Deutschland, Arbeitsmarkt

LĂ€nger arbeiten: Passt fĂŒr viele, aber nicht fĂŒr alle

28.10.2025 - 14:37:24

Mit Steueranreizen will die Regierung Àltere Menschen bewegen, lÀnger zu arbeiten. Schon ohne «Aktivrente» bleiben viele RuhestÀndler beruflich aktiv. Aber nicht alle sind dazu in der Lage.

Arbeiten im Rentenalter ist in Deutschland gar nicht so ungewöhnlich. UnverÀndert 13 Prozent der Menschen zwischen 65 und 75 Jahren gehen einem Job nach, wie das Statistische Bundesamt auf der Grundlage des Mikrozensus 2024 mitteilt. Mit einem Anteil von 16 Prozent sind die Àlteren MÀnner etwas hÀufiger erwerbstÀtig als die Frauen, die auf einen Anteil von 10 Prozent kommen. 

Rennt die Bundesregierung also offene TĂŒren ein, wenn sie ab dem kommenden Jahr mit der sogenannten «Aktivrente» lockt? Vom Zuverdienst sollen dann monatlich 2000 Euro steuerfrei bleiben, FachkrĂ€fte lĂ€nger in den Betrieben gehalten werden. Schon seit 2023 können Altersrentner unbegrenzt hinzuverdienen, ohne dass ihre Rente gemindert wĂŒrde. Allerdings mĂŒssen Rente und Arbeitslohn wie andere Einkommensarten bislang auch gemeinsam versteuert werden. 

Ökonomische Ausgangslage

Der Deutschen Rentenversicherung zufolge gingen Ende 2023 schon 1,46 Millionen Rentner einer BeschĂ€ftigung nach - Tendenz steigend. Die ökonomische Ausgangslage ist fĂŒr viele RuhestĂ€ndler zumindest nicht rosig. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes haben die 16,3 Millionen Rentner und Pensionsbezieher im Schnitt ein gewichtetes Nettoeinkommen von monatlich knapp 2.000 Euro pro Kopf. Jeder und jede FĂŒnfte mĂŒssen mit weniger als 1400 Euro auskommen, wĂ€hrend eine schnell wachsende Gruppe von zuletzt rund 4 Prozent auf Grundsicherung angewiesen ist. Das sind 563 Euro im Monat plus angemessene Kosten fĂŒr Heizung und Wohnung.

In einer Ă€lteren Untersuchung des Instituts fĂŒr Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) haben aber nur 43 Prozent der Befragten finanzielle GrĂŒnde fĂŒr ihre ErwerbstĂ€tigkeit im Ruhestand genannt. Viel wichtiger waren Spaß an der Arbeit (97 Prozent), weiterhin eine Aufgabe zu haben (92 Prozent) oder der Kontakt zu anderen Menschen (91 Prozent). SpĂ€ter in den Ruhestand geht auch, wer am Arbeitsplatz zufrieden ist, zeigt eine Studie, an der das Deutsche Zentrum fĂŒr Altersfragen beteiligt war.

Gebildete arbeiten lÀnger

Ein höheres Bildungsniveau fĂŒhrt ganz offensichtlich dazu, dass Menschen beruflich lĂ€nger aktiv bleiben. Die Statistiker haben einen klaren Zusammenhang festgestellt: Mit höherem Bildungsabschluss haben 18 Prozent der befragten Rentnerinnen und Rentner noch einen Job, wĂ€hrend es bei niedrigem Niveau nur 10 Prozent sind. Dieser Wert ist im Vergleich zum Vorjahr rĂŒcklĂ€ufig, als noch 11 Prozent erreicht worden. 

Die Linken-Politikerin Sarah Vollrath ist von den Unterschieden nicht ĂŒberrascht. Sie sagt: «Denn diejenigen, die ihr ganzes Leben lang in körperlich anstrengenden Berufen gearbeitet haben, schaffen es oft noch nicht einmal bis zum regulĂ€ren Renteneintritt. Sie nehmen jetzt schon AbschlĂ€ge in Kauf, um ĂŒberhaupt noch etwas von ihrem Ruhestand zu haben.» Die Bundesregierung solle diese Menschen stĂ€rker in den Fokus nehmen, statt «viel zu teure Steuergeschenke» an Besserverdienende zu verteilen. 

Es kann nur um ein paar Jahre zusÀtzliche Arbeit gehen, denn mit zunehmendem Alter nimmt die BerufstÀtigkeit der Rentenbezieher kontinuierlich ab, wie die aktuellen Zahlen zeigen. BetrÀgt sie im Alter von 65 bis 66 Jahren noch 18 Prozent, sind es bei den 73- bis 74-JÀhrigen nur noch 8 Prozent, wie die Befragungen ergaben. 

Meist kĂŒrzere Arbeitszeiten

Etwa die HĂ€lfte der arbeitenden Senioren ist nach eigenen Angaben geringfĂŒgig beschĂ€ftigt. Die Arbeitszeit von 39 Prozent betrĂ€gt höchstens zehn Stunden. Weitere 26 Prozent arbeiten zwischen 10 und 20 Wochenstunden. 14 Prozent berichteten von mehr als 40 Arbeitsstunden, die sie in der Woche absolvieren.

In dieser Gruppe finden sich besonders viele SelbststĂ€ndige, die insgesamt 29 Prozent aller erwerbstĂ€tigen Rentner ausmachen. FĂŒr sie soll der Aktivrenten-Anreiz im Unterschied zu den Arbeitnehmern aber nicht gelten.

@ dpa.de