Reformpaket, Befristungen

Reformpaket Juli: Befristungen bis 48 Monate, Steuern ab 2027

04.07.2026 - 16:32:28 | boerse-global.de

Wirtschaftsverbände kritisieren das neue Reformpaket der Koalition als unzureichend und fordern weitere Entlastungen für Unternehmen.

Koalitionsreformpaket: Handwerk fordert zweites Entlastungspaket
Reformpaket - Ein Taschenrechner zeigt steigende Prozentzahlen, daneben Stapel von Euro-Münzen. Im Hintergrund verschwommene Büros und Maschinen. 04.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Koalition hat Anfang Juli ein neues Reformpaket beschlossen – doch Wirtschaftsverbände und Handwerksvertreter sind unzufrieden. Sie fordern weitere Entlastungen für Unternehmen.

Handwerk warnt vor Belastungsgrenze

Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), verlangt ein zweites Reformpaket noch im Herbst. Sein Ziel: die Lohnzusatzkosten wieder Richtung 40-Prozent-Marke drücken. Aktuell liegen sie bei über 42 Prozent. Ohne Gegensteuerung droht bis 2028 ein Anstieg auf fast 44 Prozent.

Haupttreiber ist die prognostizierte Erhöhung der Rentenbeiträge um 1,8 Prozentpunkte. Für 2028 wird ein Rentenbeitragssatz von voraussichtlich 19,9 Prozent erwartet. Dittrich fordert, diesen Anstieg durch Senkungen bei Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen auszugleichen. Er regt mehr Eigenverantwortung der Versicherten an.

Zudem verlangt der Handwerkspräsident steuerliche Nachbesserungen für inhabergeführte Betriebe. Personengesellschaften, die der Einkommensteuer unterliegen, dürften gegenüber Kapitalgesellschaften nicht benachteiligt werden.

Was das aktuelle Reformprogramm bringt

Der Koalitionsausschuss beschloss am 1. Juli ein 34-Punkte-Programm. Es enthält Maßnahmen zur Wachstumsförderung und zum Bürokratieabbau. Vorgesehen ist unter anderem eine Ausweitung der sachgrundlosen Befristung auf bis zu 48 Monate. Die telefonische Krankschreibung soll abgeschafft werden.

Steuerlich plant die Regierung ab 2027 Entlastungen mit einem Volumen von rund 10 Milliarden Euro. Das Schriftformerfordernis entfällt in Teilbereichen. Die Verwaltung soll stärker digitalisiert werden. Eine Genehmigungsfiktion als Regelfall soll Anträge beschleunigen – sie gelten nach Ablauf bestimmter Fristen automatisch als bewilligt.

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Verbände kritisieren fehlende Flexibilität

Trotz einzelner positiver Punkte hagelt es Kritik. Manfred Gößl, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages (BIHK), bezeichnete die Reformbemühungen am 3. Juli als unzureichend. Er vermisst steuerliche Entlastungen für Unternehmen und mehr Flexibilität bei der Höchstarbeitszeit.

Auch der Handelsverband Bayern (HBE) zeigt sich enttäuscht. Hauptgeschäftsführer Wolfgang Puff begrüßt zwar den Verzicht auf eine Mehrwertsteuererhöhung und die geplanten Einkommensteuersenkungen. Doch die ausbleibende Deckelung der Lohnnebenkosten und die fehlende Senkung der Stromsteuer für alle Unternehmen kritisieren er scharf.

Industrievertreter Bert Sutter vom Wirtschaftsverband Industrieller Unternehmen Baden (wvib) lobt die Erleichterungen bei Befristungen. Gleichzeitig mahnt er schnellere Genehmigungsverfahren und dauerhaft bezahlbare Energiepreise an.

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Österreich plant Entlastung ab 2028

Auch in Österreich wird über die Senkung der Lohnnebenkosten debattiert. Der Nationalrat beriet am 3. Juli über das Doppelbudget für 2027 und 2028. Geplant ist eine Senkung des Beitrags zum Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) von 3,7 auf 2,7 Prozent – allerdings erst ab 2028.

Die Industriellenvereinigung (IV) warnt vor zusätzlichen Belastungen durch Vermögens- oder Erbschaftssteuern. IV-Generalsekretär Christoph Neumayer erklärt, solche Steuern würden Familienunternehmen das Eigenkapital entziehen, das sie für Investitionen und Arbeitsplätze brauchen.

Laut Daten der Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ) vom Juni könnte jede Senkung der Lohnnebenkosten um einen Prozentpunkt rechnerisch bis zu 12.000 neue Arbeitsplätze schaffen. Im Bezirk Melk waren zuletzt 1.095 offene Stellen verzeichnet – der größte Bedarf besteht in Handel, Logistik und Baugewerbe.

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