Verdi, Streiks

Ver.di ruft zu bundesweiten Streiks im Einzel- und Großhandel auf

13.05.2026 - 20:32:32 | boerse-global.de

Nach gescheiterten Verhandlungen startet die Gewerkschaft ver.di eine erste große Streikwelle im Handel. Kundgebungen sind in vier deutschen Großstädten geplant.

Ver.di ruft zu bundesweiten Streiks im Einzel- und Großhandel auf - Foto: über boerse-global.de
Ver.di ruft zu bundesweiten Streiks im Einzel- und Großhandel auf - Foto: über boerse-global.de

di hat für diesen Freitag die erste große Streikwelle im Einzel- und Großhandel angekündigt. Nachdem mehrere regionale Verhandlungsrunden gescheitert sind, eskalieren die Tarifkonflikte nun bundesweit. Betroffen sind rund 5,2 Millionen Beschäftigte – allein 3,4 Millionen im Einzelhandel, 1,8 Millionen im Groß- und Außenhandel.

Massive Kluft zwischen Forderungen und Angeboten

Ver.di fordert für alle 16 Einzelhandels- und 20 Großhandelsbezirke einheitlich 7 Prozent mehr Lohn und Gehalt, mindestens jedoch 225 Euro pro Monat. Für untere Einkommensgruppen soll diese Untergrenze den Inflationsausgleich sichern. Im Großhandel liegt die Mindestforderung bei 250 Euro. Azubis sollen 150 Euro monatlich mehr erhalten. Die Laufzeit: maximal zwölf Monate.

Die Arbeitgeber – darunter der Handelsverband Deutschland (HDE) – legten dagegen ein Angebot vor, das ver.di als „Provokation“ bezeichnet. In den Verhandlungen in Hamburg und Nordrhein-Westfalen schlugen sie einen 24-Monats-Vertrag vor, der mit einer sechsmonatigen Nullrunde beginnt. Erst ab November 2026 sollen die Löhne um 2 Prozent steigen, gefolgt von 1,5 Prozent im August 2027.

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Das entspricht einer effektiven jährlichen Steigerung von rund einem Prozent. „Das ist kein Zeichen der Wertschätzung“, kritisierte ver.di-Vorstandsmitglied Silke Zimmer. Viele Beschäftigte könnten kaum noch Miete, Energie und Lebensmittel bezahlen.

Kundgebungen in vier Großstädten geplant

Die erste Streikwelle am 15. Mai konzentriert sich auf zentrale Protestkundgebungen in Frankfurt am Main, Hamburg, Stuttgart und Dortmund. In Dortmund wird Silke Zimmer persönlich zu den Streikenden sprechen.

Zuvor waren bereits Verhandlungen in Niedersachsen und Bremen gescheitert. Dort legten Beschäftigte etwa im Edeka-Lager in Lauenau die Arbeit nieder. Die Gewerkschaft wies darauf hin, dass über 60 Prozent der Belegschaft in Teilzeit arbeiten – viele davon Frauen und Alleinerziehende, die besonders unter Preissteigerungen leiden.

Die Arbeitgeber verweisen auf ein schwieriges wirtschaftliches Umfeld. Der HDE warnt vor geringen Spielräumen für Lohnsteigerungen. Stagnierende Konsumlaune, gestiegene Energie- und Logistikkosten sowie geopolitische Unsicherheiten belasteten die Branche.

Der lange Schatten des Tarifkonflikts 2023/2024

Der aktuelle Konflikt ist eine Fortsetzung des historisch langen Tarifstreits der Jahre 2023/2024. Damals einigten sich die Parteien erst nach über einem Jahr auf einen Dreijahresvertrag mit rund 14 Prozent mehr Entgelt. Diese Verträge liefen Ende April 2026 aus – der Weg für die jetzige Eskalation war frei.

Die Gewerkschaft kontert die Warnungen der Arbeitgeber mit eigenen Zahlen: Der deutsche Einzel- und Großhandel erzielte 2025 einen Gesamtumsatz von rund 2,52 Billionen Euro – ein deutlicher Anstieg gegenüber 2,1 Billionen im Jahr 2024. Davon entfielen 792 Milliarden auf den Einzelhandel, 1,32 Billionen auf den Groß- und Außenhandel. Die Branchengewinne lagen 2024 bei rund 74,4 Milliarden Euro.

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Ein weiterer Dauerstreitpunkt: Die Tarifbindung sinkt. Über 80 Prozent der Unternehmen im Sektor wenden laut ver.di keine Flächentarifverträge mehr an. Das sei „unhaltbar“ für existenzsichernde Löhne und die Altersvorsorge.

Entscheidende Verhandlungen am Montag

Der Streik am Freitag soll den Druck vor den nächsten Verhandlungsrunden erhöhen. Am Montag, 18. Mai, wird im Einzelhandel in Hessen und im Großhandel in Nordrhein-Westfalen weiterverhandelt.

Bleiben die Arbeitgeber bei ihren Angeboten, drohen laut ver.di weitere, flächendeckende Streiks. Beide Seiten stellen sich auf einen langen Konflikt ein – ähnlich dem Vorjahres-Muster. Die Arbeitgeber betonen ihre „finanziellen Schmerzgrenzen“ und warnen vor Jobverlusten. Die Gewerkschaft hält dagegen: Nur deutliche, dauerhafte Lohnsteigerungen könnten den Handel als attraktiven Berufszweig erhalten.

Branchenbeobachter sehen in den Gesprächen am Montag einen entscheidenden Gradmesser. Gelingt kein Durchbruch, drohen Versorgungsengpässe und Lieferverzögerungen im gesamten Sommer. Verbraucher sollten sich auf erste Einschränkungen in den Läden und Logistikketten einstellen.

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