Krankschreibung, Kabinett

Krankschreibung: Kabinett schafft Telefondiagnose ab, Regeln ab Tag eins

03.07.2026 - 03:22:13 | boerse-global.de

Die Koalition beschließt die Rückkehr zur Pflicht zur Krankschreibung ab Tag eins. Ärzteverbände und Gewerkschaften üben scharfe Kritik an dem Vorhaben.

Bundesregierung schafft Telefon-Krankschreibung ab: Das ändert sich
Krankschreibung - Eine Nahaufnahme der Hand eines Arztes, die einen Stift über ein Klemmbrett mit einem medizinischen Formular hält. 03.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die telefonische Krankschreibung wird abgeschafft. Das gab der Koalitionsausschuss nach zweitägigen Beratungen bekannt.

Bundeskanzler Merz begründete den Schritt mit den hohen Krankenständen in Deutschland. Diese seien ein erheblicher Wettbewerbsnachteil. Bisher musste eine ärztliche Bescheinigung meist erst ab dem vierten Fehltag vorgelegt werden. Diese Regelung fällt nun weg.

Kompromiss mit Ausnahmen

Finanzminister Klingbeil bezeichnete den Beschluss als Koalitionskompromiss. Die SPD habe unbezahlte Karenztage verhindert. Die konkrete Ausgestaltung sei noch offen, so Klingbeil. Niemand solle gezwungen werden, trotz schwerer Erkrankung sofort eine Praxis aufzusuchen.

Betriebsvereinbarungen oder Tarifverträge können Ausnahmen von der neuen Regelung festlegen. Zudem plant die Koalition härtere Strafen für das Ausstellen unrichtiger Gesundheitszeugnisse. Der entsprechende Paragraf 278 StGB soll verschärft werden.

Ärzteverbände laufen Sturm

Die Pläne stoßen auf massiven Widerstand. Der Hausärzteverband warnt vor einer bürokratischen Überlastung der Praxen. Es gebe keine wissenschaftliche Evidenz für die Maßnahme. Auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) übt scharfe Kritik.

Die Abschaffung der Telefon-AU sei ein Affront gegen die Ärzteschaft, heißt es von der Bundesärztekammer (BÄK). Man stelle die Ärzte unter Generalverdacht. Der statistische Anstieg der Krankheitsfälle sei auf die elektronische AU zurückzuführen – nicht auf Missbrauch.

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Die Gewerkschaft Verdi beklagt eine neue Misstrauenskultur in den Betrieben. Vertreter der Grünen warnen: Menschen mit Erkältung gehörten ins Bett, nicht ins Wartezimmer. Bayerns Wirtschaftsminister Aiwanger befürchtet paradoxerweise sogar mehr Krankentage.

Zum Vergleich: Die DAK registrierte 2025 durchschnittlich 19,5 Fehltage pro Beschäftigtem – nach 19,7 Tagen im Vorjahr.

Teilkrankschreibung kommt

Das Reformpaket sieht auch eine Teilkrankschreibung vor. Beschäftigte können künftig zu 25, 50 oder 75 Prozent ihrer Arbeitszeit krankgeschrieben werden. Das soll die schrittweise Rückkehr in den Job erleichtern.

Das Gesamtpaket umfasst 34 Punkte. Ab 2028 sind Steuerentlastungen von zehn Milliarden Euro geplant. Eine vierköpfige Durchschnittsfamilie könnte über 600 Euro im Jahr sparen.

Der Spitzensteuersatz bleibt bei 42 Prozent. Die Reichensteuer wird neu gestaffelt: 45 Prozent ab 250.000 Euro Jahreseinkommen, 47 Prozent ab 280.000 Euro.

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Für Gutverdiener ab 177.000 Euro wird der Kündigungsschutz gelockert. Die Höchstdauer für sachgrundlose Befristungen steigt auf 48 Monate. Bei der Rente sind höhere Beiträge für die Kapitalrente und eine Anhebung des Renteneintrittsalters über 67 Jahre geplant.

Der BDI sieht positive Signale, vermisst aber kräftigere Wachstumsimpulse. Ex-Gesundheitsminister Lauterbach zeigte sich skeptisch – er habe die Verschärfung der Krankschreibungsregeln nicht unterstützt.

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