Milchpreise, Milchprodukte

Milchpreise: Joghurt und Quark könnten bald teurer werden

Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 04:40 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Milch, Joghurt und Quark könnten in Deutschland bald teurer werden. Der Milchindustrie-Verband begründet die Forderung unter anderem mit sinkenden Milchmengen, guter Nachfrage und möglichen Folgen eines starken El Niño.

Aus Sicht des Milchindustrie-Verbands sprechen mehrere Faktoren für steigende Preise. (Archivbild) - Bild: Marijan Murat/dpa
Aus Sicht des Milchindustrie-Verbands sprechen mehrere Faktoren für steigende Preise. (Archivbild) - Bild: Marijan Murat/dpa

Milch, Joghurt und Quark könnten schon bald teurer werden, weil die Molkereien in anstehenden Verhandlungen erhebliche Preissteigerungen durchsetzen wollen.

Molkereien fordern höhere Preise

Der Milchindustrie-Verband teilte mit, erhebliche Preissteigerungen für Milchprodukte seien dringend notwendig. Erste Gespräche zu den Kontraktverhandlungen über die sogenannte Weiße Linie mit Trinkmilch, Joghurt, Quark und ähnlichen Frischeprodukten seien bereits gestartet; konkrete Zahlen nannte der Verband nicht.

Der Milchpreis liegt dem Verband zufolge derzeit rund ein Viertel niedriger als im Vorjahreszeitraum und damit auf einem Fünfjahrestief. Gleichzeitig laufe der Absatz von Milch und Milchprodukten in Deutschland und international ausgesprochen gut.

Dürre und El Niño als Preistreiber

Die sommerliche Dürrephase in Deutschland und Europa ließ die Milchanlieferung regional stark einbrechen. Zusätzlich rechnen viele Experten wegen eines starken El-Niño-Effekts im tropischen Pazifik mit einer deutlichen Abschwächung der weltweiten Milchanlieferung. In wichtigen Molkereiexportregionen kann das Wetterphänomen Dürren auslösen.

Für die deutsche Milchwirtschaft ist der Weltmarkt besonders wichtig: Nach Angaben des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels gehen 49 Prozent der hierzulande hergestellten Milchprodukte in den Export. Internationale Entwicklungen schlagen deshalb unmittelbar auf den deutschen Milchpreis durch.

Butter wird wieder teurer

Bei Butter gab es zuletzt bereits Anzeichen für eine Wende. Nach einem starken Preisverfall Ende 2025, der Butter zeitweise unter einen Euro je 250-Gramm-Packung drückte und Bauernverbände zu Protesten veranlasste, stieg der Preis wieder. Supermärkte und Discounter erhöhten den Preis für Eigenmarken-Packungen Mitte September um 14 Cent auf 1,19 Euro.

Auch bei Käse, Milchpulver und Proteinprodukten zogen die Erlöse an. Der Preis für frische Vollmilch blieb dagegen über das Jahr bei etwa 95 Cent pro Liter stabil.

Proteinboom erhöht Nachfrage

Die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft sieht auch den Proteinboom als Faktor. Molkenproteinkonzentrate seien stark gefragt, während das dafür benötigte Molkenkonzentrat knapp und teuer sei. Molke entsteht als flüssiges Nebenprodukt der Käseherstellung.

Der Deutsche Bauernverband fordert, mögliche Markterholungen zeitnah an die Erzeuger weiterzugeben. Höhere Erlöse müssten angesichts weiterhin belastender Dünger-, Energie- und Treibstoffkosten fair entlang der Wertschöpfungskette verteilt werden. Auch der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter hält höhere Preise für Trinkmilch und Quark angesichts sinkender Milchanlieferungen und der besseren Nachfrage nach Milcheiweiß für angebracht.

Milchmarkt zwischen Tiefpreis und Erholung

Die angekündigten Preisforderungen treffen auf einen Markt, in dem sich Angebot und Nachfrage gegensätzlich entwickeln: Der Milchpreis liegt laut Milchindustrie-Verband deutlich unter dem Vorjahresniveau, zugleich berichten die Branchenverbände von guter Nachfrage und regional sinkender Milchmenge. Für Verbraucher bedeutet das, dass sich Preise im Supermarkt nicht allein aus den Kosten deutscher Höfe ergeben, sondern auch von internationalen Absatzmärkten und Rohstoffpreisen abhängen.

Besonders wichtig ist der Export. Wenn nahezu die Hälfte der in Deutschland hergestellten Milchprodukte ins Ausland verkauft wird, wirken sich Veränderungen bei Käse, Milchpulver, Molke und Proteinprodukten auf die Erlöse der gesamten Kette aus. Der Proteintrend verstärkt diesen Effekt, weil Molkenproteinkonzentrate sowohl in der Lebensmittelindustrie als auch im Sporternährungsbereich stark nachgefragt werden.

Wetter als zusätzlicher Unsicherheitsfaktor

Die Dürre in Europa kann das Futterangebot und damit die Milchleistung einzelner Regionen beeinträchtigen. Ein möglicher starker El-Niño-Effekt würde die Lage über internationale Wetter- und Handelsströme verschärfen, weil wichtige Exportregionen von Trockenheit betroffen sein könnten. Für Haushalte wäre zunächst bei Frischeprodukten wie Trinkmilch, Joghurt und Quark mit höheren Preisen zu rechnen; wie stark und ab wann, hängt jedoch von den anstehenden Kontraktverhandlungen und der Weitergabe entlang der Wertschöpfungskette ab.

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