Steuerreform, Mittlere

Steuerreform 2027: Mittlere Einkommen verlieren ab 2028 bis 904 Euro

Veröffentlicht: 14.07.2026 um 06:31 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Steigende Sozialabgaben fressen die Steuerentlastung auf. Besonders mittlere und hohe Einkommen müssen ab 2028 mit Nettoverlusten rechnen.

Einkommensteuerreform: Nettoverluste für viele Arbeitnehmer ab 2028
Eine Hand hält einen Taschenrechner, der negative Zahlen anzeigt, mit verschwommenen Euro-Banknoten und Münzen im Hintergrund. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Steigende Sozialabgaben fressen die Entlastung auf.

Mittlere Einkommen zahlen drauf

Das zeigt eine Analyse des Finanzwissenschaftlers Frank Hechtner von der FAU Erlangen-Nürnberg. Ab 2028 drohen Nettoverluste – und zwar bereits ab einem monatlichen Bruttoeinkommen von 3.000 Euro.

Ein kinderloser Single mit 3.000 Euro brutto verliert im Jahr 2028 rund 9 Euro netto im Vergleich zu 2026. Bei 6.000 Euro brutto sind es bereits 242 Euro Minus pro Jahr. Bei 6.500 Euro steigt der Verlust auf 639 Euro, bei 9.000 Euro auf stolze 904 Euro.

Auch Familien bleiben nicht verschont. Ein Doppelverdienerpaar mit zwei Kindern (jeweils 7.000 Euro brutto) büßt jährlich 1.045 Euro netto ein. Leichte Entlastungen gibt es nur für Alleinerziehende mit einem Kind bis 5.500 Euro brutto (maximal plus 25 Euro) oder für Paare mit zwei Kindern und 9.000 Euro gemeinsamen Bruttoeinkommen (plus 44 Euro).

Sozialabgaben steigen kräftig

Die Hauptursache: steigende Sozialversicherungsbeiträge. Der Rentenbeitrag soll auf 19,9 Prozent klettern. Zudem steigen die Beitragsbemessungsgrenzen in der Kranken- und Pflegeversicherung deutlich. Neu hinzu kommt ein Kapitalrentenbeitrag von 0,5 Prozent. Das belastet vor allem mittlere und hohe Einkommen.

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Was die Reform bringt

Der Koalitionsausschuss hatte sich am 2. Juli auf die Reform verständigt. Ab 1. Januar 2027 soll sie jährlich rund 10 Milliarden Euro Entlastung bringen. Die Kernpunkte:

  • Grundfreibetrag steigt auf 12.900 Euro
  • Kindergeld und Kinderfreibetrag erhöhen sich auf 272 Euro
  • Arbeitnehmerpauschbetrag steigt auf 1.430 Euro
  • Spitzensteuersatz greift erst ab 70.600 Euro

Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) betont: Ein vollständiger Ausgleich der kalten Progression hätte rund 15 Milliarden Euro gekostet. Zur Gegenfinanzierung wird die Reichensteuer verschärft: Ab 250.000 Euro greift ein Satz von 45 Prozent, ab 280.000 Euro von 47 Prozent.

Gleichzeitig fallen Vergünstigungen weg oder werden gekürzt. Der Handwerkerbonus sinkt von 20 auf 15 Prozent – der maximale Vorteil schrumpft von 1.200 auf 900 Euro. Die Pauschalsteuer für Minijobs steigt von 2 auf 5 Prozent.

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Steuerzahlergedenktag früher als je zuvor

Der Bund der Steuerzahler legte den Steuerzahlergedenktag auf den 13. Juli. Die durchschnittliche Belastungsquote durch Steuern und Abgaben liegt bei 53,1 Prozent – ein Plus von 0,2 Prozentpunkten. Rein rechnerisch bleiben von jedem verdienten Euro nur 46,9 Cent als verfügbares Einkommen.

Präsident Reiner Holznagel kritisiert die Entlastungen als unzureichend. Rund 75 Prozent der Maßnahmen seien lediglich gesetzlich gebotene Anpassungen von Grundfreibetrag und Kindergeld. Bereits Ende 2025 hatte die Datev gezeigt: Trotz punktueller Steuersenkungen führten gestiegene Zusatzbeiträge und Beitragsbemessungsgrenzen bei vielen Steuerzahlern zu einem Netto-Minus.

Opposition fordert Nachbesserungen

CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann schlug bereits im Februar vor, die Schwelle für den Spitzensteuersatz auf 80.000 Euro anzuheben. Das soll den Mittelstand spürbar entlasten. ifo-Präsident Clemens Fuest hält solche Vorschläge zwar für sinnvoll, aber nicht ausreichend, um die strukturelle Belastung signifikant zu senken.

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