Russland wehrt ukrainische Drohnen nahe Moskau ab
21.08.2024 - 16:42:27(Neu: Details)
MOSKAU/KIEW (dpa-AFX) - Das russische MilitĂ€r hat nahe der Hauptstadt Moskau in der Nacht zum Mittwoch zahlreiche ukrainische Kampfdrohnen abgeschossen. "Das war einer der gröĂten Angriffsversuche auf Moskau mithilfe von Drohnen in der gesamten Zeit", schrieb Sergej Sobjanin, BĂŒrgermeister der Zwölf-Millionen-Stadt, auf seinem Telegram-Kanal. Seiner ZĂ€hlung nach waren es zehn, nach ZĂ€hlung des MilitĂ€rs elf Drohnen, die auf dem Weg nach Moskau abgefangen wurden.
Einige der FluggerĂ€te gingen im Bezirk Podolsk nieder, wie Sobjanin mitteilte. Dieser liegt nur wenige Dutzend Kilometer sĂŒdlich der Stadtgrenze. Die FlughĂ€fen Wnukowo, Domodedowo und Schukowski im SĂŒden und Osten Moskaus wurden aus SicherheitsgrĂŒnden nachts vorĂŒbergehend geschlossen, wie die Flugaufsichtsbehörde Rosawiazija mitteilte.
TatsÀchlich hat die Ukraine lange keine Drohnen mehr gegen die russische Hauptstadt fliegen lassen. 2023 hatten einzelne unbemannte Flugobjekte ukrainischer Herkunft eher symbolische SchÀden an einem Wolkenkratzer im Hochhausviertel Moskwa City angerichtet.
Das russische MilitĂ€r teilte weiter mit, in der Nacht seien insgesamt 45 ukrainische Drohnen abgefangen worden, davon allein 23 ĂŒber dem Grenzgebiet Brjansk. Die Angaben waren nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfbar.
Am spÀten Nachmittag wurde auch in der nordrussischen Hafenstadt Murmansk Alarm wegen möglicher Drohnen ausgelöst. Der Flughafen dort wurde vorerst gesperrt.
Ukraine meldet Treffer auf russisches Flugabwehrsystem
Ein Ziel der ukrainischen Angriffe lag im sĂŒdrussischen Gebiet Rostow, wie der Generalstab in Kiew mitteilte. Dort sei bei Nowoschachtinsk ein russisches Flugabwehrsystem S-300 beschossen worden. Russland setze diese Systeme immer wieder auch zum Beschuss von Bodenzielen in der Ukraine ein. Auch dafĂŒr gab es keine unabhĂ€ngige BestĂ€tigung.
Die Ukraine selbst ist seit dem russischen Ăberfall im Februar 2022 jede Nacht russischen Luftangriffen ausgesetzt, die unter anderem wichtige Energie-Infrastruktur ins Visier nehmen. Auch in der Nacht zum Mittwoch wurden Explosionen aus dem westukrainischen Gebiet Chmelnyzkyj gemeldet. Am Morgen galt immer noch Alarm in mehreren Landesteilen.
Ukrainische Verteidiger bei Pokrowsk in der Defensive
Bei den BodenkĂ€mpfen im Osten des Landes standen die ukrainischen Truppen den MilitĂ€rangaben nach weiter schwer unter Druck. Allein am Frontabschnitt Pokrowsk habe es am Dienstag 66 russische Sturmangriffe gegeben, berichtete der Generalstab. GekĂ€mpft wurde um viele Ortschaften, die fĂŒr die Russen auf dem Weg in das noch etwa zehn Kilometer entfernte Pokrowsk liegen. Russische MilitĂ€rblogger berichteten von einem Vordringen ihrer Truppen. Die Industrie- und Bergbaustadt Pokrowsk im Gebiet Donezk zĂ€hlte vor dem Krieg etwa 65.000 Einwohner, sie ist wichtig fĂŒr die Versorgung der ukrainischen Truppen an diesem Frontabschnitt. Heftige Gefechte gab es nach ukrainischen MilitĂ€rangaben auch weiter nördlich bei Torezk.
Ukrainer rĂŒcken im Gebiet Kursk vor
Im russischen Gebiet Kursk dagegen rĂŒckten ukrainische Truppen bei ihrer Offensive nach EinschĂ€tzung von Beobachtern weiter vor. Das US-Institut fĂŒr Kriegsstudien (ISW) nannte Fotos aus der Region als Beleg dafĂŒr, dass die Ukrainer sich dichter an die Kreisstadt Korenjewo vorkĂ€mpfen. Von der Stadt Sudscha aus, die gleich zu Beginn der Offensive in ukrainische HĂ€nde fiel, gehe der Vormarsch nach Osten weiter.
Nach fast zweieinhalb Jahren Abwehr der russischen Invasion hat die Ukraine mit dem Vorstoà ins russische Gebiet Kursk BodenkÀmpfe erstmals auf das Terrain des Gegners verlegt. Dabei wurden nach Angaben des ukrainischen Oberbefehlshabers Olexander Syrskyj inzwischen mehr als 1260 Quadratkilometer und 93 Ortschaften eingenommen.

