Teilkrankschreibung: Bundestag beschließt 25/ 50/ 75-Prozent-Modell ab 2027
Veröffentlicht: 14.07.2026 um 13:39 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die Reform soll die steigenden Fehlzeiten durch psychische Erkrankungen eindämmen.
Am 10. Juli 2026 verabschiedete der Bundestag das Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Kernstück ist die Einführung der Teilkrankschreibung für gesetzlich Versicherte ab 2027. Das Modell richtet sich vor allem an Arbeitnehmer mit Erkrankungen von mehr als vier Wochen Dauer.
Arbeitgeber behalten Widerspruchsrecht
Die Mediziner legen den Grad der Arbeitsunfähigkeit fest. Arbeitgeber können innerhalb von sieben Tagen widersprechen. Stimmt der Betrieb zu, gibt es sechs Wochen volle Lohnfortzahlung, danach anteiliges Krankengeld.
Kritik kommt von Sozialverbänden und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Bereits am 2. Juli 2026 hatte die Bundesregierung eine Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag beschlossen. Nach heftiger Kritik wurde die Regelung relativiert: Betriebe können weiter individuelle Abweichungen zulassen. Juristen betonen, dass Arbeitgeber schon nach aktueller Rechtsprechung ein Attest ab Tag eins fordern können.
Psychische Erkrankungen auf Rekordniveau
Die Zahlen sind alarmierend: Burnout-bedingte Ausfalltage stiegen in zehn Jahren um 84 Prozent, so die AOK. Laut Pronova BKK waren 2023 rund 13 Prozent der Befragten von Burnout betroffen. Die jährlichen Kosten pro Mitarbeiter liegen bei rund 9.000 Euro.
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Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin definiert psychische Belastungen zunehmend nach internationalen Normen. Doch die Praxis bleibt angespannt. Eine DGB-Befragung von 2022 bis 2026 zeigt: 40 Prozent der Beschäftigten glauben nicht, bis zur Rente durchzuhalten. In Pflege, Bau und Erziehung liegt der Wert sogar über 50 Prozent.
Arbeiten trotz Krankheit – ein wachsendes Problem
Präsentismus heißt das Phänomen: Menschen gehen krank zur Arbeit. In Oberösterreich waren es 2025 fast drei Viertel der Beschäftigten. Gründe sind Pflichtgefühl und Angst vor beruflichen Konsequenzen. International zeigt sich ein ähnlicher Trend: In Spanien stieg die Krankenquote bis 2024 auf 4,5 Prozent – ein Plus von 73 Prozent seit 2018.
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Pilotversuche mit kürzeren Arbeitszeiten bei vollem Lohn zeigen positive Effekte auf Motivation und psychische Gesundheit. Eine Londoner Studie mit 51.000 Beschäftigten fand heraus: Überstunden und hohe Arbeitsintensität schaden dem Karriereerfolg. Autonomie und Entscheidungsfreiheit wirken dagegen als Stresspuffer.
Während andere europäische Länder Arbeitszeitverkürzung erfolgreich umsetzen, fordern Wirtschaftsvertreter in Deutschland und der Schweiz wegen des Fachkräftemangels längere Arbeitszeiten. Mediziner warnen: Bürokratische Hürden bei Krankmeldungen oder reine Symbolpolitik könnten die Praxen überlasten, ohne die strukturellen Ursachen zu bekämpfen.
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