Pilotensicherheit, Schlafmangel

Piloten melden 76,8 Prozent Sekundenschlaf im Flug

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 14:39 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Eine Umfrage unter 7.200 Pilotinnen und Piloten zeigt erhebliche Probleme im Umgang mit Übermüdung. Die Vereinigung Cockpit fordert deshalb strengere Kontrollen und bessere Schutzmechanismen für Meldungen aus dem Cockpit.

Ermüdungsrisiko im Cockpit

  • Die Umfrage umfasst 7.200 Pilotinnen und Piloten aus Europa.
  • 76,8 Prozent berichteten von mindestens einem Sekundenschlaf während eines Fluges in den vergangenen vier Wochen.
  • Nur 37,2 Prozent meldeten sich bei ermüdungsbedingter Fluguntauglichkeit tatsächlich fluguntauglich.
Sekundenschlaf und Dauermüdigkeit sind Probleme für viele Piloten und Pilotinnen. (Archivbild) - Bild: Felix Hörhager/dpa

Übermüdung belastet die Sicherheit im Cockpit

Übermüdete Pilotinnen und Piloten sind nach Einschätzung der Vereinigung Cockpit ein erhebliches Sicherheitsrisiko in der europäischen Luftfahrt. In einer aktuellen Umfrage berichteten 76,8 Prozent der Befragten, in den vergangenen vier Wochen mindestens einmal während eines Fluges einen Sekundenschlaf erlebt zu haben.

Viele melden sich trotz Müdigkeit nicht ab

36,8 Prozent erklärten zudem, nicht ausreichend Ruhezeit zu erhalten, um eine zunehmende Übermüdung zu verhindern. An der Studie der Beratungsgesellschaft Baines Simmons im Auftrag der europäischen Cockpitvereinigung ECA beteiligten sich 7.200 Pilotinnen und Piloten.

Angst vor Konsequenzen prägt Meldekultur

Nur 37,2 Prozent der Teilnehmer gaben an, sich bei ermüdungsbedingter Fluguntauglichkeit tatsächlich fluguntauglich zu melden. Fast ein Viertel, 24,2 Prozent, fliege nach eigenen Angaben trotz Ermüdung weiter, ohne dies zu melden.

Als Grund wird auch die Sorge vor Bestrafungen oder Vergeltungsmaßnahmen durch das Management genannt. Die für Sicherheit zuständige VC-Vorständin Anja Granvogl erklärte, die Beschäftigten setzten sich intensiv mit dem Thema Übermüdung auseinander und sähen dringenden Handlungsbedarf.

Gewerkschaft fordert Konsequenzen

Die VC verlangt Konsequenzen aus den Ergebnissen, die nach ihren Angaben bereits in einer Vorgängerstudie vor drei Jahren ähnlich ausgefallen waren. Flugsicherheit dürfe weder vom wirtschaftlichen Druck einer Fluggesellschaft noch vom Mut einzelner Pilotinnen und Piloten abhängen, erklärte Granvogl.

Die Airlines müssten ihrer Verantwortung gerecht werden. Zugleich sollten die Aufsichtsbehörden bestehende Vorschriften konsequenter überwachen und Regelungslücken schließen.

Übermüdung gehört in der Luftfahrt zu den Risiken, die sich nicht allein durch die Aufmerksamkeit einzelner Beschäftigter lösen lassen. Nachtflüge, frühe Dienstbeginne, wechselnde Zeitzonen und kurzfristige Umlaufänderungen können die Erholung erschweren und die Leistungsfähigkeit während kritischer Flugphasen beeinträchtigen.

Entscheidend ist deshalb ein funktionierendes Fatigue-Risk-Management. Es soll Arbeitszeiten, Ruhephasen und Dienstpläne systematisch bewerten und neben statistischen Grenzwerten auch konkrete Rückmeldungen aus dem Cockpit berücksichtigen. Die in der dpa-Meldung genannten Zahlen weisen dabei auf zwei miteinander verbundene Probleme hin: eine offenbar verbreitete Erschöpfung und eine geringe Bereitschaft, sich deshalb aus dem Dienst zu nehmen.

Meldekultur als Sicherheitsfaktor

Für Passagiere bleibt vor allem die Frage relevant, ob ein Pilot ohne Angst vor beruflichen Nachteilen melden kann, nicht flugtauglich zu sein. Eine belastbare Sicherheitskultur muss daher wirtschaftliche Interessen, Personalplanung und individuelle Verantwortung zusammenführen. Meldungen über Müdigkeit dürfen nicht automatisch als Fehlverhalten behandelt werden, sondern müssen auch zur Verbesserung von Dienstplänen und Ruhezeiten beitragen.

Die Verantwortung verteilt sich auf mehrere Ebenen: Airlines müssen Einsatzplanung und Ruhezeiten verlässlich organisieren, Beschäftigte müssen gesundheitliche Grenzen beachten, und Behörden müssen die Einhaltung der Vorgaben kontrollieren. Dass die VC auf ein ähnliches Ergebnis einer früheren Untersuchung verweist, macht aus dem aktuellen Befund ein länger bestehendes Strukturproblem. Für Reisende bedeutet das, dass Flugsicherheit nicht nur von technischen Systemen, sondern auch von Arbeitsbedingungen und einer offenen Meldekultur abhängt.

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