Verfassungsschutz, Russische

Verfassungsschutz warnt: Russische Spionage gegen 21 Rüstungsunternehmen

Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 12:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bundesamt für Verfassungsschutz ruft Rüstungsindustrie zu erhöhter Wachsamkeit auf. Im Fokus stehen hybride Bedrohungen wie Spionage und Sabotage.

Verfassungsschutz warnt Rüstungsfirmen vor russischer Spionage
Moderne Sicherheitsanlage eines Rüstungsunternehmens bei Dämmerung mit Fokus auf Überwachungstechnik. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) hat die deutschen Rüstungsunternehmen zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen. Die Behörde warnt vor gezielten russischen Spionage- und Sabotageaktivitäten. Hintergrund ist eine Liste des russischen Verteidigungsministeriums mit 21 europäischen Unternehmen.

Hybride Bedrohungen im Fokus

Die Sicherheitsbehörden sehen die Aktivitäten vor allem auf drei Ziele gerichtet: Diskreditierung, Störung von Lieferketten und Ausspähung von Produktionsgeheimnissen. Ein besonderes Augenmerk liegt auf Phishing-Angriffen über den Messengerdienst Signal.

Auch physische Bedrohungen bleiben ein Thema. Der Verfassungsschutz verwies auf die weiterhin notwendigen Schutzmaßnahmen für Führungspersonal – nachdem bereits 2024 Mordpläne gegen Rheinmetall-Chef Armin Papperger bekannt geworden waren.

Konkrete Ausspähungsversuche wurden registriert. Im September 2025 entdeckten Ermittler eine Kamera in Minden nahe eines militärischen Bataillons. Neben staatlichen Akteuren identifizieren die Behörden zudem ein linksextremistisches Gefährdungspotenzial. Es richtet sich gegen Unternehmen, die Rüstungsgüter nach Israel exportieren. Erst am Dienstag kam es in Düsseldorf zu Hausdurchsuchungen bei Aktivisten nach einer Aktion gegen einen Bundeswehr-Dienstleister.

Staat investiert in Defence-Tech und Cyberabwehr

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Parallel zur Sicherheitswarnung hat die Bundesregierung gestern eine umfassende Start-up-Strategie beschlossen. Sie umfasst 152 Einzelmaßnahmen. Ein wesentlicher Pfeiler: die Stärkung von Defence-Tech-Unternehmen. Geplant sind direkte Beteiligungen des Bundes an jungen Rüstungsfirmen.

Wirtschaftsministerin Reiche betonte, der Staat wolle künftig verstärkt als Ankerkunde auftreten. Bereits 2025 flossen rund 1,3 Milliarden Euro Wagniskapital in deutsche Verteidigungs-Start-ups.

Zur Flankierung hat das Bundeskabinett das Programm „CyberGovSecure“ verabschiedet. Es soll die Cybersicherheit der Verwaltung und kritischer Infrastrukturen grundlegend neu ordnen. Digitalminister Wildberger erklärte, das bisherige Nebeneinander verschiedener Zuständigkeiten sei nicht mehr haltbar. In der Konzeption befindet sich zudem ein „Cyberdome“ zum Schutz staatlicher IT-Strukturen.

Milliardeninvestitionen in Pulverproduktion

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Trotz der angespannten Sicherheitslage investiert die Industrie massiv in den Ausbau. In Aschau erfolgte gestern die Grundsteinlegung für eine Erweiterung des Pulverwerks der Rheinmetall-Tochter Nitrochemie. Mit Investitionen im dreistelligen Millionenbereich soll die Produktion von 1.700 auf 4.200 Tonnen Pulver per Jahr steigen.

Bayerns Ministerpräsident Söder bezeichnete die Anlage als größtes Pulverwerk Europas. Er betonte die strategische Bedeutung für die Unabhängigkeit der europäischen Munitionsproduktion. Das Werk verfügt über ein Lager für Rohstoffe wie Nitrozellulose, das die Produktion für drei Jahre absichern kann.

Auch bei der Drohnenabwehr entstehen neue Kapazitäten. In Brandenburg eröffnete gestern ein spezialisierter Hub zur Abwehr unbemannter Flugsysteme. Die Behörden meldeten für 2025 insgesamt 225 Fälle von Flugbehinderungen durch Drohnen.

Rosatom-Technologie unter strengen Auflagen

Ein politisch umstrittenes Projekt erhielt unter strengen Sicherheitsauflagen grünes Licht: In Lingen darf die Brennelementeproduktion unter Beteiligung von Rosatom-Technologie fortgeführt werden. Die Genehmigung von gestern ist an strikte Bedingungen geknüpft – darunter ein Zutrittsverbot für russisches Personal und eine vollständige IT-Trennung der betroffenen Produktionsbereiche.

Das niedersächsische Umweltministerium kritisierte die Entscheidung. Die Sicherheitsbehörden sehen das Risiko durch die Schutzmaßnahmen jedoch als kontrollierbar an.

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