Deutschland, Konjunktur

Warum die Wirtschaft im Osten hinter dem Westen zurückbleibt

02.10.2025 - 13:08:54

Ostdeutschlands Wirtschaft stagniert: Laut einer IW-Studie bleibt die Region bei Innovation, Digitalisierung und Investitionen deutlich hinter dem Westen zurück.

35 Jahre nach der Wiedervereinigung liegt die Wirtschaftskraft Ostdeutschlands weiter deutlich unter dem westdeutschen Niveau. Das geht aus einer Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor. Demnach erreichen die neuen Bundesländer heute rund 78 Prozent der westdeutschen Wirtschaftsleistung. Seit fünf Jahren stagniert die Angleichung, zuletzt ist der Osten sogar leicht zurückgefallen.

Besonders schwach zeigt sich die Region laut Studie bei Erwerbsbeteiligung, Innovation und Digitalisierung. So liegt die Erwerbsquote nur bei 86 Prozent des Westniveaus und dürfte angesichts der stärker alternden Bevölkerung weiter sinken. 2022 war bereits mehr als jeder vierte Ostdeutsche älter als 65 Jahre.

Auch die Innovationskraft bleibt deutlich zurück. Ostdeutsche Unternehmen melden im Schnitt fünfmal weniger Patente an als westdeutsche. Zudem sind große, forschungsstarke Unternehmen in den östlichen Bundesländern seltener vertreten. In der Digitalwirtschaft trägt die Informations- und Kommunikationsbranche lediglich knapp drei Prozent zur Bruttowertschöpfung bei – nur gut die Hälfte des Westwerts.

Die Investitionen verharren seit Jahren auf niedrigem Niveau. Pro Kopf erreichen sie nur gut 70 Prozent des Westens, während sie in den 1990er Jahren noch deutlich darüber lagen.

IW: Kurzfristig keine vollständige Angleichung

«Eine vollständige Angleichung an Westdeutschland ist kurzfristig nicht realistisch», sagt IW-Experte Klaus-Heiner Röhl. Nötig seien daher mehr Offenheit für ausländische Fachkräfte, eine Beschleunigung der Digitalisierung sowie eine engere Zusammenarbeit von Forschung, Start-ups und Unternehmen.

Nach Einschätzung des IW wird Ostdeutschland langfristig eher das Niveau von Bundesländern wie Schleswig-Holstein oder Rheinland-Pfalz erreichen als das wirtschaftsstarker Metropolen wie München oder Hamburg. Ein Sonderfall ist Berlin, das sich in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Forschungs- und Start-up-Zentrum entwickelt hat.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Krisen kosten Deutschland fast 1.000 Milliarden Euro. Das kommt die deutsche Wirtschaft teuer zu stehen. Die Einbußen stellen frühere Krisen in den Schatten. Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg, Zoll-Streit: Seit 2020 reiht sich eine Krise an die andere. (Wirtschaft, 07.02.2026 - 05:00) weiterlesen...

Schlechte Stimmung in der Metallbranche trotz Auftragsplus. Für eine konjunkturelle Kehrtwende reicht es aus Sicht des Branchenverbands aber nicht. Rüstungsaufträge sorgten im letzten Quartal 2025 für volle Auftragsbücher in der Metall- und Elektroindustrie. (Wirtschaft, 07.02.2026 - 04:00) weiterlesen...

Endspurt: Deutsche Exporte steigen erstmals seit zwei Jahren. Doch der Gegenwind für die Exportnation Deutschland ist rau. Zollstreit mit Trump, Druck aus China, starker Euro: Trotzdem haben die deutschen Exporteure 2025 zugelegt - dank eines starken Dezembers. (Politik, 06.02.2026 - 11:47) weiterlesen...

Starker Dezember: Deutsche Exporte steigen 2025 überraschend. Im Dezember ziehen die deutschen Ausfuhren kräftig an. Das bringt der Jahresbilanz ein kleines Plus. Die deutschen Exporteure können ein turbulentes Jahr mit dem US-Zollstreit versöhnlich beenden. (Politik, 06.02.2026 - 08:57) weiterlesen...

Unerwarteter Auftragsboom: Industrie gibt Konjunkturhoffnung. Großaufträge stützen die Wirtschaft. Nach langem Niedergang mehren sich die Anzeichen für eine Trendwende der deutschen Industrie. (Wirtschaft, 05.02.2026 - 11:48) weiterlesen...

Industrieaufträge steigen stark: «Sieht nach Trendwende aus». Dabei helfen die Milliarden-Ausgaben des Bundes: Großaufträge etwa für Rüstung sorgen für einen Boom im Dezember. In der kriselnden deutschen Industrie zeichnet sich zunehmend eine Erholung ab. (Wirtschaft, 05.02.2026 - 08:53) weiterlesen...