Stahlumbau, BetriebsrÀte

Stahlumbau gefĂ€hrdet: BetriebsrĂ€te rufen zu Großprotest am 12. Juni

04.06.2026 - 23:49:59 | boerse-global.de

BetriebsrÀte und IG Metall protestieren gegen Verzögerungen bei der wasserstoffbasierten Stahlproduktion im Saarland.

Saarstahl-Umbau: Milliardenprojekt GrĂŒner Stahl vor dem Aus?
Stahlumbau - Eine Industriallandschaft eines Stahlwerks bei Sonnenuntergang, mit rauchenden Schornsteinen und einem grĂŒnen Schimmer am Himmel. 04.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

BetriebsrĂ€te warnen vor Verzögerungen, die den Standort gefĂ€hrden könnten. FĂŒr Mitte Juni sind Proteste angekĂŒndigt.

Betriebsrat schlÀgt Alarm

Der Betriebsratsvorsitzende von Saarstahl, Stephan Ahr, befĂŒrchtet, dass das Projekt „grĂŒner Stahl“ an mangelnder politischer UnterstĂŒtzung scheitert. Eine Lobby deutscher Stahlunternehmen drĂ€nge bei EU und Bundesregierung auf eine Verschiebung des Zeitplans. „Das wĂŒrde das gesamte GeschĂ€ftsmodell zerstören“, warnt Ahr. Der Fortbestand der Stahlindustrie im Saarland stehe auf dem Spiel.

4,3 Milliarden Euro Investition

Die Umstellung auf eine wasserstoffbasierte Produktion ist ab 2029 geplant. Das Investitionsvolumen betrĂ€gt rund 4,3 Milliarden Euro. Doch bereits jetzt belasten Schulden von 1,7 Milliarden Euro das Vorhaben. Die BetriebsrĂ€te von Saarstahl und der Dillinger HĂŒtte rufen gemeinsam mit der IG Metall zum Protest.

Großkundgebung in Völklingen

Am 12. Juni soll es ernst werden. Unter dem Motto „Transformation in Gefahr! Es geht um alles!“ werden in Völklingen bis zu 10.000 Teilnehmer erwartet. Parallel ziehen rund 1.000 BeschĂ€ftigte vom Brandenburger Tor zum Bundeswirtschaftsministerium. Die Gewerkschaft fordert niedrigere Energiepreise und verlĂ€ssliche Bedingungen fĂŒr den klimaneutralen Umbau.

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Streit um CO2-Zertifikate

Ein zentraler Konfliktpunkt ist das System der Emissionsrechte. Die EU erwĂ€gt Änderungen, die Kritiker als Bremse fĂŒr die Umstellung sehen. Herbert Eibensteiner, Chef der voestalpine, fordert weiterhin kostenlose CO2-Zertifikate. Die notwendigen Rahmenbedingungen fĂŒr das Auslaufen der Gratiszuteilungen 2034 fehlten noch. Allein fĂŒr dieses Jahr beziffert der Konzern die Zertifikatskosten auf 230 Millionen Euro.

Iran-Krieg verschÀrft Krise

Externe Faktoren tun ihr Übriges. Die EU-Kommission warnte Anfang Juni vor einem energiepreisbedingten Schock infolge des Iran-Kriegs. EU-weit könnten 1,3 Millionen ArbeitsplĂ€tze gefĂ€hrdet sein. Allein der Stahlsektor wĂ€re mit schĂ€tzungsweise 4.500 betroffenen Stellen belastet. Auch die ostdeutsche Chemiebranche fordert eine vorĂŒbergehende Aussetzung der CO2-Preissteigerungen.

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GrundsÀtzliche Zweifel an Technik

Neben den finanziellen und politischen HĂŒrden gibt es Zweifel an der technischen Machbarkeit. Die Ersetzung von Kohle durch Wasserstoff in den Hochöfen erfordert enorme Ressourcen. SchĂ€tzungen zufolge wĂ€ren 70 Megatonnen Wasserstoff nötig – sowie nahezu die gesamte jĂ€hrliche Stromproduktion der EU.

Die Internationale Energieagentur rechnet damit, dass bis 2050 nur etwa acht Prozent der weltweiten Stahlproduktion auf elektrolysiertem Wasserstoff basieren. WĂ€hrend Wettbewerber wie ArcelorMittal aus bestimmten UmbauplĂ€nen in Deutschland ausgestiegen sind, hĂ€lt die saarlĂ€ndische Industrie an ihren Zielen fĂŒr 2029 fest. Doch die politischen Entwicklungen setzen das Vorhaben massiv unter Druck.

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