudem durch ständige Erreichbarkeit belastet.
Kein Wunder also, dass die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi ein Hitze-Ausfallgeld fordert. Laut einer Umfrage unter 4.000 Beschäftigten fühlt sich jeder Dritte durch extreme Hitze stark belastet. Fahimi fordert Maßnahmen wie Verschattung und angepasste Kleiderordnungen, um gesundheitliche Risiken und wirtschaftliche Ausfälle zu minimieren.
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