Ampel-PlĂ€ne zu 'AnschubprĂ€mie' fĂŒr Job-Aufnahme wackeln
06.10.2024 - 16:30:05(Quelle im ersten Satz prÀzisiert)
BERLIN (dpa-AFX) - Der sozialpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Martin Rosemann, will die von der Bundesregierung geplante "Anschubfinanzierung" fĂŒr Langzeitarbeitslose, die einen Job annehmen, stoppen. Nach Kritik aus allen drei Ampel-Fraktionen sagte Rosemann der "Bild": "Die Anschubfinanzierung war ein ausdrĂŒcklicher Wunsch von Robert Habeck (GrĂŒne). Als Fachpolitiker der SPD teilen wir die Bedenken, die das Arbeitsministerium immer vorgetragen hat." Zwar habe die SPD das Instrument im Gesamtpaket zu BĂŒrgergeld-Ănderungen mitgetragen. "Wenn aber nun auch aus der Fraktion der GrĂŒnen Kritik vorgetragen wird und auch die FDP die Bedenken teilt, dann spricht wenig dafĂŒr, daran festzuhalten", sagte Rosemann.
Das Kabinett hatte vergangene Woche VerschĂ€rfungen der Regeln fĂŒr BĂŒrgergeld-EmpfĂ€ngerinnen und -EmpfĂ€nger beschlossen. Bei Ablehnung einer Arbeit mĂŒssen sie bald mit höheren Strafen rechnen. Teil der Regelungen ist aber auch die sogenannte Anschubfinanzierung. Langzeitarbeitslose, die mehr als zwölf Monate in einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit beschĂ€ftigt sind, sollen einmalig 1000 Euro erhalten können. Die Regelung soll zum 1. Januar 2025 in Kraft treten.
Die "Anschubfinanzierung" stieĂ aber auf Widerstand. "Die 1000-Euro-PrĂ€mie ist blanker Hohn fĂŒr diejenigen, die seit Jahren ihren Job machen. Die Ampel gefĂ€hrdet den sozialen Frieden und gieĂt damit noch mehr Ăl ins Feuer", sagte CSU-GeneralsekretĂ€r Martin Huber der "Bild"-Zeitung.
Der GrĂŒnen-Sozialpolitiker Frank Bsirske lehnt das Vorhaben ebenfalls ab. "Ich halte die PrĂ€mie nicht fĂŒr erforderlich. Die allermeisten Menschen im BĂŒrgergeld nehmen sowieso einen Job an, wenn sie die Chance dazu haben", sagte er "Bild". Der FDP-Haushaltspolitiker Frank SchĂ€ffler sagte der Zeitung: "Das Vorhaben ist ein Unding. Die Ausgaben explodieren ja jetzt schon. Die PrĂ€mie muss im Bundestag gestoppt werden."
Das Bundeswirtschaftsministerium verteidigte das Vorhaben. Gedacht sei die Finanzierung als Anreiz zur Suche nach einer existenzsichernden BeschĂ€ftigung. Zudem solle die PrĂ€mie ein Gegengewicht bilden zu Verlusten staatlicher Leistungen bei Aufnahme einer Arbeit. "BeschĂ€ftigungen mit niedrigeren Einkommen werden durch hohe AbzĂŒge beim BĂŒrgergeld, Kinderzuschlag und Wohngeld unattraktiv", hieĂ es. Das Problem sei im Rahmen der geltenden Rechtsprechung nur schwer zu mindern. Mit der PrĂ€mie spare der Staat unter dem Strich Geld.

