Minijob-Reform: Studierende sollen ausgenommen werden, warnt SPD
Veröffentlicht: 14.07.2026 um 06:49 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Er warnt vor einer Abwanderung in die Schwarzarbeit, falls die geplanten Reformen wie vorgesehen umgesetzt werden.
Willingmann: „Studierende brauchen hohen Nettoverdienst“
Mitte Juli bezog Willingmann klar Position: Studierende müssten von der geplanten Umwandlung der Minijobs in sozialversicherungspflichtige Stellen ausgenommen werden. Grundsätzlich unterstütze er den Vorschlag der Alterssicherungskommission, Minijobs weitgehend in die reguläre Sozialversicherungspflicht zu überführen. Bei Studenten sieht er jedoch besonderen Handlungsbedarf.
„Studierende stehen am Anfang ihres Erwerbslebens und sind auf einen möglichst hohen Nettoverdienst angewiesen“, argumentiert der SPD-Politiker. Sie hätten später im Berufsleben noch genug Zeit, um Rentenansprüche aufzubauen. Die sofortige Einbindung in die Rentenversicherung sei daher weniger prioritär als die Sicherung des Lebensunterhalts.
Zudem warnt Willingmann vor einem unerwünschten Nebeneffekt: Eine Abschaffung der Minijobs für Studenten könnte zu verstärkter Schwarzarbeit führen. Hinzu kommt, dass die geplante BAföG-Novelle erst im nächsten Jahr erwartet wird.
Koalition uneins über Reformkurs
Auch auf Bundesebene sorgt die mögliche Reform für Diskussionen. Bundeskanzler Friedrich Merz plädierte zuletzt für eine differenzierte Betrachtung der verschiedenen Minijobber-Gruppen. Er will zwischen Schülern, Studierenden und Rentnern unterscheiden, um den jeweiligen Lebenssituationen gerecht zu werden.
Deutlicher Widerstand kommt von CSU-Chef Markus Söder. Er lehnt eine weitgehende Abschaffung der Minijobs ab und warnt vor erheblichen wirtschaftlichen Schäden – besonders in der Gastronomie, im Einzelhandel und in der Landwirtschaft. Söder signalisierte lediglich Gesprächsbereitschaft über die Ausgestaltung der Rentenversicherungsbeiträge. Wirtschaftsverbände schlossen sich der Kritik an und warnen vor irreversiblen Folgen für personalintensive Branchen.
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Wissenschaftler uneins über wirtschaftliche Folgen
In der wissenschaftlichen Debatte gehen die Meinungen auseinander. Der Wirtschaftsweise Martin Werding tritt Befürchtungen entgegen, eine Abschaffung der Minijobs würde Unternehmen massiv belasten. Teilzeitjobs mit geringem Stundenumfang blieben weiterhin möglich und würden für Betriebe nicht zwangsläufig teurer. Nach seiner Einschätzung müssten Arbeitgeber den Bruttolohn um etwa zehn Prozent anheben, um die Sozialversicherungsbeiträge der Arbeitnehmer auszugleichen.
Andere Experten sehen das Modell der Minijobs kritisch. Arbeitsmarktforscher Enzo Weber bezeichnet es als nicht mehr zeitgemäß. Ökonom Peter Bofinger spricht von einer Zweitverdienerfalle, die Fehlanreize am Arbeitsmarkt setze.
Ulrich Walwei vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) kritisiert die aktuellen Pläne wiederum als halbherzig. Er schlägt vor, ab einer bestimmten Einkommensgrenze eine volle Steuer- und Sozialversicherungspflicht einzuführen – plädiert aber ebenfalls für Ausnahmen für Schüler, Studierende und Rentner.
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Das sieht der Reformvorschlag konkret vor
Die Vorschläge der Kommission sehen unter anderem vor, den Pauschalsteuersatz von derzeit zwei auf fünf Prozent anzuheben. Zudem steht eine verpflichtende Rentenversicherung für Beschäftigungsverhältnisse zur Debatte, die derzeit unter der Minijob-Grenze von 603 Euro pro Monat liegen. SPD-Wirtschaftsexperte Sebastian Roloff hält verpflichtende Rentenbeiträge für diese Gruppe für sinnvoll, um die soziale Absicherung langfristig zu stärken.
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