Der Weg zum Heizungsgesetz: Worum geht es in Karlsruhe?
26.02.2026 - 13:29:48 | dpa.deKaum ein anderes Vorhaben der Ampel-Regierung löste so hitzige Diskussionen aus wie das Heizungsgesetz. WĂ€hrend rund zwei Jahre nach Inkrafttreten der umstrittenen Neuregelung die schwarz-rote Koalition Kernpunkte wieder abschafft, steht in Karlsruhe der parlamentarische Prozess hinter dem Gesetz erneut auf dem PrĂŒfstand.Â
Das Bundesverfassungsgericht verhandelte am Donnerstag die Klage des ehemaligen Unionsabgeordneten Thomas Heilmann, der die Verabschiedung des Gesetzes im Sommer 2023 mit Hilfe der Verfassungsrichter ausbremste. Ein Urteil der höchsten deutschen Richterinnen und Richter fĂ€llt in der Regel erst einige Monate spĂ€ter. Die wichtigsten Fragen und Antworten:Â
Was ist das Heizungsgesetz?Â
Die Reform des GebĂ€udeenergiegesetzes (GEG) - oft als Heizungsgesetz bezeichnet - zielte darauf ab, durch einen schrittweisen Austausch von Ăl- und Gasheizungen das Heizen in Deutschland klimafreundlicher zu machen. Sie sieht im Kern vor, dass jede neu eingebaute Heizung mit 65 Prozent erneuerbaren Energien betrieben werden soll. Es gibt aber umfassende Ăbergangsregeln. Das Gesetz ist seit Anfang 2024 in Kraft.Â
Was kritisiert der KlĂ€ger?Â
Der ehemalige CDU-Abgeordnete Heilmann sieht sich durch das ĂŒberhastete Gesetzgebungsverfahren 2023 in seinen Rechten als Parlamentarier verletzt. Es gehe allerdings nicht um ihn alleine, sagt er, «sondern um das Recht aller Abgeordneten auf ausreichende Beratungszeit». Es habe sich eine Praxis eingeschlichen, dass Abgeordnete teils am Vorabend einer abschlieĂenden Beratung noch auf hunderten Seiten umfangreiche Ănderungen vorgelegt bekĂ€men. «Da haben Sie kaum Zeit, es zu lesen, geschweige denn zu verstehen», sagte Heilmann in Karlsruhe. Das GebĂ€udeenergiegesetz war laut ihm ein «extremer Fall von vielen».Â
Wie lief das Gesetzgebungsverfahren ab?Â
ZunĂ€chst hatte das Ampel-Kabinett einen Gesetzesentwurf beschlossen. Aber noch vor der ersten Lesung im Bundestag vereinbarten die KoalitionĂ€re weitere Ănderungen, die sie in teils vage formulierten «Leitplanken» festhielten - ein ungewöhnliches Verfahren, das dazu fĂŒhrte, dass eine erste Expertenanhörung zu dem dann schon veralteten ursprĂŒnglichen Gesetzentwurf stattfand.Â
Am 7. Juli 2023 sollte das Heizungsgesetz im Bundestag unmittelbar vor der parlamentarischen Sommerpause beschlossen werden. Die Koalitionsfraktionen legten wenige Tage vorher einen Ănderungsantrag vor. Dass es zu diesem ungewöhnlichen Verfahren kam, lag auch daran, dass insbesondere die Koalitionspartner GrĂŒne und FDP miteinander stritten, Kompromisse kamen erst in letzter Sekunde zustande.Â
Dem Unionspolitiker Heilmann ging das alles zu schnell. Er stellte beim Bundesverfassungsgericht einen Antrag auf einstweilige Anordnung - mit Erfolg. Das Gericht stoppte die zweite und dritte Lesung vor der Sommerpause. Rund zwei Monate nach dem ursprĂŒnglichen Termin wurde das Heizungsgesetz dann am 8. September vom Bundestag beschlossen und passierte kurz darauf auch den Bundesrat. Am 1. Januar 2024 trat das Gesetz in Kraft.Â
Was sagte das Bundesverfassungsgericht im Eilverfahren?Â
Das Gericht erklĂ€rte damals, Heilmanns Organstreitverfahren scheine mit Blick auf sein im Grundgesetz verankertes Recht auf gleichberechtigte Teilhabe an der parlamentarischen Willensbildung weder von vornherein unzulĂ€ssig, noch offensichtlich unbegrĂŒndet. «Den Abgeordneten steht nicht nur das Recht zu, im Deutschen Bundestag abzustimmen, sondern auch das Recht zu beraten», hieĂ es.Â
Worum geht es jetzt?Â
Es gehe im Kern um die Frage: «Wann wird aus einem "schnellen" ein "zu schnelles" Gesetzgebungsverfahren?», sagte die Vorsitzende Richterin des Zweiten Senats und VizeprĂ€sidentin des Gerichts, Ann-Katrin Kaufhold, zu Beginn der mĂŒndlichen Verhandlung in Karlsruhe. Und: «Gibt es ein verfassungsrechtliches "Tempolimit" fĂŒr die Beratung von GesetzentwĂŒrfen?»Â
Ăber einen Gesetzentwurf könnten Abgeordnete nur sinnvoll beraten und abstimmen, wenn sie die Möglichkeit hatten, sich ĂŒber den Inhalt zu informieren und eine Meinung zu bilden, betonte Kaufhold. Aber: Karlsruhe habe auch schon oft den weiten Gestaltungsspielraum des Parlaments in Bezug auf seine VerfahrensablĂ€ufe betont. Nun gehe es um die Frage, wo die Grenzen zwischen diesen Abgeordnetenrechten und der Autonomie des Bundestags verlaufen.Â
Was fordert Heilmann?Â
KlĂ€ger Heilmann hielte es fĂŒr sinnvoll, wenn das Bundesverfassungsgericht in seiner Entscheidung Standards zu den parlamentarischen AblĂ€ufen konkretisiert. «VerlĂ€ssliche Rahmenbedingungen zu schaffen, wĂŒrde nicht nur die QualitĂ€t der Gesetzgebung fĂŒr die Zukunft absichern, sondern auch das Herz unserer Demokratie nachhaltig stĂ€rken», sagt er. Dem Parlament falle es aus seiner Sicht oft schwer, sich selbst auf solche Standards zu einigen. Daher seien die Impulse aus Karlsruhe wichtig.Â
Was sagt die Gegenseite?Â
Er hadere selbst oft mit schneller Gesetzgebung, sagte vor Gericht der GrĂŒnen-Abgeordnete Helge Limburg als Vertreter des Deutschen Bundestags. Aber reiche das aus, um einen VerfassungsverstoĂ festzustellen? Zu entscheiden, welches Gesetz komplexer als ein anderes sei, entziehe sich seiner Meinung nach «einer Verrechtlichung», sagte er mit Blick auf die Beratungszeit. Er bitte das Gericht darum, keine «zu enge Ordnung fĂŒr das Gesetzgebungsverfahren aus dem Grundgesetz abzuleiten».Â
Wie ist der Stand beim Heizungsgesetz?Â
Die aktuelle schwarz-rote Bundesregierung plant eine grundlegende Reform des GEG. Nach ihrem Willen sollen Immobilienbesitzer weiter Ăl- und Gasheizungen in ihre WohnhĂ€user einbauen dĂŒrfen. Die pauschale Pflicht, dass jede neu eingebaute Heizung mit 65 Prozent erneuerbaren Energien betrieben werden sollte, entfĂ€llt. Diesen und weitere Eckpunkte der erneuten Reform hatten Union und SPD erst am Dienstagabend in Berlin vorgestellt.
Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - trading-notes lesen ist besser!
FĂŒr. Immer. Kostenlos.

