ROUNDUP, Russland

Russland und Iran besiegeln Kooperation fĂŒr zwei Jahrzehnte

17.01.2025 - 16:52:37

Russland und der Iran vertiefen ihre militĂ€rische und wirtschaftliche Zusammenarbeit fĂŒr die nĂ€chsten 20 Jahre.

Bei seinem Besuch in Moskau unterzeichnete Irans PrĂ€sident Massud Peseschkian gemeinsam mit Kremlchef Wladimir Putin ein Abkommen ĂŒber eine strategische Partnerschaft, wie das iranische Staatsfernsehen in einer Live-Übertragung zeigte.

Experten bewerten die Zusammenarbeit auch als Reaktion auf die wachsende politische Isolation beider LĂ€nder, die seit Russlands Angriff auf die Ukraine deutlich zugenommen hat. Strenge internationale Sanktionen belasten die Wirtschaften und Finanzsysteme Moskaus und Teherans schwer.

Die Lage in der Ukraine kam nur am Rande zur Sprache. Putin und Peseschkian betonten, dass regionale Probleme von den Akteuren vor Ort geregelt werden sollten und es keine Ă€ußere Einmischung geben dĂŒrfe - gemeint war hier natĂŒrlich nur die UnterstĂŒtzung des Westens fĂŒr das angegriffene Land. Ansonsten Ă€ußerten sich beide Staatschefs nicht zu dem Thema.

Zusammenarbeit auch im Verteidigungssektor geplant

Iranischen Medien zufolge umfasst das Abkommen 47 Artikel und deckt Kooperationen in Bereichen wie MilitĂ€r, Politik, Handel, Forschung, Bildung und Kultur ab. Der Deal erfolgt inmitten politischer UmbrĂŒche im Nahen Osten und kurz vor der AmtseinfĂŒhrung des designierten US-PrĂ€sidenten Donald Trump. Nach jahrelangen, streng geheim gehaltenen Verhandlungen drangen bislang nur wenige Details an die Öffentlichkeit.

Im vergangenen Jahr hatte Russland auch mit Nordkorea eine strategische Partnerschaft vereinbart, die unter anderem einen gegenseitigen militĂ€rischen Beistand im Fall eines Angriffs durch einen Drittstaat vorsieht. Die iranische Seite teilte vorab laut russischen Staatsmedien mit, dass sie selbst fĂŒr ihre Sicherheit sorge und deshalb keine Beistandsklausel vorgesehen sei. Allerdings dĂŒrften beide LĂ€nder ihre militĂ€rische Zusammenarbeit deutlich ausbauen.

Gemeinsame Interessen durch westliche Sanktionen verstÀrkt

In der Praxis hat Teheran Moskau bereits durch die Lieferung von Drohnen unterstĂŒtzt, obwohl die iranische Regierung eine direkte Kriegshilfe offiziell dementiert. Zudem treiben beide LĂ€nder den Aufbau eines neuen Nord-SĂŒd-Korridors auf Schienen voran, um den Handel zu fördern und zu beschleunigen.

Kremlchef Putin nannte die Handels- und Wirtschaftsbeziehungen eins der wichtigsten Kapitel des Abkommens. Er rÀumte dabei ein, dass es dort noch deutlichen Nachholbedarf gebe. Russischen Medien zufolge belÀuft sich das Handelsvolumen beider Anrainer des Kaspischen Meeres auf etwa vier Milliarden Dollar im Jahr. Mit anderen Nachbarn mache Russland ein Vielfaches von diesem Umsatz, sagte Putin.

Gaspipeline noch in der Schwebe

Allerdings gibt es selbst bei konkreten Projekten offenbar noch große Probleme bei der Umsetzung. So planen Moskau und Teheran den Bau einer Gaspipeline. Nach Angaben Putins könnten durch eine solche Leitung im Endstadium bis zu 50 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr fließen. Doch bisher können beide Seiten sich nicht ĂŒber den Preis einigen, wie Putin andeutete.

Russland hat durch seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine den lukrativen europĂ€ischen Markt grĂ¶ĂŸtenteils verloren und sucht nun nach Abnehmern in anderen Teilen der Welt. Doch Preisstreitigkeiten haben auch schon das von Moskau forcierte Gaspipelineprojekt Kraft Sibiriens 2 nach China ausgebremst.

Iran ist prinzipiell an Gas interessiert: Trotz umfangreicher Vorkommen im Persischen Golf hat die iranische Regierung Schwierigkeiten, genug zu fördern, um den eigenen Bedarf zu decken. Hintergrund ist die veraltete Infrastruktur, deren Erneuerung wegen der Sanktionen kaum vorankommt.

Um internationale Finanzsanktionen zu umgehen, haben Russland und der Iran kĂŒrzlich ihre Zahlungssysteme miteinander verknĂŒpft. Die wachsende Kooperation stĂ¶ĂŸt in der iranischen Bevölkerung jedoch auf scharfe Kritik. Viele Menschen wĂŒnschen sich stattdessen eine AnnĂ€herung an den Westen.

Teherans Macht im Nahen Osten schwindet

Zuletzt hatten beide LĂ€nder im Nahen Osten empfindliche RĂŒckschlĂ€ge verzeichnet. Mit dem Sturz des syrischen Langzeitherrschers Baschar al-Assad verlor der Iran einen zentralen VerbĂŒndeten, der unter anderem Waffenlieferungen an die proiranische Hisbollah-Miliz im Libanon erleichtert hatte.

Russland hatte Assad nach Ausbruch des BĂŒrgerkriegs vor ĂŒber zehn Jahren gestĂŒtzt und in Syrien wichtige MilitĂ€rbasen errichtet, die auch als Drehkreuz fĂŒr Moskaus Einfluss in Afrika genutzt wurden. Israel hat mit seinen Angriffen auf den Iran und seine VerbĂŒndeten seit dem Ausbruch des Gaza-Kriegs deren Position deutlich geschwĂ€cht.

@ dpa.de